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17 Mai, 2015 - 10:33
 

Die Entwicklung des kindlichen Gehirns

Mehr als ein Kilogramm wiegt das Gehirn eines Erwachsenen. Das menschliche Hirn leistet grandiose Arbeit – es steuert sämtliche Körperbewegungen, Nervenreaktionen und den Hormonhaushalt. Darüber hinaus denkt es unablässig und speichert Unmengen an Informationen. Die Grundlagen dafür werden in der Kindheit gelegt.

© Gravicapa - Fotolia.com

Die Entwicklung des Gehirns verläuft in mehreren altersabhängigen Stufen und ist erst mit der Pubertät weitgehend abgeschlossen. Lernen kann ein Gehirn ein Leben lang – wie leistungsfähig es ist, entscheidet sich jedoch in den ersten Lebensjahren, in dem die Synapsen gebildet werden und die Aufnahmefähigkeit besonders groß ist.


Das Gehirn

Großhirn und Kleinhirn, linke und rechte Gehirnhälfte – in diese Zonen lässt sich das menschliche Gehirn einteilen. Das Großhirn besteht aus der rechten und linken Gehirnhälfte, die durch den Balken verbunden sind. In diesem Bereich, der wiederum in mehrere Abschnitte unterteilt ist, werden die verschiedensten Funktionen gesteuert. Die linke Hirnhälfte erfüllt dabei die Aufgabe des logischen Denkens: Sprechen, Denken, Rechnen und Logik sind dort verankert. Die rechte Gehirnhälfte dagegen ist für die visuelle Wahrnehmung, Gefühle, Fantasie und Körperkoordination verantwortlich.

Das Kleinhirn, das ebenfalls in zwei Hälften geteilt ist, steuert die vegetativen Vorgänge im Körper. Dazu gehören zum Beispiel Muskelbewegungen, Motorik oder der Gleichgewichtssinn. Das Kleinhirn steuert die räumliche Orientierung.

Ein Gehirn besteht aus unvorstellbar vielen Nervenzellen und noch mehr Synapsen. Über diese Kontaktstellen werden Reize in Form von elektrischer Energie weitergeleitet. Während ein Neugeborenes etwa 100 Milliarden Nervenzellen hat (dies entspricht der Anzahl der Neuronen eines Erwachsenen), wächst die Anzahl der Synapsen bis zum Ende des dritten Lebensjahres auf 200 Billionen an. Dies sind doppelt so viele Kontaktstellen wie im Gehirn eines erwachsenen Menschen vorhanden sind. Die Vielzahl der Synapsen macht das rasante Lernen des Kindes in den ersten Lebensjahren erst möglich. Je nach Entwicklungsstand werden viele Synapsen in bestimmten Hirnregionen gebildet. In diesen Phasen ist das Kind für bestimmte Lernprozesse besonders empfänglich. So kann ein Kind zum Beispiel in den ersten sechs Lebensjahren Sprachen mühelos erlernen. Im Stirnlappen, in dem Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Planung gesteuert werden, ist die Aktivität zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr am Größten. Eltern erkennen das daran, dass Kinder in diesem Alter im Memory nahezu unschlagbar sind.

Etwa ab einem Alter von 10 Jahren bilden sich nicht benötigte Synapsen zurück und bis zum Erwachsenenalter bleiben etwa 100 Billionen Kontaktstellen erhalten.


Stufen der Gehirnentwicklung

Das Wachstum und die Vernetzung des kindlichen Gehirns verlaufen in verschiedenen Phasen. Dementsprechend stehen, abhängig vom Alter verschiedene Bereiche und Fertigkeiten zur Verfügung:

  • Mit drei bis vier Jahren beginnen Kinder ihr Gedächtnis aktiv zu nutzen und auf Erfahrungen zurückzugreifen. Dies ist der Grund dafür, weswegen an die ersten drei Lebensjahre kaum eine Erinnerung abrufbar ist.
  • Ab einem Alter von vier Jahren kann ein Kind sein Gefühl und seinen Verstand verbinden. Zu diesem Zeitpunkt fangen die Gehirnhälften an zu kommunizieren.
  • Mit etwa sechs Jahren setzen die Selbstkontrolle und die Fähigkeit, Bedürfnisse aufzuschieben ein. Das logische Denken wird ausgeprägter.
  • Im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren wächst die Masse an grauer Gehirnsubstanz, dadurch werden die sprachlichen Fähigkeiten und das räumliche Vorstellungsvermögen erweitert.

Mit etwa 10 Jahren hat das Hirn seinen Wachstumshöhepunkt erreicht. Ab jetzt werden alle nicht benutzten Synapsen langsam zurückentwickelt. Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass Kinder nicht mehr ganz so mühelos lernen und bestimmte Talente verkümmern, das Denken verläuft in mehr oder weniger festgelegten Bahnen.


Was das Gehirnwachstum fördert

Die Gehirnentwicklung und die Bildung der Synapsen sind in hohem Maße vom Lernen geprägt. Kleine Kinder lernen in erster Linie durch Erleben, Nachahmen und Experimentieren. Dementsprechend bildet sich das Gehirn umso vielfältiger aus, je mehr Anregungen es in den ersten Lebensjahren bekommt. Zusätzlich sorgt eine liebevolle und verlässliche Bindung an die Eltern für eine ungestörte Entwicklung im Gehirn. Denn Angst oder Stress – zum Beispiel durch Vernachlässigung oder Lieblosigkeit – lösen die Ausschüttung von Cortisol aus. Das Stresshormon blockiert die Entwicklung des Gehirns, insbesondere die Bildung der Synapsen.

Ebenso wichtig ist es, bereits vor der Geburt des Kindes gesund zu leben und auf Alkohol, Nikotin und andere Nervengifte zu verzichten. Eine gute Versorgung mit Nährstoffen in den ersten Lebensjahren, ausreichend Zuwendung, viel körperliche Bewegung und genügend Anregungen fördern die Vernetzung außerdem.

Neben dieser grundsätzlichen Förderung der Gehirnentwicklung gibt es gezielte Fördermethoden, mit denen bestimmte Fähigkeiten eines Kindes aktiviert, bzw. erhalten bleiben. Dazu gehört zum Beispiel PEKiP (Prager Eltern Kind Progamm) zur Förderung der Koordination, die musikalische Früherziehung, Fremdsprachen für Vorschulkinder oder Babyschwimmen. Im richtigen Alter durchgeführt, regt die frühe Förderung die entsprechenden Kontaktstellen im Gehirn an und sie bleiben dauerhaft erhalten.


Vorsicht vor Überforderung

Auch wenn ein Kindergehirn durch die Vielzahl an Synapsen außerordentlich leistungsfähig ist, kann es doch schnell überfordert werden. Vor allem müssen Förderung und gestellte Aufgaben dem körperlichen und geistigen Entwicklungsstand des Kindes entsprechen. Auch das Maß an Frühförderung muss in Grenzen gehalten werden, damit Erfahrungen und Wissen zwischendurch immer wieder verarbeitet werden können. Lässt man Kindern freien Raum, dann finden sie selbst das, wovon sie für den Augenblick am meisten lernen können und werden so ganz nebenbei selbstbewusst und sicher. Neben gezielten Förderprogrammen muss ein Kind immer auch genug Zeit haben, frei und ziellos zu spielen und die Welt im eigenen Tempo zu entdecken.

 


Zum Weiterlesen:

http://www.zeit.de/2002/48/Lernen-Eliot


Büchertipp:
http://www.amazon.de/geht-drinnen-Gehirnentwicklung-ersten-Lebensjahren/dp/3827002044
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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