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19 September, 2016 - 10:37
 

Eifersucht auf das neue Geschwisterkind

Wenn das zweite Kind geboren wird, verändert sich die Familienstruktur dramatisch. Das Erstgeborene, das jäh von seinem Thron geworfen wird, reagiert oft mit Eifersucht auf das Geschwisterchen, wenn die Eltern nicht aufmerksam mit der neuen Situation umgehen. Werden jedoch einige Grundsätze befolgt, dann können brenzlige Momente schnell entschärft werden.

© Renata Osinska - Fotolia.com

Verhalten der erstgeborenen Kinder

Sind die erstgeborenen Kinder noch klein, dann kommt es nach der Geburt des Geschwisterchens oft zu Rückschritten in der Entwicklung. Die „Großen“ wollen plötzlich wieder getragen werden, verlangen nach dem Fläschchen und wollen gefüttert werden. Dieses Verhalten ist der Kampf um Aufmerksamkeit, die Erstgeborenen fordern die gleichen Rechte ein, die auch das neue Geschwisterchen hat. Sprüche wie: „Dazu bist du schon zu groß.“ sind hier fehl am Platz, ganz im Gegenteil ist dieses Verhalten als Signal zu verstehen, dass das ältere Kind sich zurückgesetzt fühlt. Einfühlsamkeit ist jetzt sehr wichtig, denn ein komplettes Eingehen auf die Wünsche des Kindes ist genauso verkehrt wie das entschiedene Ablehnen der Wünsche. Als Eltern müssen Sie Wege finden, das Bedürfnis des Kindes nach Aufmerksamkeit und Zuneigung zu erfüllen und das altersgerecht. Lassen Sie Ihr Kind für eine Weile klein sein, versuchen Sie aber gleichzeitig, die Zuwendung durch gemeinsame Aktivitäten und Aufmerksamkeit für die Gedanken und Wünsche des größeren Kindes zu geben. Sobald das Kind spürt, dass es ebenso geschätzt und beachtet wird wie sein kleines Geschwisterchen, wird sich das Verhalten wieder normalisieren.

 

Eifersuchtsattacken als Warnsignal

Wenn die gemäßigten Eifersuchtssignale von Kindern nicht beachtet werden, dann kann es ernst werden und es kann im schlimmsten Fall zu tätlichen Angriffen auf das Baby kommen. Wenn es soweit ist, sollten bei Ihnen alle Alarmglocken klingeln, denn zu diesen Mitteln greifen Kinder erst, wenn alle anderen Zeichen, die sie geben, von den Eltern ignoriert werden. Auch hier wäre es falsch, die älteren Kinder hart für ihr Verhalten zu strafen. Ihr Kind ist in diesem Fall verzweifelt und versucht mit allen Mitteln, Ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Negative Aufmerksamkeit ist ihm dabei immer noch lieber als sich unbeachtet zu fühlen.

 

So lässt sich Eifersucht auf das neue Geschwisterchen einschränken oder ganz vermeiden

Grundsätzlich wird die Eifersucht des Erstgeborenen schon durch einen größeren Altersunterschied verringert. Denn wenn die Geschwister altersmäßig eng beieinander liegen, empfinden sie sehr ähnlich und haben mehr Berührungs- und Vergleichspunkte als wenn der Altersabstand größer ist. Prinzipiell wird ein Abstand von mindestens drei Jahren empfohlen – allerdings widerlegen jede Menge harmonische Geschwisterbeziehungen mit geringerem Altersabstand diese Empfehlung auch wieder.

Unabhängig vom Altersunterschied sollten Eltern folgende Regeln beachten, wenn ein zweites Kind die Familie vergrößert:
 

Vor der Geburt:

  • Bereiten Sie Ihr Kind rechtzeitig aufs zweite Baby vor. Dabei gilt: Je kleiner das Kind, desto später können Sie ihm von der Schwangerschaft der Mama erzählen.
  • Erzählen Sie Ihrem Kind keine Geschichten über den tollen neuen Spielkameraden, den es mit der Geburt des Geschwisterkindes erhält. Dies wird so oder so noch eine Weile dauern. Das Kind ist nur enttäuscht, wenn statt dem Spielgefährten ein Baby ankommt, dass die Aufmerksamkeit von Vater und Mutter stark einfordert.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Veränderungen. Bei kleineren Kindern können entsprechende Bilderbücher die Umstellung nach der Geburt des Geschwisterchens thematisieren und erklären
  • Sie als Vater sollten sich jetzt schon darauf einstellen, dass Sie sich mehr um Ihr erstgeborenes Kind kümmern. Lassen Sie sich darauf ein. Damit unterstützen Sie Ihre Partnerin und stärken die Bindung zu Ihrem erstgeborenen Kind. Dazu sollten Sie Ihre Vaterrolle schon vor der Geburt stärker wahrnehmen.

 

Die erste Zeit nach der Geburt

  • Schließen Sie Ihr erstgeborenes Kind vor allem die erste Zeit nicht aus, indem Sie es bei Großeltern oder anderen Verwandten unterbringen.
  • Verzichten Sie auf größere Erziehungsprojekte: Für Schnullerentwöhnung, Töpfchentraining oder auch die Eingewöhnung im Kindergarten ist jetzt die denkbar schlechteste Zeit.
  • Erinnern Sie Besucher daran, dass diese für beide Kinder Geschenke mitbringen und sich zuerst mit dem größeren Kind beschäftigen.
  • Und das allerwichtigste: zeigen Sie Verständnis. Ihr großes Kind hat sich diese Situation nicht ausgesucht und kann vieles nicht verstehen.

 

Umgang mit dem größeren Kind

  • Im Zusammenleben sollten Sie immer darauf achten, dass das größere Kind gewisse Privilegien hat. Lassen Sie das größere Kind zum Beispiel länger aufbleiben als das kleine und wenn es nur für 30 Minuten ist.
  • Gleichzeitig sollten Sie aber immer bedenken, dass auch Ihr großes Kind noch klein ist. Halsen Sie ihm nicht zu viele Aufgaben auf und erlauben Sie ihm ebenfalls, klein und anlehnungsbedürftig zu sein.
  • Vermeiden Sie Verbote, die mit dem Baby zusammenhängen. Wenn Sie Ihr großes Kind ständig zur Ruhe mahnen oder es auffordern, die Hände zu waschen, bevor es das kleine anfassen darf, nervt das.
     

Wenn Sie diese Regeln beachten und darüber hinaus achtsam mit den Bedürfnissen und Gefühlen Ihres Kindes umgehen, wird sich die Eifersucht in Grenzen halten. Verstehen Sie den Ausdruck negativer Gefühle des größeren Kindes dem kleinen gegenüber als das, was es ist, nämlich als Bitte um mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de