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20 Januar, 2016 - 10:10
 

Die Wiege der Intelligenz – Ergebnisse modernen Hirnforschung

Nach neuesten Erkenntnissen aus der Hirnforschung sind bereits 50 % aller Anlagen bereits bei der Geburt vorhanden. Eltern und Schule können nur etwa 30 % durch eine entsprechende Erziehung und Förderung beitragen. Was können Eltern also überhaupt sinnvoll tun, um ihr Kind „schlauer“ zu machen und was leisten die Schulen in diesem Zusammenhang?

© olly - Fotolia.com

In der Hirnforschung gibt es mittlerweile recht klare Ansichten darüber, wie Kinder lernen. Insbesondere die ersten Lebensjahre sind ganz entscheidend und bilden die Basis für den Rest des Lebens – in Sachen Intelligenz, aber auch wenn es um Verhaltensmuster und Strategien geht. Um später als selbständige Persönlichkeit durchs Leben gehen zu können, müssen Kinder das entwickeln, was wir heute „Soft Skills“ nennen, nämlich Hilfsbereitschaft, Begeisterungsfähigkeit und die Freude am Gestalten. Eltern können dazu beitragen, dass die Lust am Entdecken und Forschen im Kind lebendig bleibt.


Der Intelligenzquotient – Tendenz steigend

Laut den Beobachtungen eines neuseeländischen Forschers steigt der Intelligenzquotient der Menschen seit den 1930er Jahren zusehends an. Dies ließ sich in Amerika, aber auch in Deutschland und anderen Industrienationen feststellen. Der Intelligenzforscher James Flynn forscht an diesem Effekt heute noch und stellt ein Fortschreiten des Trends fest. In Deutschland zeigt sich aus Vergleichen von erwachsenen Personen ein Anstieg von durchschnittlich 0,35 IQ-Punkten pro Jahr. Als Grund für diese Entwicklung wird die Evolution angenommen. Sich in der Welt zu orientieren wird aufgrund der steigenden Komplexität immer schwieriger, die Ansprüche an die Intelligenz sind dementsprechend höher – und der Mensch passt sich an. Die Notwendigkeit eines funktionierenden Denkvermögens trifft dabei auf Grundbedingungen, die es dem Menschen leicht machen, Intelligenz zu entfalten und zu entwickeln. Ernährung und die gute Gesundheitsversorgung beschleunigen weiterhin die Entwicklungsprozesse.

Erfolge im Leben und im Beruf sind allerdings nicht allein von der Intelligenz abhängig. So muss man nicht unbedingt überdurchschnittlich intelligent sein, um gute Leistungen in der Schule zu erreichen. Ebenso wichtig sind eine gute Motivation, Ausdauer und Fleiß. Ohne diese Eigenschaften kommt auch ein sehr intelligenter oder hochbegabter Mensch im Leben nicht besonders weit.


Offen für alles – der Schatz der frühen Kindheit

Der Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther sieht in der Entdeckerfreude und Offenheit kleiner Kinder einen Schatz, der leider durch die Zwänge im Leben und Reglementierung von vielen Seiten wie Eltern oder Schule oft allzu früh verschüttet wird. Die moderne Hirnforschung weiß längst: Bildung kommt nicht von außen und lässt sich nicht durch das Einfüllen von möglichst viel Sachwissen in das Kindergehirn erzielen. Motivation, Selbstkontrolle und Empathie sind die wichtige Eigenschaften, die erhalten und gefördert werden müssen. Der „Rest“, nämlich die Aneignung von Erfahrung und Wissen, kommt dann von ganz allein und aus der Motivation des Kindes heraus. Das sorgt für Nachhaltigkeit und Informationen, die man nicht mehr so leicht vergisst. Damit ein Kind sich so entfalten kann, ist es wichtig, seine Neugierde nicht zu ersticken – es will und soll selbst erkunden, wie sich die Dinge verhalten und aus eigenem Antrieb immer mehr fragen und wissen wollen. Oft wird den Kindern – in der Schule, aber auch von wohlmeinenden Eltern – fertiges Wissen auf dem Silbertablett serviert und das ungefragt. Wertvoller ist es, dem Kind Zugang zu den Informationen zu verschaffen, anstatt es mit dem eigenen Wissen zu überfrachten.


Das Gehirn eines Kindes – formbar und mit riesigen Kapazitäten

Zu Beginn seines Lebens verfügt ein Kind über gewaltige Überschüsse an Gehirnkapazität durch eine Vielzahl an Vernetzungsoptionen. Bis zum sechsten Lebensjahr bleibt dieser Überschuss vorhanden, dann werden langsam ungenutzte Verbindungen wieder abgebaut. Das heißt: Je mehr Erfahrungen ein Kind in den ersten Lebensjahren macht, umso mehr Gehirnkapazität in Form von synaptischen Verbindungen behält es.  Damit diese Verbindungen auch geschaffen werden können, braucht es jedoch noch eine entscheidende Zutat: Die Lust des Kindes auf das, was es lernen soll. Ist die nicht vorhanden, dann nützen auch die besten Förderkurse nichts, das Wissen wird nicht dauerhaft gespeichert. Es gilt als gesichert, dass ein Kind durch selbstbestimmtes Lernen und von sich heraus gewählte Beschäftigungen einen vielfach höheren Effekt mitnimmt als von außen gesteuerten Förderungen.


Was wirklich wichtig ist

Verunsicherte Eltern stellen sich diese Frage oft: Was müssen unsere Kinder denn nun lernen, um zu intelligenten und selbständigen Menschen heranzuwachsen? Wenig förderlich wäre es, die eigenen Vorstellungen aufs Kind zu projizieren. Fragen Sie sich: Was will und braucht Ihr Kind? Schöpfen Sie aus der Weisheit eines offenen Geistes, der noch sehr klar spüren kann, was ihn beim Entwickeln und Wachsen unterstützt. Kinder brauchen Rückhalt und das Gefühl, dass sie auf ihrem Weg beschützt sind und von Ihnen unterstützt werden - und das gerade in schwierigen Situationen. Die Erfolge, die ein Kind dadurch erzielt, machen es ebenso stark und schlau wie die Niederlagen, aus denen es lernt.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de