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6 November, 2016 - 09:14
 

Hochbegabung bei Kindern - wie man sie erkennt und richtig damit umgeht

Etwa zwei bis drei Prozent aller Kinder gelten in Deutschland als hochbegabt, das heißt, sie haben einen Intelligenzquotienten von über 130. Die Hochbegabung ist oft nicht leicht zu erkennen, häufig geben soziale oder schulische Probleme wichtige Hinweise auf eine überdurchschnittlich hohe Intelligenz.

© rockimage - Fotolia.com

Verständnislosigkeit der Außenwelt und Schwierigkeiten in verschiedenen Bereichen – damit werden Kinder mit Hochbegabung und deren Eltern häufig konfrontiert. Denn unsere Gesellschaft ist am Mittelmaß, also am Durchschnitt ausgerichtet und dort fügen sich besonders intelligente Kinder oft nur schwer ein.


Wie man Hochbegabung erkennt

 Denkt man an Hochbegabung, dann denkt man an überdurchschnittliche Intelligenz und dementsprechend gute Leistungen in der Schule. Leider ist oft genau das Gegenteil der Fall: Die Kinder sind unkooperativ, interessieren sich für nichts, haben schlechte Noten und Probleme mit der Kontaktaufnahme zu anderen. Wichtige Anhaltspunkte für Eltern sind folgende Verhaltensweisen:

  • Ausgeprägtes Interesse an der Umgebung im Säuglingsalter, frühe Sprachentwicklung.
  • Stark entwickeltes Interesse an Symbolen wie Automarken, Buchstaben, Zahlen schon im Kleinkindalter.
  • Übermäßig starkes „Frageverhalten“
  • Erkennen von komplexen Zusammenhängen
  • Großer Spaß am Lernen und an Neuem
  • Starker Gerechtigkeitssinn, kritische Haltung zu Autoritäten
  • Bringt sich selbst Lesen und Rechnen bei
  • Große Phantasie und gutes Gedächtnis
  • Hohe Sensibilität für die Empfindungen anderer Menschen
  • Interesse an älteren Menschen (Kindern und Erwachsenen)
  • Gering ausgeprägtes Schlafbedürfnis

Ein hochbegabtes Kind zeigt nicht unbedingt alle dieser Anzeichen, andersherum ist nicht jedes Kind, das eines oder mehrere dieser Punkte erfüllt, gleich hochbegabt. Im schulischen Bereich könnten schlechte Noten und unangepasstes Verhalten Hinweise auf eine mögliche Hochbegabung sein: Das Kind langweilt sich und ist unterfordert. Oft entgeht den Lehrern dadurch die besondere Intelligenz, da sie nachwievor darauf gepolt sind, dass intelligente Kinder gute Noten und weniger schlaue Kinder schlechte Noten erreichen.


Über den Umgang mit dem hochbegabten Kind

 Etwa im Alter von 10 Jahren lässt sich die Hochbegabung eines Kindes mit einem Intelligenztest nachweisen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben die Kinder oft schon einiges hinter sich, sind durch ihre Talente und ihr Verhalten auf Widerstand in der Familie, aber auch in der Schule gestoßen. Wenn die Hochbegabung nun erkannt ist, stellt sich die Frage, wie geht man damit um? Grundsätzlich kann man sagen: Je früher Eltern die überdurchschnittliche Intelligenz ihres Kinder erkannt haben und sie fördern, umso leichter wird es für das Kind. Eltern sollten dies anerkennen und fördern so gut es geht, allerdings müssen sie sich auch davor bewahren, ihr Kind zu sehr unter Druck zu setzen. Denn auch hochbegabte Kinder haben Schwächen. An diesen sollte gearbeitet werden, allerdings nicht etwa mit den Worten: Du bist doch hochbegabt, das ist doch für dich gar kein Problem! Weiterhin sollten Eltern so früh wie möglich mit dem Kind über seine Hochbegabung sprechen, ohne ihm jedoch das Gefühl zu geben, es wäre etwas ganz Besonderes oder im Gegenteil „behindert“. Erzieher und Lehrer sollten in die Förderung mit einbezogen werden und vor allem um die Hochbegabung des Kindes wissen, obwohl auch das zu Problemen führen kann. Allzu leicht wird das Kind auf seine besondere Begabung festgelegt und unter Druck gesetzt.

