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13 Dezember, 2016 - 11:48
 

Die Tür bleibt zu! Kinder einsperren als Schlaflernmethode

In den USA greifen einige Eltern zu rabiaten Methoden, um dem Nachwuchs das Schlafen beizubringen: Sie sperren ihre Kinder nachts ins Kinderzimmer ein. Das Schlimmste daran: Dies erfolgt auf Rat von Ärzten, die das Schreien lassen als probates Mittel empfehlen, um Eltern ihre Nachtruhe zu ermöglichen.

© Aliaksei Lasevich - Fotolia.com

Die Folgen fürs Kind sind fatal, doch das spielt in den Augen der Befürworter kaum eine Rolle. Einige Stimmen finden es sogar hilfreich für die Entwicklung des Kindes – es solle lernen, mit Demütigungen umzugehen. Die Methode - unter anderem propagiert von Tracy Cutchlow in ihrem Buch "Zero to Five" - erinnert an frühere Zeiten, als die Missachtung der kindlichen Bedürfnisse noch ganz normal war. Wir wissen heute, dass Kinder Zuwendung und die Erfüllung ihrer emotionalen Bedürfnisse für eine gesunde Entwicklung brauchen.


Der heilige Nachtschlaf

So süß unser Nachwuchs auch ist, irgendwann soll Ruhe einkehren. Während die meisten Kinder ab einem Alter von einem Jahr oder sogar früher durchschlafen, gibt es auch die Anderen, die noch mit vier oder fünf nachts wach werden - und damit auch die Eltern. Wer berufstätig ist oder einen stressigen Alltag hat, ist auf seinen Schlaf angewiesen. Wird der regelmäßig und nachhaltig gestört, hat das Auswirkungen auf die Stimmung, aber auch auf die Stabilität und die Leistungsfähigkeit. Was tun, wenn das Kind nicht schlafen kann? Die neue Lösung aus Amerika lautet: Einfach einsperren. Die Kinder werden in ihr Zimmer gesperrt und müssen dort selbst sehen, wie sie zurechtkommen. Mit ihrem Bedürfnis nach Nähe, ihrer Angst vor den Monstern unterm Bett oder all den anderen Gründen, die die Kleinen nachts nicht schlafen lassen sind sie allein gelassen. Es werden bereits Fragen laut, ob das wirklich noch als Erziehungsmethode durchgeht oder ob es sich dabei schon um Kindesmisshandlung handelt.


Warum Kinder uns nachts brauchen

Wenn Kinder nachts nicht durchschlafen, kann das viele Gründe haben. Manchmal sind es einfach nur unruhige Entwicklungsphasen, andere Kinder haben ein so großes Nähebedürfnis, dass der Abstand von den Eltern sie nachts wachhält. Und bei vielen Nachteulen gibt es schlichtweg keinen erkennbaren Grund, warum sie in der Nacht nicht oder nur schwer zur Ruhe kommen. Ein geregelter Tagesablauf oder auch weniger Schlaf am Tag kann häufig Abhilfe schaffen. Manchen Kindern helfen Einschlafrituale oder eine Toberunde vorm Ins-Bett-Gehen, andere schlafen in der Nähe der Eltern problemlos ein und durch. Und manchmal brauchen Kinder einfach nur die Geduld und Liebe der Eltern bis sie soweit sind, die Nächte allein zu verbringen. Eltern, denen die Zeit und Ruhe fehlt, das Kind in seiner Schlafentwicklung zu begleiten, wünschen sich schnelle Lösungen. Eine davon ist die aus Amerika: Das Kind wird solange zermürbt und alleingelassen, bis es begreift: Nachts kommt keiner, der mich rettet, es hat keinen Zweck zu schreien und zu weinen. Bei den meisten Kindern funktioniert diese Technik sicher irgendwann, doch was den Eltern den Nachtschlaf zurückgibt, kann beim Kind tiefe Narben hinterlassen.


Alleingelassen – Was das mit Kindern machen kann!

Kinder bilden in den ersten Lebenstagen und Monaten das Urvertrauen aus. Es entsteht durch Zuwendung und Körperkontakt, aber auch durch die Gewissheit, dass wichtige Bedürfnisse erfüllt werden. Einmal stabilisiert, hilft es Kindern auch später, schwierige Situationen zu meistern und das Vertrauen ins Leben nicht zu verlieren. Das gilt allerdings nicht für traumatische Erlebnisse wie das Eingesperrt werden. Hierbei macht das (Klein)Kind die beängstigende Erfahrung, dass es ganz allein ist und diese Erfahrung wird sich in seinem System festsetzen. Vertrauen ist eine wichtige Lebensgrundlage. Fehlt es oder wird es gestört, dann kann sich ein generelles Misstrauen entwickeln, es entstehen Gefühle der Einsamkeit bis hin zu echten Verhaltensstörungen.


Unsere Kinder brauchen uns – auch dann noch, wenn das Licht ausgeht und wir im Grunde genommen unsere Ruhe haben wollen. Es spricht nichts dagegen, Kindern Grenzen aufzuzeigen und als Elternteil auch eigenen Raum in Anspruch zu nehmen. Mit Methoden wie der oben beschriebenen zahlen wir für unsere Ruhe allerdings einen hohen Preis: Ein gestörtes Vertrauensverhältnis zum Kind und Narben in dessen Psyche, die womöglich den Rest seines Lebens beeinflussen werden.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de