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23 November, 2014 - 00:07
 

Der Tod – Wie Kinder das Leben verstehen lernen

Eigentlich gehören traurige Ereignisse zum Leben dazu, trotzdem zögern viele Eltern, ihr Kind mit dem Tod zu konfrontieren. Man sollte jedoch mit dem Kind darüber sprechen, noch bevor diese Situation im persönlichen sozialen Umfeld auftritt.

© itsxtian - Fotolia.com

Kleine Kinder sind neugierig auf alles, was mit dem Leben und mit ihnen zu tun hat. Gleichzeitig sind sie aufgrund ihrer begrenzten Erfahrungen in vielen Bereichen unbelastet und vorurteilsfrei. Aus dieser Position heraus können sie oft besser mit dem Tod oder mit Krankheiten umgehen als Erwachsene. Zu denken, ein Kind wäre noch zu klein und sollte von den traurigen Dingen des Lebens verschont bleiben, unterschätzt seine Kompetenzen. Wichtig ist lediglich, dass diese schwierigen Themen altersgerecht vermittelt werden.


Ansichten über den Tod

Kinder lernen früh zu unterscheiden, ob etwas lebt oder einfach ein Ding ist. In den ersten fünf Lebensjahren hat ein Kind keinerlei Probleme damit, sich vorzustellen, dass etwas, das lebt auch einmal unbelebt oder tot sein kann. Allerdings begreifen Kinder in diesem Alter noch nicht, dass der Tod etwas Endgültiges hat und verstehen oft die Aufregung und Trauer nicht, da der Tod ihrer Ansicht nach ja auch irgendwann wieder vorbei ist. Selbst wenn man ihnen dies zu erklären versucht, überschreitet die Endlichkeit des Lebens ihr Vorstellungsvermögen. Sie versuchen Parallelen zu ziehen und kommen in der Regel zu dem Schluss, dass es das Gleiche ist, ob jemand stirbt oder ob Oma nach einem Wochenendbesuch wieder für längere Zeit abwesend ist. Ein Grund dafür ist die fehlende Vorstellung einer linear voranschreitenden Zeit. Im Prinzip glauben Kinder, dass man ewig leben würde, wenn man nicht zufällig vorher stirbt.

Ab dem Grundschulalter beginnen Kinder den Tod in seiner Endgültigkeit zu erfassen. Ein Kind reagiert empathisch auf die Gefühle, die andere bei Todesfällen haben und beginnt die Trauer zu verstehen, die damit verbunden ist. Allerdings glaubt es selbst nicht an seinen eigenen möglichen Tod und weiß auch nicht, dass der Tod unausweichlich ist. In diesem Alter wird der Tod oft als Person gesehen. Ähnlich wie Gott in ihrer Vorstellung als alter Mann mit weißem Bart im Himmel lebt, ist der Tod vielleicht ein Engel oder ein Skelett. In diesem Alter kommt auch ein Interesse für die Details des Todes auf. Kinder stellen Fragen: Was passiert mit dem Toten? Bleibt er für immer in seinem Sarg? Kann er dort etwas sehen? Diese und ähnliche Fragen sollten Eltern so wahrheitsgemäß wie möglich beantworten, damit sich beim Kind keine beängstigenden Vorstellungen festsetzen.

Im Alter von acht Jahren wissen die meisten Kinder, dass jeder sterben muss, sie selbst eingeschlossen. Nun beginnen sie, sich für das danach zu interessieren. Was passiert mit ihnen selbst, was mit anderen Lebewesen, wenn sie tot sind? In diesem Alter beginnt auch die Gewissheit an die unsterbliche Seele. Die differenzierten Glaubenssätze, die jetzt entstehen, sind stark vom Elternhaus abhängig. Viele Kinder zeigen jetzt eine verstärkte Religiosität, die daher rührt, dass sie glauben wollen, dass sie auch nach dem Tod noch existent sind. In der Pubertät nimmt dies meistens wieder ab und die Kinder wenden sich dem Leben zu. Der Tod wird verdrängt und Gedanken darüber kommen erst dann zum Vorschein, wenn sie mit einem Todesfall konfrontiert werden.


Der Tod als Teil des Lebens

Früher war der Tod für Kinder selbstverständlich. Innerhalb der Großfamilien, die bis zur Industrialisierung die vorwiegende Lebensform waren, erlebten Kinder wie Großeltern, aber auch Geschwister starben. Sie waren in den Kreislauf von Alter, Krankheit und Tod involviert und erlebten dementsprechend den natürlichen Ablauf. Heute werden diese Themen oft aus dem Alltag verbannt und eine Konfrontation mit dem Tod kommt selten vor. Oft ist die erste Erfahrung eines Kindes der Tod des Haustiers. Aber auch Kinder, die nicht direkt mit Todesfällen in Berührung kommen, stellen Fragen. Durch die Tabuisierung dieser Themen in unserer Gesellschaft fällt es Eltern oft schwer, mit ihren Kindern über den Tod zu sprechen. Allerdings ist es wichtig, dies zu tun – am besten, bevor ein realer Todesfall in der Familie auftritt. Dann sind die Kinder vorbereitet und haben keine Angst davor, Fragen zu stellen. Während der Gespräche über den Tod sollten Eltern darauf achten, bestimmte Formulierungen zu vermeiden: Dazu gehören zum Beispiel beschönigende Umschreibungen, die von Einschlafen oder Weggehen sprechen. Sagt man dem Kind: „Dein Hund ist tief eingeschlafen und wird nie mehr aufwachen“ kann dies dazu führen, dass es Angst vorm Einschlafen bekommt.

In diesem Zusammenhang stellt sich oft auch die Frage, ob ein Kind mit auf die Beerdigung von Verwandten oder Freunden gehen soll. Grundsätzlich ist dies zu befürworten, denn man gibt dem Kind die Gelegenheit, den Tod zu verstehen und die Situation bis zum Ende mitzuerleben. Es weiß, wohin der gestorbene Mensch verschwindet und hat die Gelegenheit, Abschied zu nehmen.


Das Leben ist ein Kreislauf, zu dem der Tode ebenso gehört wie die Geburt, Freude und Leid. Dies sollten Eltern ihrem Kind begreiflich machen. Andernfalls kommt das Kind für sich in Erklärungsnot und könnte dabei auf den Gedanken stoßen, dass es selbst für den Tod des Haustiers oder der Großmutter verantwortlich ist – und dem sollten Sie als Eltern unbedingt vorbeugen.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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