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30 Dezember, 2016 - 17:56
 

Geschwisterbeziehungen – Eine ganz besondere Bindung

Sie schlugen und vertrugen sich – häufig gleicht die Beziehung von Geschwistern einer Hassliebe und das verwundert nicht. Kinder, die in einer Familie aufwachsen, müssen vieles teilen und haben vieles gemeinsam. So entsteht eine Bindung, die meist ein ganzes Leben lang hält.

© photofey - Fotolia.com

Geschwisterbeziehungen sind schon deshalb etwas ganz Besonderes, weil sie nicht beendet werden können. Man sucht sich seine Familie nicht aus, sie ist sozusagen Schicksal. Keine andere soziale Beziehung ist so intim, in keiner anderen Beziehung herrscht ein so großes Maß an ambivalenten Gefühlen. Deshalb sind die Geschwister Stütze und Reibungsfläche zugleich und für Kinder eine Möglichkeit zu lernen und Erfahrungen mit anderen Menschen zu sammeln.


Entwicklungsmöglichkeiten für Geschwister – ein Leben lang

In Kindheit und Jugend wird die Beziehung der Geschwister von Freundschaft und Konkurrenz, von gemeinsamen Spielen und emotionaler Unterstützung geprägt. Man hilft sich im Alltag – behindert sich aber auch gleichermaßen. Eins gilt jedoch in Geschwisterbeziehungen nahezu immer: Man hält zusammen, wenn eines der Kinder in Gefahr oder Schwierigkeiten gerät. In dieser Lebensphase lernen Kinder, die mit Geschwistern aufwachsen, eins besonders gut: Das Teilen. Als junge und mittlere Erwachsene ist die Kameradschaft unter den Geschwistern meist ebenfalls noch vorhanden, man kümmert sich gemeinsam um die Eltern und steht sich bei, wenn eines der Geschwister in der Krise ist. Allerdings kommt es auch oft zu Zerwürfnissen, manchmal auch dauerhaft. Nicht selten haben diese Streitigkeiten mit dem elterlichen Erbe zu tun.


Geschwisterstreit – Rivalitäten um die Aufmerksamkeit und Liebe der Eltern

Streit unter Geschwistern ist ein kennzeichnendes Merkmal dieser Familienbeziehung, Ursache ist in sehr vielen Fällen die Rivalität um die Liebe der Eltern. Teilweise sind die Kinder in Naturell und Persönlichkeit so verschieden, dass sie sich einfach nicht verstehen und deshalb ständig aneinandergeraten. Eltern können diese Rivalitäten unbewusst schüren und die Situation verschärfen, zum Beispiel indem sie die Leistungen der Kinder vergleichen oder im Streit Partei ergreifen. Das Streitpotential kann abgemildert werden, indem jedes Kind als besonders und einzigartig behandelt wird. Eine übertriebene Gerechtigkeit nach dem Prinzip der Gleichbehandlung ist eher kontraproduktiv.


Zwillinge – Geschwisterbindung extrem

Um diese besondere Art der Geschwisterbindung hat sich ein ganzer Forschungszweig entwickelt. Die Zwillingsforschung hat viel Erstaunliches zu Tage gebracht, das die Nähe dieser Geschwister unterstreicht. So wird davon berichtet, dass selbst getrennt lebende Zwillinge ähnliche Leben führen – bis hin zur identischen Namenswahl der Kinder oder dem identischen Hochzeitsdatum. Durch den starken Zusammenhalt können Zwillinge in der Kindheit häufig übers Ziel hinausschießen. Sie wissen das Geschwister im Rücken – als Halt, aber auch als Rückzugsgebiet. Dementsprechend unempfindlich sind Zwillinge häufig gegen Sanktionen bei Fehlverhalten. Gerade durch die Ähnlichkeit ist es wichtig, dass Eltern Zwillinge als getrennte Wesen sehen und auch so behandeln. Es muss immer wieder neu entschieden werden, welche Wege die Geschwister zusammen gehen und wo es sinnvoller ist, sie zu trennen.


Erstgeborene, Mittelkinder und Nesthäkchen

Nicht nur die Gene, auch die Umwelt prägen die Persönlichkeit eines Menschen maßgeblich, das weiß die Forschung schon längst. Demzufolge können sich Geschwister ganz unterschiedlich entwickeln – je nachdem, ob sie als erstes, zweites oder drittes Kind in eine Familie hineingeboren werden. Die „Rangfolge“ bestimmt das Verhalten der Kinder und dieses wiederum die Reaktionen der Eltern auf das Kind selbst. So wird das Erstgeborene oft übermäßig verwöhnt und gefördert, muss allerdings später, wenn es kein Einzelkind mehr ist, häufig allzu viel Verantwortung tragen und groß sein, obwohl es noch gar nicht so weit ist. Mittelkinder müssen von Anfang an teilen und bekommen häufig die wenigste Beachtung, vor allem dann, wenn noch ein Nesthäkchen dazukommt. Die Kleinsten sind mit viel Aufmerksamkeit konfrontiert, aber auch damit, dass alle versuchen, über sie zu bestimmen. Durch Prinzessinnengehabe oder Clown-Nummern verschaffen sich die Jüngsten Sympathie und Anerkennung durch die großen Geschwister.


Kinder mit Geschwistern haben eine ganz andere Entwicklungsgeschichte als Einzelkinder – mit allen Höhen und Tiefen. Die besondere Art dieser Bindung prägt die Persönlichkeit und erhöht die Sozialkompetenz. Die Beziehung zwischen Geschwistern ist die stabilste und langandauerndste soziale Beziehungsform, die es gibt. Aufgabe der Eltern ist es, jedes Kind so zu behandeln und sich ihm zuzuwenden, wie es seiner Persönlichkeit entspricht.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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