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4 Januar, 2016 - 11:21
 

Geschwisterstreit macht schlau – Ein Trost für geplagte Eltern

Gehören Sie auch zu den Eltern, denen die ewigen Streitereien der Kinder den letzten Nerv rauben? Dann trösten Sie vielleicht die Ergebnisse von Wissenschaftlern der Universität Cambridge: Streiten macht nämlich schlau, erweitert den Wortschatz und fördert die sozialen Kompetenzen.

© Igor Dutina - Fotolia.com

Im Rahmen der Studie wurden 140 Kinder über einen Zeitraum von vier Jahren beobachtet. Sie stammten aus sozial angespannten Familien und wurden in ihrem Umfeld gefilmt. Eltern, Erzieher und auch die Kinder selbst wurden befragt und getestet. Die Ergebnisse sind irgendwie beruhigend: Auch wenn die ewigen Streitereien die Eltern nerven, profitieren die Kinder doch langfristig davon. Die Auswirkungen der Streitereien sind als positiv zu bewerten.


Geschwister als Sparringspartner für die Entwicklung sozialer Kompetenzen

Auf die Familie kann man sich verlassen, Geschwister sind und bleiben immer da, das spüren bereits Kleinkinder. Dieses Vertrauen in die Beständigkeit der Familienbande erlaubt Kindern untereinander, sich auszuprobieren. Manchmal nimmt das recht extreme Formen an. Viele Geschwister streiten sich ihre ganze Kindheit hindurch, die Hemmschwelle, die häufig bei anderen Kindern oder in Kindergruppen besteht, ist hier nicht vorhanden. Nur die Eltern stehen zwischen den Streithähnen und sind manchmal ganz schön hilflos. Die Geschwister lernen beim Streiten ganz unterschiedliche Fähigkeiten – so entwickeln die Jüngeren Methoden, sich gegen Stärkere zu behaupten oder auch einmal auszuweichen und nachzugeben. Ältere Kinder erlernen im Streit mit den jüngeren Geschwistern Mitgefühl und Kompromissbereitschaft. Für die Eltern sind diese Erfolge häufig nicht direkt ersichtlich, wirken Sie sich doch oft erst viel später aus, nämlich dann, wenn die Kinder herangewachsen, ja fast erwachsen sind.


Altersabstand und Streitformen hängen zusammen

Am besten lernen streitende Geschwister voneinander, wenn der Altersabstand drei Jahre beträgt, dieser Meinung ist der Familienforscher Hartmut Kasten aus München. Der Pädagoge hat sich intensiv mit der Geschwisterbeziehung, aber auch der Entwicklung von Kindern in den unterschiedlichen Altersphasen beschäftigt. Der Drei-Jahres-Abstand sei deshalb so günstig, weil die Kinder nahe genug beieinander sind, um sich miteinander zu beschäftigen, der Abstand aber groß genug ist, um altersmäßig unterschiedliche Kompetenzen und Verhaltensweisen im Verlauf eines Streits zu entwickeln. Ist der Altersabstand geringer, dann ist die Rivalität größer, die Verhaltensstrategien sind sehr ähnlich. Bei einem größeren Abstand entsteht kaum mehr Konfliktpotential, für das Kleinkind hat das ältere Geschwister dann schon fast den Status eines Erwachsenen.


Geschwister müssen streiten dürfen

Wenn Konflikte unter Geschwistern herrschen, müssen diese auch ausgelebt und geklärt werden. Eltern sollten sich also beherrschen und den Kindern die Möglichkeit geben, sich ohne Einmischung einig zu werden. Eine Grenze sollte allerdings immer dann gesetzt werden, wenn eines der Kinder vom anderen ständig mit Absicht gepiesackt und provoziert wird. Dann sollten Sie Ihren Kindern zeigen, dass und vor allem wie man Streitigkeiten auch anders lösen kann. Bestrafungen und Sanktionen sind in diesem Fall nicht angebracht. Dennoch kann es manchmal nötig sein, die Streithähne zu trennen und abzuwarten, bis sich beide beruhigt haben. Dann kann geredet werden.


Warum macht Streiten nochmal schlau?

Dass Streiten die sozialen Kompetenzen, die sogenannten „Soft Skills“ fördert, mag ja gerade noch einleuchten, warum macht streiten aber nun auch noch schlau? Die Begründung des Psychologen Peter Sturm klingt einleuchtend: Bei einem Streit oder Streitgespräch läuft das Gehirn auf Hochtouren. Während man noch zuhört (oder im Fall eines Kleinkindes beobachtet), entwickelt man schon seine Gegenargumente oder Reaktionen auf die Aussagen und Taten des Gegenübers. Das fordert das Gehirn ungemein und führt beim Kind dazu, dass neue Synapsen gebildet werden. Der Lerneffekt endet allerdings, wenn aus dem Streitgespräch ein bloßes „Hauen und Stechen“ wird. Deshalb ist es so wichtig, dass Sie Ihr Kind immer wieder dabei unterstützen, miteinander zu sprechen und zu argumentieren, statt aufeinander loszugehen.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de