Skip to main content

Suche

2 April, 2016 - 07:57
 

Gleiches Recht für alle? – Wie Kinder Gerechtigkeit empfinden

Ist das Gerechtigkeitsempfinden angeboren oder von den Eltern erlernt? Die Wissenschaft streitet sich darüber, ob die Genetik oder das Umfeld hier die Oberhand hat. Die Psychologie geht davon aus, dass Kinder ihren Gerechtigkeitssinn im Laufe der ersten Lebensjahre entwickeln - und zwar nach dem Vorbild der Eltern. Wie viele andere kindliche Eigenschaften ist auch das Gefühl für Gerechtigkeit und Fairness unterschiedlich stark ausgeprägt.

© Alicia Shields - Fotolia.com

Vor allem für Eltern von mehreren Kindern ist es oft schwer, gerecht zu erziehen. Sie setzen sich in dieser Hinsicht oft selbst sehr stark unter Druck und versuchen, alle Kinder gleich zu lieben und gleich zu behandeln, in der Hoffnung auf Zufriedenheit und Harmonie. Allerdings ist allzu oft genau das Gegenteil der Fall – denn die Kinder beharren dann darauf, dass es IMMER gerecht zugeht und das ist kaum möglich.


Die Entwicklung des Gerechtigkeitsempfindens

Experimente und Studien zeigen, dass ein Kind im Grunde ein egoistisches Wesen ist – es will überleben. Echtes Gerechtigkeitsempfinden entwickeln Kinder nach den Ergebnissen erst im Grundschulalter, mit sieben bis acht Jahren. Davor verhalten sie sich oft egoistisch und behalten Süßigkeiten, Spielsachen und anderes, was für sie wertvoll ist, am liebsten für sich. Wird innerhalb der Erziehung jedoch großer Wert auf eine gerechte Behandlung gelegt, dann ist das Gefühl für Gerechtigkeit oft früher ausgeprägt – meist zum Leidwesen der Eltern. Denn wenn es einmal gerecht zugeht, muss es das in Zukunft immer. Dies sorgt in Familien häufig für Auseinandersetzungen, da eine Gleichbehandlung aller Kinder nicht immer sinnvoll und möglich ist. Einige Erziehungswissenschaftler gehen soweit, dass sie vor einer Art Gerechtigkeitswahn warnen, dass das Kind dazu bringt, die Welt in gerecht und ungerecht einzuteilen und sich selbst dazu in Bezug zu setzen. Dies führt zu Abgrenzung und auch zu Neid, nämlich immer dann, wenn es sich ungerecht behandelt fühlt.


Kinder gerecht behandeln

Jedes Kind ist anders und muss dementsprechend individuell behandelt werden – gerecht muss es aber trotzdem zugehen. Manchmal ist dies eine scheinbar unlösbare Aufgabe, vor allem dann, wenn die Kinder bereits nach dem Gleichbehandlungsprinzip erzogen sind. Gleichbehandlung bedeutet, dass der 4-jährige genauso lange und dasselbe fernsehen darf wie sein 6-jähriger Bruder. Sinn macht das nicht, da im Alter von vier noch ganz andere Regeln für den Fernsehkonsum und die Aufnahme der bewegten Bilder gelten. Hier gerecht und gleichzeitig pädagogisch sinnvoll zu handeln ist schwer, fast unmöglich. Als Eltern haben Sie meist nur die Alternative entweder beide Kinder gucken zu lassen oder eben keines. Wenn Sie den einfachen Weg gehen und Ihr älteres Kind bereits ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden hat, kann es durchaus passieren, dass es sich beschwert, dass der Kleine die gleichen Recht hat – das ist ja voll ungerecht!


Kinder angemessen behandeln

Gelebte Gerechtigkeit berücksichtigt immer auch den Entwicklungsstand des Kindes. Ältere Kinder haben automatisch mehr Rechte als die jüngeren, da sie bestimmte Fähigkeiten bereits entwickelt haben und Eltern mehr Vertrauen in sie setzen können. So darf der Ältere schon alleine auf den Spielplatz, die jüngere Schwester muss zusammen mit Mama dorthin. Das ist Gerechtigkeit, die Kinder auch verstehen, wenn sie von Anfang an mit dieser Art der Behandlung vertraut sind. Es geht nicht darum, jeden gleich zu behandeln, sondern jedem Kind das zu geben, was es gerade braucht und verkraften kann.

Dies gilt übrigens auch im Hinblick auf die Eltern. Natürlich haben Eltern erheblich mehr Rechte als Kinder, sie sind die Autoritäten und Bezugspersonen. Wenn Eltern hier zu sehr auf Gerechtigkeit pochen und ihrem Kind zuviele Rechte zugestehen, dann gerät es leicht in Größenwahn. Auch wenn kindliche Bedürfnisse erfüllt und der kindlichen Entwicklung ausreichend Raum gegeben werden muss: Kinder müssen auch zurückstecken und einsehen, dass sie eben nicht die gleichen Rechte haben wie die Erwachsenen.

Kinder angemessen und gerecht zu behandeln ist nicht immer leicht. Als Eltern sollten Sie sich an das Motto „Nicht jedem das Gleiche, sondern jedem das Seine“ halten. Damit liegen Sie in den meisten Fällen richtig und geben Ihrem Kind gute Verhaltensregeln mit auf den Weg, mit denen es den Menschen in seinem Umfeld und sich selbst gerecht werden kann.

 

 

Vaterfreuden auf Facebook   Vaterfreuden auf Twitter
Artikel bewerten
 

Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
randomness