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27 März, 2016 - 10:50
 

Erziehung? Bloß nicht wie meine Eltern!?

Spätestens mit der Geburt des ersten Kindes machen wir uns Gedanken, wie wir es erziehen wollen. Welche Werte sind uns wichtig? Ganz zwangsläufig denken wir dann über die Erziehung durch unsere eigenen Eltern nach. Was war gut? Was würden wir anders machen? Nicht immer gelingt der Ausbruch aus den alten Verhaltensweisen und oft imitieren wir unsere Eltern doch. Warum das so ist? vaterfreuden.de ist dieser Frage einmal nachgegangen.

© photophonie - Fotolia.com

Um es gleich einmal vorwegzunehmen:

Laut der Shell-Jugendstudie von 2009 wollten 71 Prozent der befragten Personen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren die Kinder ähnlich erziehen, wie es ihre Eltern getan haben. Nur 28 Prozent würden es ganz anders machen. Ein erstaunlicher Wert, denn noch Mitte der 80er Jahre sprach sich fast die Hälfte der Jugendlichen dafür aus, ihre Kinder später einmal anders erziehen zu wollen.


Veränderte Erziehungsstile

Die Tatsache, dass viele Kinder und Jugendliche mit der Erziehung durch ihre Eltern einverstanden sind und es später mit ihren eigenen Kindern ähnlich machen würden, hängt natürlich auch mit den Erziehungsstilen zusammen, die sich in den letzten Jahren deutlich verändert haben. Körperliche Strafen, absolute Disziplin und unbedingter Gehorsam – das war gestern. Heute stehen Diskussionen, Überzeugungsarbeit und die Suche nach Kompromissen hoch im Kurs und machen aus den Kindern willensstarke Persönlichkeiten.  Wohl auch deshalb gaben zwei Drittel der befragten Eltern an, dass sie die Erziehung als anstrengend empfinden. Etwa die Hälfte findet, es sei in den letzten Jahren schwieriger geworden, Kinder zu erziehen.



Die Fehler von einst

Trotzdem - auch unsere Eltern waren nicht perfekt. Und sicher kann sich jeder an die Dinge erinnern, die ihn wütend, traurig gemacht oder vielleicht sogar verletzt haben. All das wollen wir unseren Kindern ersparen, nur leider gelingt das nicht immer. Sätze wie „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, machst du, was ich sage!“ oder „Wie kann man sich nur so dumm anstellen?“ rutschen leichter heraus, als uns lieb ist.

Meist geschieht das in genau den Momenten, in denen wir uns machtlos fühlen und uns die Wut packt, weil das Kind nicht gehorcht oder nicht so handelt, wie wir uns das wünschen würden.

In diesen Situationen handeln wir meist ohne nachzudenken, ganz spontan und sehr impulsiv. Jene Reaktionen kommen aus unserem Innersten und spiegeln das wider, was wir von klein auf von den Eltern gehört haben. Wir haben quasi ihr Verhalten übernommen und uns zu Eigen gemacht – ohne dass wir es wollten. Und warum? Ganz einfach. Weil niemand die eigene Erziehung ohne Weiteres ablegen kann wie ein altes T-Shirt. Wenn zum Beispiel der Vater sehr ungeduldig war und zur Cholerik neigte, ist die Gefahr groß, dass wir irgendwann ähnlich reagieren.
Was wir als Kind erlebt haben, ob positiv oder negativ, ist in jeder Faser unseres Körpers gespeichert.

Gerade für diejenigen unter uns, welche mit der Erziehung durch die Eltern nicht oder nur teilweise zufrieden waren, ist es hilfreich, sich mit der eigenen Vergangenheit bewusst auseinanderzusetzen. 
Die eigenen Erziehungsziele und Vorstellungen treten dann um so klarer hervor. Vielleicht ist es sogar möglich, mit den eigenen Eltern darüber zu sprechen und sie zu fragen, welche Werte sie eigentlich zu vermitteln versuchten. Möglicherweise wollten sie es eigentlich auch nur besser machen. Und eventuell entdeckt man sogar, dass man die eine oder andere positive Verhaltensweise ganz automatisch an die eigenen Kinder weitergegeben hat. Denn auch diese übernehmen wir von unseren Eltern, selbst wenn uns manchmal nur die negativen Seiten im Gedächtnis bleiben.
 

Neue Wege

Die Fehler unserer eigenen Eltern zu vermeiden ist keine leichte Aufgabe. Denn aus dem Vorsatz muss eine neue und ganz eigene Vorstellung von Erziehung folgen. Und nun kommt der Haken an der ganzen Sache: Keiner hat uns das je vorgelebt. Wir betreten erzieherisches Neuland.

Nicht immer ist es sinnvoll, die eigenen negativen Erfahrungen ins Gegenteil zu verkehren. 
Wer zum Beispiel als Kind nur wenige Wünsche erfüllt bekam und nun den eigenen Nachwuchs mit Geschenken überhäuft, wird nur kurzfristig von seiner Freude begeistert sein. Auf lange Sicht ziehen Sie sich möglicherweise einen kleinen, egoistischen Blutsauger heran.

Das ultimative, erzieherische Erfolgsrezept existiert nicht. Aber es gibt die „Zutaten“ dafür:
Nehmen Sie das, was Ihre Eltern in puncto Erziehung gut gemacht haben, vermischen es mit den Dingen, die man aus Ihrer Sicht besser machen könnte, schmecken das Ganze mit den Gefühlen Ihres Kindes ab und würzen es mit noch etwas Bauchgefühl Ihrerseits.
 

Geduld heißt das Zauberwort

Nicht immer wird es gelingen, die eigenen Vorstellungen von Erziehung umzusetzen. Auch wir werden nicht die perfekten Eltern sein. Das ist unmöglich – und menschlich. Aber wir können uns bemühen, jeden Tag ein wenig besser zu werden.
Es wird immer wieder Situationen geben, in denen uns die Vergangenheit einzuholen droht und wir kurz davor stehen, die Fehler der eigenen Eltern doch zu imitieren. Hier hilft nur eins:
Ruhe bewahren und durchatmen. Am besten etwas abseits vom Geschehen, in einem anderen Raum oder an der frischen Luft. Das muss nicht lange sein. Ein paar Minuten reichen oft, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen und die Situation zu entschärfen. In dieser Zeit können Sie überlegen, warum Sie fast wieder „rückfällig“ geworden wären. Und gleichzeitig dürfen Sie sich auf die Schulter klopfen - dafür, dass Sie es nun doch anders gemacht haben als Ihre eigenen Eltern damals.

 


„Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!“

Ist Ihnen dieser oder ein ähnlicher blöder Satz plötzlich doch herausgerutscht? Und jetzt tut es Ihnen leid? Gut. Dann sagen Sie das so auch Ihrem Kind. Und am besten lachen Sie dann darüber. Gemeinsam.
Niemand ist perfekt. Aber mit einem kleinen „Entschuldige bitte!“ sind Sie schon wieder ein Stück näher dran.

 


Zum Weiterlesen:



http://www.spiesser.de/meinung/w%C3%BCrdet-ihr-eure-kinder-so-erziehen-wie-eure-eltern-euch-erzogen-haben


http://www.tagesspiegel.de/wissen/du-bist-wie-deine-mutter/1653324.html


http://www.muetterberatung.de/details/2102/Erziehung_braucht_Fehler_Denn_wer_m%C3%B6chte_schon_perfekte_Eltern_.html

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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