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22 Februar, 2013 - 12:32
 

Jungs – Das anstrengende Geschlecht?

Jungen unterscheiden sich von Mädchen in vieler Hinsicht. Sie sind in jungen Jahren komplizierter, zeigen häufiger Verhaltensauffälligkeiten, bringen sich öfter in Schwierigkeiten und hinken in ihrer Entwicklung im Vergleich zu den Mädchen oft hinterher.

Eltern, die Kinder beiden Geschlechtes haben, stellen es immer wieder fest: Mit Jungs ist es einfach schwieriger und in manchen Entwicklungsphasen ist einem das eigene Kind fast gänzlich unbekannt. Warum ist das so? Und wie ticken Jungs denn überhaupt?

 

Die drei Phasen

 

Der australische Psychologe und Familientherapeut Steve Biddulph hat in seinem Buch „Jungen! Wie sie glücklich heranwachsen“ drei Stadien beschrieben, die jeder Junge in seinem Leben durchlebt:

 

  • Das erste Stadium umfasst die ersten 6 Lebensjahre. Ein Junge „gehört“ in dieser Zeit hauptsächlich der Mutter, ganz gleich, wie intensiv der Kontakt zum Vater ist. Liebe und Sicherheit sind in dieser Phase die entscheidenden Elemente und das Bewusstsein, dass das Leben etwas Schönes und Hoffnungsvolles ist.
  • Im zweiten Stadium, das bis zum vollendeten 14.ten Lebensjahr reicht, möchte ein Junge sich zunehmend eigenständig entwickeln und sich als männliches Wesen definieren. Er orientiert sich am Vater als Vorbild. Kompetenzen und Fähigkeiten werden in dieser Zeit entwickelt und die Persönlichkeit bildet sich aus. Der Junge entdeckt seine Männlichkeit und ist stolz auf sein Geschlecht.
  • In der dritten Phase, die bis ins Erwachsenenalter hineinreicht, tritt auch der Vater in der Wichtigkeit zurück, der Junge orientiert sich an männlichen Vorbildern außerhalb der Familie. Zum Beispiel an Lehrern, männlichen Bekannten oder auch an prominenten Personen. Der Kontakt zu den Eltern löst sich zusehends zugunsten des Kontaktes an die Außenwelt.

Diese Stadien gehen fließend ineinander über. Eltern unterstützen die Entwicklung am besten, wenn sie sich während der Kindheit intensiv um ihren Sohn kümmern, dabei aber die Entwicklungsphasen im Auge behalten. Ist ein Vater beispielsweise in der zweiten Phase eines Jungen, also zwischen dem siebten und dem vierzehnten Lebensjahr, nicht oder nur eingeschränkt anwesend, fehlt dem Jungen die in diesem Alter so wichtige Bindung und Orientierung an den Vater.

 

Ein guter Vater sein

 

Ganz gleich, in welcher Phase sich Ihr Sohn befindet, als Vater müssen Sie in erster Linie eines sein: emotional und körperlich anwesend. Steve Biddulph nennt fünf Hauptmerkmale, die einen Vater zu einem guten Vater machen:

Nehmen Sie Anteil – und das bereits in der Schwangerschaft und bei der Geburt. Schon wenn Ihr Sohn nicht viel mehr als ein brüllendes kleines Bündel ist, sollten Sie Ihre Vaterrolle wahrnehmen und sich nicht darauf zurückziehen, dass Sie mit Babys so gar nicht umgehen können. Bereits jetzt legen Sie die Weichen für eine starke Bindung zu Ihrem Kind, die Ihnen beiden in den Folgejahren viel nützen wird.

Nehmen Sie sich Zeit – Kinder sind ein zeitaufwändiges Unterfangen, für beide Elternteile. Väter, die in der Woche sechzig oder mehr Stunden arbeiten, können ihrer Vaterrolle unmöglich gerecht werden. Dann fehlt die so wichtige Orientierung, die Jungen für die gesunde Entwicklung einer starken Persönlichkeit brauchen und Probleme sind vorprogrammiert.

Seien Sie zärtlich – Zeigen Sie Ihrem Sohn mit Worten und Taten, dass Sie ihn lieben und das in jeder Entwicklungsphase. Selbst Jungs im Alter von 14 Jahren mögen noch körperliche Berührungen. In diesem Alter sind es eben weniger zärtliche Kuscheleien als vielmehr spielerische Ringkämpfe und ein anerkennendes Schulterklopfen oder eine forsch männliche Umarmung. Zeigen Sie Ihrem Sohn täglich, wie sehr Sie ihn schätzen und lieben. Durch körperliche Zeichen der Zuneigung ebenso wie durch anerkennende Worte. Gefühle zeigen ist eines der grundlegendsten Dinge, die ein Junge lernen sollte.

