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17 Mai, 2017 - 11:01
 

Ich will – wenn Kinder ihren Willen austesten

Fast alle Eltern kennen das aus der Trotzphase: Kinder wollen ihren eigenen Willen durchsetzen, koste es, was es wolle. Damit sorgen Kinder für sich und versuchen ihre Bedürfnisse zu erfüllen, testen aber auch ihre Eltern und deren Grenzen aus – und das in den verschiedenen Altersphasen.

© StefanieB. - Fotolia.com

Der freie Wille macht uns zu dem, was wir sind: Vernunftbegabte Wesen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen können. Der Weg zum eigenen freien Willen ist jedoch steinig, wie jeder weiß, der sich noch an seine Kindheit erinnern kann. Auch wenn wir es damals nicht wussten - bevor sich der freie Wille entwickeln kann, müssen Grenzen gespürt werden. Genau deshalb ist es so wichtig, dass Kinder von klein auf Erfahrungen mit ihrem eigenen Willen machen – und damit, an Grenzen zu stoßen.


Über das Wollen

Der Wille und seine Entwicklung gehören zum Aufwachsen eines Kindes dazu. Allerdings muss man immer wissen, dass der Wille nicht irgendwie abstrakt entsteht. Zwar ist sicher, dass ein Kind mit der Zeit einen eigenen Willen entwickelt, worauf dieses Wollen allerdings abzielt, hat unmittelbar mit seiner Umgebung zu tun. Ein Zweijähriger wird sicher nicht auf dem Küchenboden liegen und nach Schokolade schreien, wenn er noch nie zuvor von dieser Leckerei gehört hat. Ein Kind, das sich nie im Leben gewaschen hat, wird nicht plötzlich aus heiterem Himmel den Wunsch haben, das zu tun. Deshalb sind wir Eltern in der Pflicht - und zwar von Anfang an. Denn je nachdem, was wir unserem Kind beibringen, wird sich ein entsprechender Wille entwickeln.


Die Phasen der Willensentwicklung

Solange ein Kind sehr klein und noch nicht in der Lage ist, sich zu artikulieren, ist es recht einfach. Es schreit, wenn seine Bedürfnisse nach Wärme, Essen oder einer trockenen Windel befriedigt werden müssen und hört damit auf, wenn man ihm gegeben hat, was es braucht. Mit den ersten Worten kommt auch irgendwann das erste Nein und damit das erste Anzeichen eines Willens, der sich von dem des Vaters oder der Mutter unterscheidet. Diese „Willensbekundungen“ können dann in der Trotzphase ziemlich laut und ausgeprägt sein. Wird ein Wunsch nicht erfüllt, dann kommt es zum Wutanfall. Diese Phase beginnt in der Regel zum Ende des zweiten Lebensjahrs und kann je nach Umgang damit und Temperament des Kindes bis zu zwei Jahre andauern.

Ist diese anstrengende Zeit vorbei, kehrt erst einmal Ruhe ein. Das Kind wird in der Regel wieder kooperativ, entwickelt mehr und mehr Verständnis für die Regeln und Grenzen, die Eltern setzen. Lässt ein Kind die erste Trotzphase aus, dann sollten Eltern sich auf ein Phänomen vorbereiten: Etwa zur Zeit der Einschulung kommt dann das „Ich will!“ noch einmal mit der vollen Gewalt eines Sechsjährigen zum Vorschein.

Etwa mit acht bis zehn Jahren geht es dann oft wieder los: Das Kind hält sich für alt genug, um selbst zu entscheiden, was es will und was nicht. Auch wenn es selten zu Wut- und Trotzanfällen kommt, finden sich Kinder mit vielen Grenzen nicht mehr gut ab. Auch wenn natürlich die Eltern ihre Autorität behalten müssen, sind gemeinsame Absprachen über Grenzen besonders wichtig.

Nachdem es noch einmal eine Weile ruhig geworden ist beginnt die Pubertät. Eltern sehen sich in dieser Zeit tatsächlich oft in die Trotzphase zurückversetzt, die angehenden Teenager verhalten sich unvernünftig und manchmal sogar auch so lautstark wie die Zweijährigen, die sie einmal waren. Der eigene Wille bricht sich nun ungehindert Bahn, der Einfluss der Eltern darauf wird immer geringer.


Kinder brauchen Grenzen

Ohne Grenzen geht es nicht. Um das starke Gefühl „Ich will“ nicht zu einem Wirbelsturm werden zu lassen, müssen Kinder lernen, sich zu beherrschen. Je früher sie lernen, dass ihr Wille nicht immer maßgeblich ist, umso leichter fällt ihnen der soziale Umgang mit den Mitmenschen, im Kindes- wie im Erwachsenenalter. So sehr Kinder Grenzen brauchen, so sehr brauchen sie immer auch Liebe und Verständnis der Eltern und die Erlaubnis, das eigene Wollen zu formulieren. Denn die eigenen Wünsche sind ein Schritt auf dem Weg zur Entwicklung des Selbstwertgefühls.

Kinder müssen mit ihren Wünschen und Forderungen ernst genommen werden, selbst dann, wenn man ihnen ihren Willen nicht erfüllen kann oder will. Auch wenn ein Wunsch des Kindes nicht erfüllt wird, soll es trotzdem fühlen, dass es geliebt wird.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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