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9 August, 2010 - 13:20
 

Kinder im Förderstress

Spätestens seit dem PISA-Schock ist die Förderung von Kindern in aller Munde; Eltern wollen ihre Kinder so früh wie möglich auf den Leistungsdruck unserer Gesellschaft vorbereiten und ihnen so viel Rüstzeug wie möglich mitgeben. Das Resultat: Kinder im Förderstress.

© Hallgerd - Fotolia.com

Wussten Sie schon, dass man bereits bei Kindern Burnoutsyndrom nachgewiesen hat? Die Ursache liegt in der Regel in überehrgeizigen Eltern, die ihre Kinder so gut wie möglich fördern möchten und sie stattdessen überfordern. Haufenweise Lernspielzeug, PEKiP, musikalische Früherziehung und das tägliche Gehirnjogging … eine permanente Überforderung kann schlimmstenfalls sogar zu einer Rückentwicklung führen, da der kindliche Geist überlastet wird und ihm zu wenig Zeit bleibt, die Eindrücke zu verarbeiten.


Lernen im kindlichen Tempo

Jedes Kind hat in jeder Altersklasse eine bestimmte Hirnkapazität und eine individuelle Aufnahmefähigkeit. Das bedeutet, dass Sie einem Kind nichts beibringen können, was es alters- und entwicklungsgemäß nicht fassen kann. Ein Dreijähriger kann nicht Autofahren lernen oder komplexe PC-Programme erfassen – es fehlen motorische und intellektuelle Fähigkeiten. Das gleiche gilt für Babys, die grade mal krabbeln können: Ihnen das Dreiradfahren beibringen zu wollen, wäre vergebliche Mühe. Prinzipiell gilt: Der Impuls, etwas lernen zu wollen, muss vom Kind ausgehen. Nur wenn von seiner Seite Motivation vorhanden ist, wird es bestimmte Dinge erfassen und lernen. Damit ein Kind die Möglichkeit hat, sich in alle Richtungen zu entwickeln, sollten Eltern ihm Angebote machen, zum Beispiel in Form von verschiedenen Materialien, mit denen es experimentieren kann. Pappe, Papier, Stifte und Farben, Stoffreste, Knetgummi – mit diesen scheinbar so einfachen Gegenständen können Kinder eine Vielfalt von Eigenschaften und Fähigkeiten entwickeln. Die Motorik wird geschult, die Kreativität angeregt. Aus ihrer angeborenen Neugier heraus probieren Kinder unbefangen alles aus, was ihnen in den Sinn kommt. Die Ergebnisse bilden Erfahrungen, die – weil selbst erlangt – zu lebenslangem Wissen werden.


Welche Förderungen machen Sinn?

 Grundsätzlich genügt eine Umgebung, in der das Kind Anregungen erhält, für eine normale geistige Entwicklung. Wenn es die Möglichkeit hat, sich in seinem eigenen Tempo zu entfalten und auch im eigenen Tempo Pausen einzulegen, entwickelt es sich in der Regel optimal. Eltern können durch Ergänzungsangebote und schlichtes Mitmachen zusätzlich Impulse geben. Darüber hinaus können „sanfte“ und leistungsfreie Förderungen wahrgenommen werden, bei denen natürliche Eigenschaften des Kindes durch gezielte Angebote weiter entwickelt werden. Bestes Beispiel dafür sind das Prager Eltern Kind Programm (PEKiP) oder Babyschwimmen.

Weitere Förderungen sind dann besonders sinnvoll, wenn Kinder in einzelnen Bereichen echte Schwächen aufweisen. Dies gilt zum Beispiel bei sprachlichen oder motorischen Defiziten. Dann sind therapeutische Fördersitzungen hilfreich, um den Kindern Strategien beizubringen, mit den Schwächen umzugehen oder die Schwächen selbst durch regelmäßiges Üben zu beseitigen. Aber Eltern können auch viel selbst tun: So können leichte motorische Defizite dadurch ausgeglichen werden, dass Sie Ihr Kind zum Klettern und Balancieren im Wald oder auf dem Spielplatz ermuntern. Hat Ihr Kind Probleme mit dem Sprechen, helfen Sing- und Sprechspiele, um es stressfrei zu fördern.

Die gleichen Regeln gelten natürlich auch für ältere Kinder. Hier stehen weniger gezielte Förderprogramme im Vordergrund als jede Menge Freizeitaktivitäten. Auch hier wird es schnell zu viel. Grundsätzlich sollten Kinder pro Woche nicht mehr als zwei Termine wahrnehmen. Ein Programm á la Montag Ballett, Dienstag Volleyball, Mittwoch Reitstunde und Freitag Chorprobe hält kaum ein Kind auf Dauer aus. Die Folge von einer solchen permanenten Überforderung kann ein regelrechter kindlicher Burnout sein.


Anzeichen für Überforderung

 Wirkt Ihr Kind seit neuestem lustlos und leicht depressiv, wirkt es gereizt und hat nicht so richtig Appetit? Dann sollten Sie neben etwaigen anderen Gründen auch prüfen, ob es sich vielleicht überfordert fühlt. Denn diese Symptome gehören zum klassischen Burnout, der so viele Erwachsene in unserer Zeit trifft. Auch Kinder sind dagegen nicht immun. Ursache für einen Burnout ist in erster Linie ständige Überforderung durch äußere Reize. Bei Kindern kommt noch verstärkt hinzu, dass sie Zeit brauchen, um Eindrücke zu verarbeiten und ihr Gehirn zu entwickeln. Die Kapazitäten sind dadurch besonders schnell erschöpft. Wenn Sie diese Symptome bei Ihrem Kind bemerken, sollten Sie als erstes Druck von ihm nehmen. Lassen Sie die Freizeitaktivität, die Ihrem Kind am wenigsten wichtig ist, für eine Weile ausfallen, verbringen Sie entspannt Zeit mit Ihrem Kind: Bei Ausflügen in den Zoo oder einfach ins Grüne, durch gemeinsame Aktivitäten wie Kochen, Backen oder Basteln. Die wichtigste „Arbeit“, die ein Kind hat, ist Spielen, denn dadurch kann es sich ungestört und nach seinem eigenen Tempo entwickeln.


Lassen Sie Ihrem Kind Freiräume – zu wachsen und sich zu entwickeln und das in seinem eigenen Tempo. Durch freies Spiel und gemeinsame Unternehmungen wächst Ihr Kind unbeschwert auf und entwickelt sich durch die Anregungen, die das Leben selbst bietet, ganz automatisch.

 


Zum Weiterlesen:

www.welt.de/wissenschaft/article1089727/Viele_Eltern_ueberfordern_ihre_Kinder.html

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Autor

Redaktion1 Vaterfreuden.de