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14 Dezember, 2015 - 11:37
 

Kinder müssen Erfahrungen sammeln können - auch wenn es mal wehtut

Die Kindheit besteht zu einem großen Anteil aus Lernen. Kinder machen jeden Tag unzählige Erfahrungen und das ist auch wichtig so, denn nur aus selbst Erlebtem schafft man sich einen echten Wissensschatz, auf den man sein Leben lang zurückgreifen kann. Dieses Prinzip gilt für alle Lebensbereiche, ganz besonders aber für den Bereich der Motorik. Was kann mein Körper? Was kann ich ihm zumuten und wann überfordere ich ihn? Dies lernt das Kind dadurch, dass es Dinge ausprobiert und sich in Situationen bringt, in denen einem als liebender Vater die Haare zu Berge stehen. Doch gerade die „gefährlichen“ Momente bringen dem Kind unendlich viel.

© Tommy Windecker - Fotolia.com

Aus diesem Grund sollten sich Eltern zurückhalten und ihren Kindern die Freiräume lassen, die sie unbedingt brauchen, um eigene Erfahrungen zu machen - auch, wenn das häufig viel Überwindung kostet.


Kinder lernen durch Erfahrungen – nicht mit dem Verstand

Bis zum Grundschulalter lernen Kinder nahezu ausschließlich durch Erfahrungen, der Verstand ist noch relativ wenig daran beteiligt. Sie lösen Probleme oder neue Situationen nicht durch Nachdenken, sondern durch Ausprobieren. Kein Wunder also, dass weitschweifige Erklärungen und Ermahnungen der Eltern wenig nützen. Das Kind will fühlen, anfassen, ausprobieren, handeln und so die Welt kennen lernen. Je mehr Erfahrungen ein Kind also in diesem Alter macht, umso positiver wirkt sich dies auf seine Entwicklung und auch auf die körperliche und geistige Reife aus.


Vertrauen macht mutig

Der Vater hat nur einen Moment nicht aufgepasst – schon klettert der eineinhalbjährige Lasse die Leiter Richtung Dachrinne hoch. Was gibt es nun für Möglichkeiten? Lasses Vater überlegt fieberhaft: Hinterher klettern und den Kleinen abpflücken und retten oder sich einfach darunter stellen, falls er fällt und ihm vertrauen. Er entschließt sich für die zweite Möglichkeit, schon deshalb, weil es auf der Leiter gefährlich werden könnte, wenn Lukas sich wehrt oder versucht, zu flüchten. Als der kleine Kerl wohlbehalten wieder auf der Erde angekommen ist, haben beide was gelernt: Der Vater, wie gut es tut, seinem Kind zu vertrauen und wie stolz man sich fühlt, wenn es etwas geschafft hat. Lukas ist stolz wie sonst was, er hat gelernt, dass er seinem Körper und sich vertrauen kann, er hat etwas Eigenständiges in Angriff genommen und es auch beendet. Und er hat gelernt, dass sein Papa ihm was zutraut. Einträchtig gehen die beiden in die Küche, um Mama von der tollen Sache zu erzählen.

Diese Situation kennen wir alle in verschiedensten Variationen und allzu oft begehen wir den Fehler, unser Kind vorzeitig zu stoppen aus Angst, ihm könnte etwas zustoßen. Allerdings hat dieser Beschützerinstinkt einen entscheidenden Haken. 


Papa wird schon aufpassen!

Kinder, die überbehütet werden, bei denen die Eltern bei jeder kleinsten Schwierigkeit und jeder Gefahr bei Fuß stehen, verlernen einen wichtigen Instinkt: Sie verlieren ihre angeborene Vorsicht, denn Mama oder Papa werden schon aufpassen. Das Ende vom Lied ist, dass gerade den Kindern, die übermäßig beschützt werden, besonders unangenehme Missgeschicke geschehen. Dadurch, dass sie keine eigenen Erfahrungen machen - dazu gehört zum Beispiel auch das Bewältigen einer schwierigen Situation - kann sich auch ihr Selbstwertgefühl nur unzureichend entwickeln: Sie werden unsicher und vertrauen sich selbst nicht mehr.


Hilf mir, es selbst zu tun

Dieser Grundsatz aus der Montessori-Pädagogik gilt ebenso dann, wenn es um kindliche Erfahrungen geht. Denn natürlich kann man sein Kind nicht blindlings in irgendwelche Gefahren laufen lassen und hoffen, dass es schon irgendwie klar kommt. Optimal ist, wenn die Eltern zur Seite stehen und einfach da sind, wenn sie gebraucht werden. So steht Lasses Vater unter der Leiter, um seinen Sohn aufzufangen, wenn er fällt. Und wenn der Kleine auf dem Balken im Hof balancieren will, der in einem Meter Höhe in der Luft hängt, dann geht Lasses Vater neben seinem Sohn her, aber ohne ihn festzuhalten. Er ist einfach da, um seinem Sohn die Hand zu reichen, wenn dieser strauchelt – ein gutes Gefühl für Vater und Sohn.

Wir lieben unsere Kinder und wollen sie unbedingt beschützen. Den besten Schutz geben wir ihnen mit, wenn wir sie startklar machen für die Welt und sie mit Selbstvertrauen und der richtigen Einschätzung in die eigenen Fähigkeiten ausstatten.

 


Zum Weiterlesen:
http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/17_2004_1/speck.pdf


 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de