Mehr noch als andere Kinder müssen Eltern ihr hochbegabtes Kind schützen und unterstützen und gut darauf achten, wie es in der Außenwelt aufgenommen wird und zurechtkommt.


Der Intelligenztest

 Unsere Intelligenz wird in Zahlen gemessen. Beträgt der Intelligenzquotient mehr als 115, spricht man von überdurchschnittlicher Begabung, ab einem Wert von 130 gilt ein Mensch als hochbegabt. Allerdings sind diese Tests nur bedingt aussagekräftig und je jünger das Kind ist, desto unklarer sind in der Regel die Ergebnisse. Wird ein solcher Test zu früh vorgenommen, dann spiegelt er oft nur einen Entwicklungsvorsprung wieder, der dann mit neun oder zehn Jahren wieder ausgeglichen ist – aus einem vermeintlich hochbegabten Kind wird wieder ein durchschnittlich begabtes. Wollen Eltern einen Intelligenztest durchführen, sollten sie sich an einen Spezialisten wenden, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Dies sind in der Regel Psychologen, die sich auf Kinder mit Hochbegabung spezialisiert haben. Für den Test selbst ist es wichtig, dass das Kind die testende Person mag und körperlich und geistig fit ist. Die beste Tageszeit ist der Vormittag, denn dann ist das Kind am leistungsfähigsten.

Was nützt einem nun aber das Testergebnis? Wenn der Intelligenztest nachweist, dass das eigene Kind tatsächlich hochbegabt ist, fühlen sich viele Eltern sicherer und können nun überlegen, was zu tun ist. Auch für Lehrer und Erzieher kann solch ein Test hilfreich sein, ist doch jetzt die Begabung des Kindes erwiesen. Allerdings sollte man damit nicht unbedingt überall angeben. Denn Hochbegabung stigmatisiert auch und kann dazu führen, dass ein Kind als Exot oder sogar als Freak angesehen und in eine Außenseiterrolle gedrängt wird. Was das Kind angeht, hilft es ihm oft, zu wissen, dass es hochbegabt ist. Es versteht sich selbst besser und kann sich vieles erklären, was ihm im Vergleich mit anderen Kindern aufgefallen ist.


Hochbegabung und ADHS

 Ein hochbegabtes Kind hat im Vergleich zu anderen eine erhöhte Denk- und Aufnahmegeschwindigkeit, es ist allgemein schneller. Dies trifft oft auch auf Kinder mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADHS) zu. Liegt nun bei einem Kind beides gleichzeitig vor, ist dies oft schwer zu erkennen, da sich die Anzeichen gegenseitig überlagern oder die negativen äußeren Verhaltensweisen der ADHS-Störung das Potential der Hochbegabung völlig aus dem Blickfeld verschwinden lassen. Andererseits kann die Hochbegabung auch die Symptome von ADHS verschleiern, vor allem dann, wenn sich diese nicht in Hyperaktivität, sondern in ausgesprochenem Verträumt sein äußert. Kinder, bei denen sowohl eine Hochbegabung als auch das ADHS-Syndrom diagnostiziert wurde, kommen oft in der Regelschule nicht zurecht. Für diese Kinder ist es meist besser, wenn sie in einer speziellen Schule oder zumindest mit therapeutischer Begleitung weiterunterrichtet werden.

Eltern eines hochbegabten Kindes haben ein ganz besonderes Geschenk erhalten, das oft auch eine Last darstellt. Allerdings sollten sie nie vergessen, dass auch hochbegabte Kinder ganz normale kindliche Bedürfnisse und Wünsche haben, die Eltern so gut wie möglich erfüllen sollten.

 


Zum Weiterlesen:
http://www.dghk.de
http://genius-hochbegabung.de/
http://www.hochbegabung-hochbegabte.de/

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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