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19 Dezember, 2016 - 11:55
 

Gebärdensprache für Babys - Kommunizieren vor dem Sprechen lernen

Wünschen Sie sich auch manchmal, dass Sie das Gebrüll Ihres Säuglings besser deuten können? Was will es? Hat es Hunger, Schmerzen oder ist es einfach schlecht gelaunt? Die Erfüllung dieses Wunsches ist nicht unmöglich. Babys können sich bereits mit Gesten verständigen und Eltern können lernen, diese zu verstehen.

© Dron - Fotolia.com

In Deutschland ist diese neue Art der Kommunikation zwischen Baby und Eltern noch weitgehend unbekannt, während sie in anderen Ländern bereits eine Selbstverständlichkeit ist. Die Babys lernen Gebärden für Essen, trinken, singen, Giraffe oder Stofftier. Sie können den Eltern mitteilen, was sie wollen und brauchen. Positiv daran ist, dass diese Kinder zufriedener sind, weil sie sich mitteilen können. Die Schattenseite der Gebärdensprache sind Leistungsdruck und Dressur. „Seht mal, was MEIN Baby kann!“ Mit diesem Ansatz verliert die nonverbale Kommunikation mit dem Baby schnell das Spielerische und wird zur Anstrengung für Eltern und Kind.


Wie funktioniert die Gebärdensprache für Babys?

Die Babyzeichensprache arbeitet mit einem Repertoire an Gebärden, die auf die kindliche Motorik abgestimmt sind. Jeder Begriff entspricht einer Geste: Ein Kind, das Hunger hat, drückt dies dadurch aus, dass es eine Faust formt und mit Daumen und Zeigefinger an den Mund tippt. Das erspart ihm selbst Geschrei und Gequengel, den Eltern nerviges Rätselraten. Die einzelnen Zeichen stammen aus der Gebärdensprache für Gehörlose. Zwei Amerikanerinnen begannen in den 1980er Jahren damit, diese Kommunikationsform zu entwickeln. 30 Jahre später verständigen sich rund 80% der Amerikaner mit ihren Babys per Zeichensprache. In Deutschland interessieren sich immer mehr Eltern dafür. Sobald die Motorik des Babys es zulässt, das ist meist mit etwa sechs Monaten der Fall, kann es die einzelnen Gebärden lernen und anwenden und den Eltern seine Bedürfnisse mitteilen. Wenn ein Kind anfängt zu sprechen verliert die Zeichensprache nach und nach an Bedeutung. Es setzt immer mehr das gesprochene Wort ein und nutzt nur dann noch die Gebärden, wenn es sich über die Sprache nicht verständlich machen kann.


Vorteile der Babyzeichensprache

Kinder haben viele Bedürfnisse, die sie erfüllt haben möchten. Auch wenn Eltern – insbesondere der Elternteil, der die meiste Zeit mit dem Baby verbringt – vieles aus dem Verhalten des Kindes ablesen kann, verfeinert die Gebärdensprache die Verständigung ungemein. Das vermindert den Stress für Eltern und Kind. Die Babys schreien weniger, weil sie sich verstanden fühlen. Gleichzeitig entwickelt sich dadurch ein gesundes Selbstvertrauen, da das Baby erfährt, dass sein Vorhaben gelingt und es sich mitteilen kann. Für Eltern tut sich eine ganz neue Welt auf, da sie plötzlich in der Lage sind, sich in ihr Baby hineinzuversetzen. Anhand der Gebärden lernen sie, wie es denkt und vor allem wie viel es wahrnimmt. Denn ein Baby, dass die Zeichensprache beherrscht, kann seine Eltern auf winzige Details aufmerksam machen: Das Eichhörnchen im Baum, das Flugzeug hoch in der Luft.


Wie bringe ich das meinem Baby bei?

Im Prinzip können Eltern schon sehr früh beginnen, mit dem Baby über die Gebärdensprache zu kommunizieren. Die Babys lernen dann schnell, welche Gebärden, welchen Worten, Handlungen oder Gegenständen zugeordnet sind. Die Babys selbst wenden die Gebärdensprache dann an, wenn sie die motorischen Fähigkeiten erlangt haben, also etwa mit sechs bis sieben Monaten. Am einfachsten ist es, vorgegebene Zeichen zu verwenden, genauso ist es möglich, eigene Gebärden zu entwickeln. Wichtig ist nur, dass beide – Eltern und Kind – diese Sprache verstehen. Um die Zeichen zu erlernen, können Eltern und Kind einen entsprechenden Kurs besuchen. Falls dazu in der Nähe keine Möglichkeit besteht, gibt es verschiedene Bücher, mit denen die Gebärdensprache für Babys zuhause gelernt und geübt werden kann.


Vorsicht vor Überforderung!

Die Babyzeichensprache zählt zu den Frühförderungen und auch hier besteht die Gefahr der Überforderung. Als Eltern findet man es natürlich toll, wenn das eigene Baby etwas kann, was außergewöhnlich ist, was andere Babys vielleicht nicht können. Sehr leicht gerät man in Versuchung, diese erstaunliche Fähigkeit vorzuführen. Und wenn man etwas vorführt, will man sich natürlich nicht blamieren. Aus diesem Grundgedanken entsteht schnell ein Leistungsdruck und das, was eigentlich die Kommunikation zwischen Baby und Eltern verbessern und Spaß machen soll, wird zu einer Art Zirkusvorstellung. Wird Druck ausgeübt, spürt das selbstverständlich auch das Kind. Werden Sie ungeduldig, weil Ihr Baby vielleicht die Gebärden nicht deutlich genug oder schnell genug zeigt, dann verliert es schnell die Lust und statt Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickelt es ein Gefühl der Unzulänglichkeit.


Fazit: Wir meinen, dass die Gebärdensprache ein schönes Mittel ist, um ein Baby besser zu verstehen und um das Zusammenleben in den ersten Lebensmonaten einfacher und harmonischer zu gestalten. Wichtig ist, dass es Spaß macht und nicht in eine Art Dressur ausartet.

 


Zum Weiterlesen:

http://www.baby-handzeichen.de/babyzeichensprache/

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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