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3 August, 2017 - 08:36
 

Fremde Kinder – Wann Einmischung in die Erziehung erlaubt ist

Von außen blickt man auf Situationen oft klarer. Das gilt auch und ganz besonders für die Kindererziehung. Selbst sieht man oft, wie Eltern ihre Kinder unangemessen behandeln – oder ist zumindest der Ansicht. Die Entscheidung, ob man sich in solchen Fällen einmischt oder nicht, ist nicht ganz einfach.

© Kitty - Fotolia.com

Kinder brauchen Grenzen – aber hat man das Recht, diese auch fremden Kindern zu setzen? Darf man sich einmischen, wenn andere Kinder sich daneben benehmen? Diese Situation ist brenzlig, denn selbst wenn Eltern extrem vom eigenen Kind genervt sind: Wird es von Fremden kritisiert, werden sie zu wilden Löwen und echten Furien.

 


Wenn andere Eltern Fehler machen

… sieht man die meist sofort. Ob man sich einmischt oder nicht, ob man Bemerkungen dazu macht oder die ganze Sache gepflegt übergeht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zuallererst sollte man sich um das Wohl des fremden Kindes Gedanken machen. Was passiert, wenn man die Eltern kritisiert? Hilft man dem Kind damit oder verschlimmert es vielleicht sogar seine Situation? Aus Sozialarbeiterkreisen wird oft berichtet, dass Kinder, die in der Öffentlichkeit von Passanten vor Ihren Eltern beschützt werden, zu Hause oft richtig stark darunter leiden müssen. Hält man in so einer Situation dann vielleicht doch lieber den Mund?

Es gibt Fälle, in denen muss man einfach eingreifen. Zum Beispiel, wenn ein Erwachsener ein Kleinkind körperlich oder verbal misshandelt. Schon das Kräfteungleichgewicht gebietet, dass man dem Kind beisteht. Dann gibt es Situationen, bei denen es wichtig wäre, sich einzuschalten – aber hat es auch eine Wirkung? Wenn man dem alleinerziehenden Nachbarsvati empfiehlt, seine Kinder doch nicht täglich vier Stunden vor dem Fernseher sitzen zu lassen, wird man meist auf wenig Gegenliebe stoßen und Erfolg hat man damit sicher auch nicht. Geht es um „Erziehungsfehler“ von Freunden, kommt es auf die Situation und auf das Verhältnis zueinander an. In einer offenen und vertrauensvollen Freundschaft kann man sicher auch einmal Kritik am Erziehungsstil anbringen, allerdings ohne Gewähr. Denn meist weiß der Angesprochene ohnehin, dass er sich nicht korrekt verhalten hat. Und werden wir auf Fehler hingewiesen, die wir selbst bereits erkannt haben, reagieren wir in der Regel besonders empfindlich.


Einmischung muss nicht immer direkt sein

Bemerkt man schwere Erziehungsfehler bei anderen Eltern, Vernachlässigung oder gar Misshandlungen ist die Einmischung Pflicht, auch wenn die Erziehung der Kinder gemeinhin als Privatangelegenheit gehandelt wird. Ansprechpartner ist hier das Jugendamt. Hier kann man auf Missstände in Familien aufmerksam machen. Die Jugendämter haben die Verpflichtung solchen Hinweisen nachzugehen – eine Erfolgsgarantie gibt es allerdings auch hier nicht. Handelt es sich ganz offensichtlich um einen Ausnahmezustand, zum Beispiel, weil die Mutter im Krankenhaus und der Vater mit den zwei Kleinkindern hoffnungslos überfordert ist, sollte man weniger Kritik anbringen als vielmehr dezent Hilfe anbieten oder auf mögliche Hilfen hinweisen. Vielleicht kann man die Kinder mit zur Schule nehmen, sie am Nachmittag zum Spielen mit den eigenen Kindern einladen und den gestressten Vater darauf hinweisen, dass er Anspruch auf eine Haushaltshilfe hat.


Einmischung richtig formuliert

Kann man nicht anders als seine Meinung zu einem erzieherischen Missstand kundtun, sollte man sich tunlichst vor Formulierungen wie „Du verhältst dich total falsch!“ oder „Du musst das so und so machen!“ hüten. Kritik und Belehrungen sind fehl am Platze und sorgen nur dafür, dass der angesprochene Elternteil auf Durchzug schaltet. Besser sind folgende Methoden:

  • Berichten Sie von eigenen Erfahrungen mit der jeweiligen Situation oder von Informationen, die Sie dazu aus Büchern oder Zeitschriften haben.
  • Formulieren Sie statt Kritik Ihre eigenen Befindlichkeiten in der Situation: „Mensch, ich hab einen richtigen Satz gemacht vor Schreck, als Du/Sie gerade so losgebrüllt hast/haben!“
  • Bieten Sie ganz direkt Hilfe und Unterstützung an, optimalerweise schon mit konkreten Ideen. Auch hier sollten Sie Mitleid oder Kritik vermeiden, sondern ganz sachlich formulieren.

Grundsätzlich sollten Sie alles, was Sie zum Erziehungsstil anderer Eltern zu sagen haben, diplomatisch und respektvoll formulieren und niemals zum „Direktangriff“ übergehen.


Fremden Kindern Grenzen setzen

Hat man mit fremden Kindern zu tun, ist es ebenfalls oft heikel, sich einzumischen. Hier kann man sich wiederum gut nach den eigenen Befindlichkeiten richten: Was einen selbst oder das eigene Kind direkt betrifft, kann auch bei einem fremden Kind gemaßregelt werden. Was einem an unangemessenem Verhalten als Beobachter auffällt, sollte man unter der Kategorie „anderer Leute Kinder“ ablegen. Wenn ein fremdes Kind Sie oder Ihr Kind auf dem Spielplatz beschimpft oder mit Sand bewirft, ist eine Abgrenzung nicht nur möglich, sondern sogar wichtig. Sehen Sie dagegen, wie ein Kind sich auf dem Spielplatz seinem Vater respektlos gegenüber verhält, können Sie die beiden getrost sich selbst überlassen.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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