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26 Januar, 2017 - 11:15
 

Jungen – Sie wollen wissen, wo es lang geht!

Kinder sind nicht immer so pflegeleicht, wie Eltern sich das wünschen. Für Jungen gilt das oft in besonderem Maße. Sie brauchen häufig mehr Führung und klarere Ansagen als Mädchen, damit das Verhalten sozial angemessen bleibt und die Erziehung nicht aus dem Ruder läuft. Grenzen setzen ist bei den meisten Jungs doppelt wichtig.

© Monkey Business - Fotolia.com

Jungen können so herausfordernd sein, dass Eltern sich oft nicht mehr zu helfen wissen. In vielen Fällen setzt dann ein überautoritäres Verhalten ein. Dem Überschwang der Kinder soll mit Hierarchien und Strafandrohungen eine Grenze gesetzt werden. Dabei brauchen Jungen etwas ganz anderes, nämlich deutliche Ansagen und ausreichend Rückhalt. Jungen brauchen das, was Mädchen meist ganz selbstverständlich kriegen: Richtig viel Liebe, Verständnis und Zuwendung. Das ist nicht ganz leicht, ist in vielen Jungs doch jede Menge Widerstandsgeist und Kampfeslust verankert.


Sind unsere Jungs wirklich so schwierig?

Wie schwierig Eltern ihre Kinder empfinden, hängt meist von der eigenen Perspektive ab. So kommen Mütter mit ihren Jungs oft an Grenzen, an denen die Väter noch gar keine fühlen können. Was Frauen bereits erschrocken als gewalttätig einstufen, ist für Männer ganz normales Männer- und Jungenverhalten. Der Grund könnte darin liegen, dass Frauen erziehungsgemäß und eventuell auch biologisch bedingt, harmoniebedürftiger sind. Sie möchten die Wogen glätten und können deshalb aggressives Jungsverhalten und die motorische Unruhe nur schwer aushalten. Schnell gilt ein Sohn dann als schwierig – obwohl er sich im Grunde genommen nur gemäß seiner Anlagen verhält. Was zum Teil subjektive Wahrnehmung ist, hat auf der anderen Seite durchaus auch Hand und Fuß. Unruhige oder aggressive Jungen gibt es deutlich häufiger als Mädchen mit den gleichen Eigenschaften. Das liegt auch daran, dass die Umwelt von Kindern sich verändert hat. Das Bewegungsbedürfnis unserer Jungs kann häufig nur noch schwer erfüllt werden, oft lassen die Lebensumstände dies gar nicht zu. Treffen mit Freunden und unbeschwertes und unbewachtes Spiel treten zurück hinter dem Besuch von Events und Veranstaltungen, bei denen die Kinder in hohem Maße passiv konsumieren.


Junge oder Mädchen?

Es ist für unsere Jungs heute nicht leicht. Erzieherinnen im Kindergarten, Lehrer, aber auch die Eltern wünschen sich oft einen Jungen, der mehr dem klassischen Bild vom braven Mädchen entspricht. Sanfter, angepasster, ruhiger, verständnisvoller. Dass Jungen ihre ureigenen Bedürfnisse nach toben, laut sein und auch mal was kaputt machen so unterdrücken müssen, liegt zum Teil heute an ganz banalen Sachzwängen. In den Krippen und Kindergärten haben meistens Frauen das Ruder in der Hand und die möchten es ruhiger und möglichst harmonisch. Große Gruppen werden zusätzlich zum Problem: Für individuelles Toben und Junge sein ist dort kaum Raum und Zeit. Im Endeffekt haben schon ganz kleine Jungs schnell das Gefühl, sie wären nicht ok so, wie sie sind. Einige passen sich an, andere begehren auf – und machen uns Erwachsenen und Eltern dann das Leben schwer.


Was unsere Jungs aggressiv macht

Werden Jungs wirklich übergriffig und aggressiv, dann gibt es dafür immer einen guten Grund. Häufig sind Probleme in der Familie Auslöser für unangepasstes Verhalten, auch Einflüsse aus Freundeskreis und Schule können eine Rolle spielen. Schließlich ist auch die Suche nach Grenzen in vielen Fällen ein Grund, warum Eltern schwer mit Ihren Söhnen zurechtkommen. Jungs messen sich gern – auch an den Eltern – und gehen soweit sie eben können. Temperamentsunterschiede wie auch die gesamte Lebensführung spielen ebenfalls eine Rolle. Zu wenig Bewegung, zu viel PC-Zeit und der Konsum von Gewalt in den Medien beeinflussen gerade Jungen in vieler Hinsicht negativ. Das kriegen dann Eltern und Umwelt ab – und der Junge hat schnell seinen Stempel aufgedrückt.


Zeigen Sie Ihrem Jungen, wo es lang geht!

Gerade Jungen brauchen ganz klare Grenzen und Regeln. Reiben werden sie sich in vielen Fällen trotzdem, denn sie wären nicht Jungs, wenn sie Grenzen widerstandslos akzeptieren würden. Dennoch hilft gerade kleinen Rabauken ein klares, wenn auch nicht starres Grenzgefüge dabei, sich zu orientieren und einen Platz im sozialen Miteinander zu finden. Um Jungen auszulasten und die Wildheit zu begrenzen, hilft in vielen Fällen schon eine Reduktion von Fernsehen und PC. Viel Bewegung, freies Spiel und manchmal auch Langeweile lassen Raum für Entfaltung und sorgen letzten Endes für mehr Zufriedenheit und Ausgeglichenheit.


Den Spagat zwischen Freiheit und Grenze machen alle Eltern und er ist nicht immer ganz leicht. Nehmen Sie neben allen Erziehungsratschlägen auch Ihren gesunden Menschenverstand zu Hilfe. Vor allem Väter können hier wichtige Beiträge leisten: Was hat Ihnen früher Spaß gemacht, wo hätten Sie sich mehr Grenzen gewünscht und welche Freiheiten halten Sie für absolut notwendig. Empathie mit Ihrem Sohn kann viele kleinere und größere Schwierigkeiten aus dem Weg räumen und zu einem liebevollen Miteinander mit klaren Strukturen führen – und das ist genau das, was unsere Jungs heute brauchen.


Jungs sind (k)ein Problem!

Erzieherinnen, Lehrerinnen, Mütter finden allzu oft: Jungs sind ein Problem. Dabei sind sie einfach nur Kinder mit ihren ganz eigenen Eigenschaften und Bedürfnissen. Was können unsere Jungs dafür, dass Toben und Rangeln, „Macho“-Gehabe und Wild sein in unserer Welt nicht mehr angebracht zu sein scheinen. Das ist schade – denn Jungs brauchen all das, um sich auszuleben, zu sozialisieren und ihre eigene Identität zu finden. Unser Rat an die Eltern: Lassen Sie Ihre Jungs so sein wie sie nun mal eben sind und das, wann immer es geht. Wenn Jungen schon früh einen Teil ihrer Persönlichkeit unterdrücken müssen, wird sich das irgendwann Bahn brechen und das dann auf eine Art und Weise, die weitaus dramatischer ist als das im Dreck wälzen und mit Sand werfen von Kleinkindern.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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