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8 März, 2017 - 11:37
 

Disziplin und Kinder – Wie gehört das zusammen?

Disziplin ist in der Erziehung ein wichtiges Thema. Zum einen müssen Kinder ein gewisses Maß an Disziplin lernen, zum anderen müssen aber auch Eltern in ihrer Erziehung diszipliniert sein und dem Kind einen klaren Rahmen vorgeben, in dem es sich bewegen kann.

© jörn buchheim - Fotolia.com

Das Wort Disziplin ist oft negativ belegt und lässt uns an Drill, Dressur und Autoritäten denken. Im Rahmen der Kindererziehung sollte die Disziplin allerdings als etwas durchweg Positives verstanden werden - als Oberbegriff für Verantwortungsbewusstsein, Konsequenz und Durchhaltevermögen. Dies erlernen Kinder dann, wenn es ihnen von den Eltern richtig vorgemacht wird. Disziplinlose Eltern werden es kaum schaffen, ihren Kindern die Bedeutung dieses Wortes zu vermitteln.


Was genau ist eigentlich Disziplin?

Morgens und abends Zähneputzen, vor dem Essen die Hände waschen, nach dem Toilettengang ebenfalls – Beispiele für diszipliniertes Verhalten, das wir kaum als solches empfinden, weil es uns eine Gewohnheit geworden ist und weil wir den Sinn in diesen Handlungen sehen. Disziplin, die aus Einsicht zustande kommt, ist die einzig stabile Form. Wird versucht, durch Drill und Strafen ein diszipliniertes Verhalten zu erreichen, mag dies gelingen, doch die Disziplin wird hier durch Angst erzeugt und wird sich nicht im Charakter des Kindes verankern. In der Definition unterscheiden sich dementsprechend Gehorsam und Selbstdisziplin. Während ersteres auf das Sich Fügen gegenüber den Eltern und den Regeln in der Familie bezogen ist, meint die Selbstdisziplin, die Fähigkeit zur Selbstkontrolle: Zum einen bedeutet es Kontrolle über die eigenen Emotionen, zum anderen die Überwindung des „inneren Schweinehundes“. Das Einhalten von Ernährungsvorschriften - der Verzicht auf Alkohol oder Zigaretten oder die Erfüllung von Leistungsanforderungen im Berufsleben – wer dies auch gegen innere Widerstände schafft, verfügt über ein hohes Maß an Selbstdisziplin.

Leider geht die Selbstkontrolle oft mit der Verleugnung der eigenen Bedürfnisse und Gefühle einher. Es gilt, bereits den Kindern diesen feinen Unterschied zu vermitteln: nämlich einerseits diszipliniert zu leben und zu handeln, andererseits aber auch die eigenen Bedürfnisse und Emotionen wahrzunehmen und zu respektieren.


Disziplin ist Ordnung

Im Prinzip bedeutet das Wort Disziplin, dass sich das Verhalten eines Einzelnen auf eine vorhandene Ordnung bezieht. Auf Kinder und ihre Entwicklung umgesetzt heißt das, dass ein Kind in der Lage ist, sich in dem Rahmen, der ihm gesteckt wird, sicher zu bewegen. Dafür, dass der Rahmen so klar gefasst ist, dass ein Kind die Grenzen klar und deutlich sieht, sind die Eltern zuständig. Damit ein Kind Disziplin – also Ordnung – erlebt und leben kann, müssen die Eltern Vorbild sein, durch ihr eigenes Handeln und in der Interaktion mit dem Kind.

Disziplin hilft einem Kind, sich zu orientieren und gibt ihm Sicherheit, das Gefühl, das eigene Leben steuern und kontrollieren zu können. Die Dinge und Situationen, mit denen ein Kind in seinem familiären Umfeld konfrontiert wird, müssen überschaubar sein (klare Grenzen!). Sind diese Voraussetzungen gegeben, entwickelt ein Kind die Fähigkeit sich selbst zu disziplinieren. Es verinnerlicht die Werte, die es von den Eltern vermittelt bekommt, orientiert sich an den Strukturen und Ritualen, an verlässlichen Tagesabläufen.


Wie viel Disziplin ist nötig?

Zu viel Disziplin kann erdrückend sein. Denn ein Kind, dass allzu sehr in Regeln gefangen ist, dem wird die Möglichkeit verwehrt, seinem Lebenszweck nachzugehen: Forschen, erforschen, die Welt kennen lernen und dadurch zu einem Menschen mit vielseitigen Fähigkeiten heranzuwachsen. Wenn Disziplin in Drill ausartet, dann verliert ein Kind seine natürliche Neugier – der ihm eigene Drang zu hinterfragen verkümmert und am Ende bleibt ein Mensch, der gegenüber Autoritäten einfach „Ja“ sagt, ohne sich um die Gründe zu kümmern.


Kinder lernen durch Nachahmung

Für Kinder sind Eltern das wichtigste Vorbild, vor allem in den ersten Lebensjahren. In dieser Zeit lernen sie je nachdem von den Eltern, was Disziplin bedeutet oder übernehmen deren eigene Disziplinlosigkeit. Verantwortungsgefühl und Konsequenz ist das, was Eltern ihren Kindern vermitteln müssen:

  • Halten Sie Versprechen, die Sie Ihrem Kind gegeben haben, unbedingt ein.
  • Seien Sie ein verlässlicher Ansprechpartner für Ihr Kind, egal mit welchen Sorgen es zu Ihnen kommt.
  • Bleiben Sie ehrlich. Sie müssen Ihrem Kind nicht immer alles sagen, aber lügen Sie es nicht an.
  • Halten Sie „Drohungen“ ein und machen Sie sich dadurch durchschaubar und berechenbar.
  • Leben Sie Ihrem Kind Ordentlichkeit vor und helfen Sie ihm, selber ordentlich zu sein.

Ihre eigene Disziplin, Tag für Tag vorgelebt, ermöglicht Ihrem Kind erst, selbst diszipliniert zu handeln und sich der Kontrolle seiner eigenen Werte unterzuordnen. Im Prinzip ist dies die Basis der Erziehung. Von dieser Warte aus betrachtet ist „Disziplin“ - ein Wort, das oftmals einen schalen Beigeschmack verursacht - einfach nur das, was wir unseren Kindern ohnehin mit auf den Weg geben wollten.

 


Zum Weiterlesen:
http://www.sueddeutsche.de/leben/kindererziehung-zur-hoelle-mit-der-disziplin-1.473754-2
http://www.spielundzukunft.de/www.spielundzukunft.de/index.php?StoryID=1290
http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstdisziplin
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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