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8 Januar, 2018 - 09:02
 

Die Ich-Entwicklung bei Babys und Kleinkindern

Ein neugeborenes Baby fühlt sich in den ersten Lebenswochen noch völlig eins mit seiner Mutter. Erst im Laufe der Zeit entwickelt es eine Vorstellung von sich selbst als eigenständige Person. Es entwickelt erst ein körperliches, später auch ein geistiges Gefühl der Eigenständigkeit und einen eigenen Willen.

© ra2 studio - Fotolia.com

Als wichtiger Indikator für ein vorhandenes Ich-Bewusstsein ist der Spiegeltest, bei dem sich Kinder selbst erkennen. Meist entwickelt sich dies im Alter zwischen sechs und 18 Monaten, diese Entwicklungsphase wird auch als Spiegel-Stadium bezeichnet. Allerdings ist dies nur ein Aspekt des eigenen Ich-Verständnisses. Um sich selbst zu erkennen, sind verschiedene Hirnregionen beteiligt, die sich im Laufe der ersten Lebensmonate bzw. -jahre entwickeln.


Die beteiligten Hirnregionen

Hirnforscher haben an Erwachsenen untersucht, welche Regionen im Gehirn daran beteiligt sind, sich selbst zu erkennen. Studien haben ergeben, dass dies im präfrontalen Cortex geschieht, der auf Unterschiede reagiert. Weiterhin beteiligt sind die Teile des Schläfenlappens, die Bekanntes wahrnehmen, ein Bereich des limbischen Systems sowie die Inselrinde, die für Emotionen zuständig ist. Schließlich wird das Gesicht als Teil des eigenen Körpers wahrgenommen, dies übernimmt der Parietalcortex. Sich selbst im Spiegel zu erkennen, ist allerdings noch nicht ausreichend für ein Ich-Bewusstsein. Die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis, also zum Verständnis, dass die eigene Wahrnehmung von der anderer Menschen unabhängig ist, entwickelt ein Kind erst viele Lebensmonate später, laut Entwicklungspsychologen im Alter von drei bis vier Jahren.


Das eigenständige Kind – und die Folgen für die Eltern

Mit der Entdeckung der Eigenständigkeit erwacht auch der eigene Wille des Kindes. Eltern bekommen diesen meist in der Trotzphase intensiv zu spüren. Etwa mit zwei Jahren wird die Willenskraft des Kindes so übermächtig, dass es sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln durchzusetzen versucht. Die Bandbreite ist dabei groß und hängt vom Temperament, aber auch vom Umgang der Eltern mit diesem kindlichen Entwicklungsstadium ab. Während einige Kinder nur durch sporadische Sturheit und Bockigkeit auffallen, neigen andere zu extremen Wutausbrüchen mit Schreien, Schlagen und Umsichtreten. Eines haben allerdings alle Trotzanfälle gemeinsam: Sie beginnen ohne Vorwarnung und sind mitunter ebenso schnell wieder vorbei.


Die erste Abgrenzung und andere Zeichen der Ich-Entwicklung

Mit zunehmender Persönlichkeitsentwicklung und der Erkenntnis des Kindes, dass es ein eigenständiges Wesen ist, beginnt es auch, sich von den Eltern abzugrenzen. Das beginnt im Kleinkindalter damit, dass Kinder zunehmend alles selbst machen wollen, oft sehr zum Leidwesen der Eltern, die geduldig warten sollten, bis Ihr Kind sich Jacke oder Schuhe selbst angezogen hat. Während ein Dreijähriger noch der Meinung ist, sein Wissen stände auch allen anderen Menschen zur Verfügung, hat es mit fünf Jahren gelernt, was Geheimnisse sind und probiert dies aus, indem es Dinge für sich behält. Gleichzeitig wird das Kind damit autark, es kontrolliert Situationen und Wissen unabhängig von den Eltern.
Das Ich-Bewusstsein eines Kindes entwickelt sich ganz von selbst in den ersten Lebensjahren, Eltern können auf das Tempo wenig Einfluss nehmen. Allerdings können Sie dafür sorgen, dass Ihr Kind ein positives Selbstbild entwickelt. Dazu benötigen Kinder eine respektvolle und fürsorgliche Behandlung, die von Akzeptanz geprägt ist, Erfolgserlebnisse, Werte und Ziele, mit denen Ihr Kind sich identifizieren kann und die Fähigkeit, mit Niederlagen, Kritik und Zurückweisungen angemessen umzugehen.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de