Bleiben Sie entspannt – Kinder sind anstrengend, aber auch eine andauernde Freude. Machen Sie mit Ihrem Sohn Dinge, die Ihnen beiden Spaß machen, abseits von Leistungsansprüchen und Pflichtgefühl. Allerdings sollten Sie auch darauf bestehen, dass Ihr Kind sich im Haushalt beteiligt und Verantwortung für bestimmte Aufgaben übernimmt.

Nehmen Sie das Vatersein ernst – Überlassen Sie unangenehme Erziehungsaufgaben und Entscheidungen nicht Ihrer Partnerin, übernehmen Sie diese allerdings auch nicht ausschließlich. Ein guter Vater ist weder strafende Instanz noch Schönwettervater, sondern ein vollwertiges Familienmitglied, das sich zusammen mit der Mutter gleichberechtigt und verantwortlich um die Erziehung des gemeinsamen Kindes kümmert.

 

Testosteron

 

Damit ein Junge zum Jungen mit seinen „typischen“ Verhaltensweisen wird, braucht es das Hormon Testosteron. Dieses wird in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen in verschiedener Intensität produziert. Bei der Geburt hat ein männlicher Säugling etwa so viel Testosteron im Körper wie ein zwölfjähriger Junge. Dies ist nötig, damit sich die Geschlechtsorgane bereits im Mutterleib vollständig ausbilden können. Der Testosteronspiegel sinkt in den ersten Lebensmonaten ab und bleibt auf niedrigem Niveau, bis der Junge etwa vier Jahre alt ist. Dann steigt er auf etwa das doppelte an – warum das so ist, weiß eigentlich niemand. Jungen werden jetzt sehr aktiv, abenteuerlustig und raubeinig. Väter mögen diese Phase meistens: Endlich können sie mit ihrem Jungen so richtig was anfangen. Rechtzeitig zum Schulbeginn sinkt der Hormonspiegel wieder ab, allerdings nicht soweit, dass der Junge das Interesse an körperlichen Aktivitäten verliert. Zu Beginn der Pubertät zwischen dem elften und dreizehnten Lebensjahr steigt der Testosteronspiegel gegenüber dem Niveau als Kleinkind um 800 % an. Dies führt zu plötzlichen Wachstumsschüben, die sogar zeitweise Schwerhörigkeit hervorrufen können und zu einer Art „geistiger Verwirrung“. In dieser Zeit fragen sich Eltern oft, was sie eigentlich falsch gemacht haben. Trösten Sie sich: Es ist die Hormonumstellung, Ihr Sohn kann nichts dafür und spätestens dann, wenn er Mitte zwanzig ist, hat sich der Körper an den hohen Testosteronspiegel gewöhnt und er wird wieder ausgeglichener.

Betrachtet man den Verlauf der Hormonkonzentration, der bei den meisten Jungen ähnlich verläuft, wird schnell einiges klar: Warum Jungs so viel Unsinn anstellen, wenn sie in der Pubertät sind, warum junge Männer unter 25 Jahren im Straßenverkehr mit zur größten Risikogruppe gehören usw. Eltern müssen in dieser Zeit für ihren Sohn mitdenken, ihm die nötigen Freiräume lassen, aber ihn auch vor dem Schlimmsten bewahren. Jungen, die vor Energie nur so strotzen, brauchen vor allem eines: Struktur und klare Regeln. Sie wollen in erster Linie drei Dinge wissen: Wer hat das Sagen? Wie lauten die Regeln? Werden diese Regeln auch durchgesetzt? Klare Erziehungsrichtlinien und liebevolle Konsequenz sind für Jungen besonders wichtig, ansonsten werden sie unsicher und grenzüberschreitend.

Jungen – das schwierige Geschlecht? Jungen haben ihre Eigenarten und ihre individuelle biologische Entwicklung, die in den verschiedenen Lebensphasen berücksichtigt werden muss. Kennen Eltern diese, können Sie angemessen reagieren und ihrem Sohn das geben, was er braucht, um zu einem glücklichen und ausgeglichenen Mann heranzuwachsen.

 

Büchertipp:

 

www.amazon.de/Jungen-Wie-sie-gl%C3%BCcklich-heranwachsen/dp/3453214951/ref=sr_1_6

 

www.amazon.de/Kleine-Jungs-gro%C3%9Fe-ihnen-geben/dp/3530401730

 

 

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Redaktion1 Vaterfreuden.de