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29 August, 2016 - 22:51
 

Kind sein dürfen – was bedeutet das?

Was heißt das eigentlich „Kind sein dürfen“? In erster Linie, seinen eigenen Instinkten und Gefühlen zu folgen. Die Kindheit ist eine wichtige Phase, in der sich Geist und Körper frei entwickeln sollen und das mit möglichst wenig Leistungsdruck. Gleichzeitig müssen aber Regeln gelernt und Grenzen akzeptiert werden.

© jörn buchheim - Fotolia.com

Bei Erwachsenen ist das innere Kind häufig kaum mehr vorhanden. Deshalb fällt es uns Eltern oft schwer, unsere Kinder zu verstehen und zu akzeptieren wie sie sind. Dabei bietet das Wachsen und Gedeihen der Kleinen auch uns die Möglichkeit, selbst noch einmal Kind zu sein. Vielleicht lässt sich so einiges nachholen, was wir in der eigenen Kindheit verpasst haben.


Kind sein heißt Leben im Hier und Jetzt

Eine der fantastischsten Fähigkeiten von Kindern ist die absolute Präsenz im Hier und Jetzt. Sie genießen mit allen Sinnen den Moment, Vergangenheit und Zukunft sind unwichtig. Das beschert unseren Kleinen maximale Glücksmomente, aber auch ebenso großen Kummer. Sie können noch nicht erfassen, dass sich Dinge ändern oder einmal anders waren. Diesen Aspekt des Kindseins sollten wir ihnen so spät wie möglich nehmen. Mit dem Bewusstsein, dass es Zukunft und Vergangenheit gibt, wandert die Aufmerksamkeit mehr und mehr in den Kopf und das sinnliche Erleben rückt in den Hintergrund.

Uns Erwachsenen fordert diese Fähigkeit des Kindes oft einiges an Zeit und Geduld ab. Unsere Köpfe sind voll von Terminplänen, Erwartungen und Vorstellungen wie etwas zu sein hat – oder eben auch nicht. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Ihrem Kind und gönnen Sie ihm die Zeit, in der das Denken und Fühlen noch frei fließen kann.


Alles ist Gefühl

Kleine Kinder leben ausschließlich im Gefühl und lassen diesen bei Bedarf auch lautstark ihren Lauf. Auch das gehört zum Kind sein. Weinen, kreischen und toben, anstatt die Dinge logisch anzugehen. Erst im Laufe der Zeit erlernen Kinder Selbstkontrolle und verlieren leider damit oft die Fähigkeit, so richtig gefühlvoll zu sein.

Als Eltern sollten Sie die Gefühle Ihres Kindes ernst nehmen, jedes einzelne davon. Ein entscheidender Grund, warum Erwachsene häufig so schwer mit den eigenen Gefühlen klar kommen liegt in der Kindheit begründet. Hört man als Kind, dass die eigenen Gefühle „falsch“ sind, zum Beispiel durch Aussagen wie „Du brauchst doch keine Angst haben!“ oder „Das bildest Du Dir nur ein!“, verlieren Sie nach und nach das Selbstvertrauen in die eigene Wahrnehmung.


Kinder dürfen Fehler machen

Kommt ein Kind auf die Welt, ist es ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Es muss fast alles lernen und wer lernt, macht auch Fehler. Macht Ihr Kind nach Ihrer Auffassung viele Fehler, heißt das erst einmal nicht, dass es dumm ist. Ganz im Gegenteil ist es mutig genug, Dinge immer wieder zu versuchen, Neues auszuprobieren und eben ab und an zu scheitern. Auch das Verlieren muss gelernt sein. Niederlagen sind Teil der Kindheit und bergen ein großes Wachstumspotenzial. Das Sprichwort „Aus Fehlern lernt man“ liegt hier goldrichtig.

Sie sollten Ihr Kind stets darin unterstützen, Neues zu versuchen. Scheitert es, dann sind nicht Vorwürfe, sondern Trost und Ermutigung angesagt. Dies gibt ihm die Kraft und die Zuversicht, sich immer wieder ans Versuchen zu wagen.


Zum Kind sein gehört auch Grenzen zu spüren

Kinder sollten sich so frei und uneingeschränkt wie möglich und im eigenen Tempo entwickeln dürfen. Dies gilt für den Körper ebenso wie für den Geist. Je weniger Beschränkungen Sie Ihrem Kind auferlegen, umso mehr kann es seine angelegten Potenziale kennenlernen und entwickeln. Ganz ohne Grenzen geht es natürlich nicht und Sie sollten mit liebevoller Konsequenz auf deren Einhaltung bestehen. Dadurch lernt Ihr Kind nicht nur, wichtige Lebensregeln zu befolgen, sondern erhält auch ein hohes Maß an Sicherheit: Es kann sich innerhalb eines verlässlichen Rahmens frei bewegen.

Bei jeder Grenze, die Sie Ihrem Kind setzen, sollten Sie überlegen: Warum will ich, dass diese Grenze oder Regel eingehalten wird? Eine ehrliche Auseinandersetzung mit dieser Frage führt fast automatisch dazu, dass es nur sinnvolle Grenzen gibt. Hilfreich ist hier oft, wenn Sie Ihrem Kind versuchen zu erklären, warum es etwas nicht soll oder darf. Denn in den meisten Fällen wollen Sie Ihr Kind ja schützen und ihm eine sichere Umgebung bieten, innerhalb der es sich sorglos bewegen darf, Fehler machen darf und eben – Kind sein darf.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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