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13 April, 2016 - 22:27
 

Erziehung zur Eigenverantwortung

Fast alle Eltern haben den Wunsch, dass Ihr Kind möglichst gut auf das Leben „da draußen“ vorbereitet wird. Das kann es nur, wenn es selbstständig agieren und die Verantwortung für sich und seine Handlungen übernehmen kann. Damit die Kleinen das von der Pike auf lernen können, brauchen sie von den Eltern Freiraum und Rückhalt zugleich.

© Glenda Powers - Fotolia.com

In den ersten Lebensjahren orientieren sich die Kinder nahezu ausschließlich an ihren Bezugspersonen, den Eltern. Urvertrauen in das Leben und Vertrauen in sich selbst werden von den Eltern vermittelt und sind wichtige Basis für eigenverantwortliches Handeln und das dafür erforderliche Selbstvertrauen.


Hilf mir, es selbst zu tun

Dieser Satz, der ursprünglich von Maria Montessori, der Gründerin der Montessori-Pädagogik geprägt wurde, trifft in nahezu allen Bereichen des kindlichen Lebens und Lernens zu. Wer seinem Kind früh etwas zutraut und es selber machen lässt, dabei aber bei Bedarf hilfreich zur Seite steht, schafft eine optimale Basis dafür, dass ein Kind das eigenverantwortliche Handeln frühzeitig lernt. Denn nur wer Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten entwickelt, ist auch bereit, Wagnisse einzugehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Sie können Ihrem Kind hier schon sehr früh die nötige Unterstützung bieten:

  • Ihr Baby greift nach seiner Rassel, die knapp außerhalb seiner Reichweite ist? Geben Sie ihm das Spielzeug nicht in die Hand, sondern warten Sie ab, was es sich einfallen lässt, um sein Ziel zu erreichen. Als Hilfestellung können Sie die Rassel vielleicht ein kleines bisschen näher an Ihr Kind heranschieben – das Resultat ist ein Erfolgserlebnis und das Gefühl, es selbst geschafft zu haben.
  • Ihr Dreijähriger möchte sich unbedingt selbst die Butter aufs Brot schmieren. Geben Sie ihm ein kindersicheres Messer und sorgen Sie dafür, dass die Butter nicht zu hart ist (alternativ können Sie auch Frischkäse anbieten). Nun können Sie eventuell noch das Frühstücksbrett oder die Butterdose festhalten, den Rest schafft Ihr Kind alleine.
  • Ihre sechsjährige Tochter möchte auf einen Baum klettern und will von Ihnen hochgehoben werden. Bieten Sie Ihr an, Sie mit einer Räuberleiter zu unterstützen – hochklettern muss sie aber schon selbst.

Ein wunderbares Gefühl, wenn man etwas selbst geschafft hat, das kennen wir alle und für Kinder, die steter Entwicklung und Veränderung unterworfen sind, gilt das umso mehr. Aus jeder geschafften Aufgabe entwickeln sie mehr Selbstvertrauen.


Was kann ein Kind in welchem Alter?

Eigenverantwortliches Handeln beinhaltet auch, dass ein Kind die Konsequenzen tragen muss, wenn es eine seiner Aufgaben nicht erfüllt. Wenn die Hausaufgaben nicht gemacht sind, erfolgt eine Rüge vom Lehrer oder ein Eintrag ins Klassenbuch, wenn es sein Zimmer nicht aufräumt, dann darf es keine neuen Spiele anfangen, wenn der Meerschweinchenkäfig nicht saubergemacht wird, muss das niedliche Haustier über kurz oder lang weggegeben werden. Auch dies müssen Kinder früh lernen: Ihr Handeln oder auch ihr Nicht-Handeln hat Konsequenzen. Allerdings ist es hier wichtig, darauf zu achten, dass Kinder nicht überfordert werden. Die kindliche Entwicklung des Körpers und des Gehirns lässt altersgemäß nur bestimmte Anforderungen zu:

  • Schon Dreijährige können ihr Zimmer aufräumen – allerdings mit Unterstützung der Eltern, ebenso können Sie bereits die ersten kleinen Haushaltsaufgaben erledigen. Dazu gehört zum Beispiel die Mithilfe beim Tisch decken oder abräumen. Zur komplett selbstständigen Erfüllung von Aufgaben sind Dreijährige noch nicht in der Lage. Ab diesem Alter sollte kontinuierlich gefördert werden, dass Kinder sich selber anziehen und waschen können.
  • Kinder ab sechs können nach Aufforderung schon erste Aufgaben komplett selbstständig erledigen. Dazu gehört Tisch decken, den Müll herunterbringen, Blumen gießen oder den Essenstisch abwischen. Für komplexere Aufgaben, wie das Reinigen des Kleintierkäfigs brauchen sie noch Unterstützung.
  • Ab dem Grundschulalter sollten Kinder in der Lage sein, ihr Zimmer selbstständig aufzuräumen und regelmäßige Aufgaben ohne weitere Aufforderung zu erfüllen. Das kann Arbeiten im Haushalt betreffen und sollte so früh wie möglich auch für die Hausaufgaben und den Inhalt des Schulranzens gelten. Auch die Pflege für ein kleineres Haustier gehört hier dazu.

Mit steigendem Alter können Sie immer mehr Selbstständigkeit von Ihrem Kind erwarten – allerdings nur, wenn Sie es von klein auf darauf vorbereitet haben. Ein 12-Jähriger, der bis dahin ausschließlich Kind sein durfte und keine Pflichten hatte, kann nicht plötzlich verantwortungsvoll und zuverlässig Arbeiten übernehmen. Das muss geübt werden.


Loslassen kann schwer sein

Viele Eltern haben Probleme damit, ihr Kind loszulassen, ihm Kompetenzen zuzugestehen und ihm Verantwortung zu überlassen. Die Gründe dafür sind meist sehr emotional: Das Bedürfnis zu behüten und zu beschützen ist groß, man empfindet das Kind als Teil der eigenen Persönlichkeit, die unbedingt geschützt werden muss. Dabei ist es sehr wichtig, ein Kind frühzeitig als eigenständiges Wesen mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu begreifen. Dazu gehört auch der Respekt vor den Fähigkeiten des Kindes und deren Förderung. Oft wird das so wichtige Loslassen auch falsch verstanden und kommt den Eltern wie eine Vernachlässigung und wie Lieblosigkeit vor.

Das richtige Maß an Freiheit und Eigenständigkeit zu finden, ist für Eltern oft nicht leicht, denn ebenso falsch wie ein übermäßiges Klammern ist es, das Kind zu früh in die Welt und in die Selbstständigkeit zu schubsen. Das führt beim Kind zur Überforderung, zum Scheitern und damit zu einem Verlust des Selbstbewusstseins und des Gefühls für die eigenen Fähigkeiten.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de