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19 Mai, 2016 - 09:45
 

Kinderzimmer-Havarie oder Warum Kinder Dinge kaputt machen

Um ihr eine Freude zu machen hat Bernd seiner 3-jährigen Tochter eine dieser Puppen gekauft, die sie sich schon so lange gewünscht hat. So eine, die sprechen kann. Und Schlafgeräusche macht. Marie hat sich auch unglaublich gefreut und ist mit ihrem Geschenk gleich auf ihr Zimmer verschwunden. Als Bernd eine Stunde später neugierig in das Kinderzimmer lugte, traute er seinen Augen nicht: Die Puppe bestand nur noch aus Einzelteilen. Und diese waren dann auch noch mit Kugelschreiber bis zur Unkenntlichkeit bekritzelt.

© DURIS Guillaume - Fotolia.com

Jetzt hat Bernd genau zwei Alternativen. Er kann sich furchtbar aufregen, seiner Tochter vorhalten wie viel die Puppe gekostet hat und dass sie nie wieder ein Geschenk bekommt, wenn sie gleich immer alles kaputt macht.
Oder er kann inne halten. Vielleicht sogar ein bisschen schmunzeln. Und darüber nachdenken, warum Marie die Puppe auseinander genommen hat.


Kindheit forscht!

Kinder sind Entdecker. Sie sind Forscher und Abenteurer. Sie haben tausend Fragen und möchten sich diese beantworten. Sind im Radio Menschen versteckt? Wie sieht das Innenleben eines Staubsaugers aus? Wachsen die Haare meiner Barbie-Puppe nach? Und was passiert eigentlich, wenn ich den Inhalt einer Zahnpastatube auf dem Perserteppich von Oma verreibe?
Dahinter steckt keine böse Absicht. Auch wenn die Eltern-Toleranz in solchen Fällen bis auf das Äußerste strapaziert wird, müssen Mama und Papa das verstehen lernen: Hier wird nichts kaputt gemacht, hier wird geforscht! Und ob der Perserteppich mehrere tausend Euro gekostet hat oder die Puppe nagelneu war, spielt in diesem Moment keine Rolle.

Unser Tipp: Einfach Wertgegenstände, Feuerzeuge und Werkzeuge in Sicherheit bringen!


Kurz und klein

Es gibt natürlich bisweilen andere Gründe, warum Kinder Dinge kaputt machen. Auch sie kennen Wut und Zorn. Da kann man schon mal die ganze Playmobilsammlung in die Ecke pfeffern. Oder trotzig die eigenen Bücher zerreißen. Kindern fehlt noch der Kanal der Kommunikation und Verzweiflung äußert sich in Zerstörung. Sie stoßen an Grenzen und wissen nicht, wie sie diese überwinden können. Erwachsene kennen dieses Gefühl auch(„Ich hau gleich alles kurz und klein!“), können sich aber meistens beherrschen, Ärger runterschlucken oder ein anderes Ventil finden. Kindern fehlt diese Möglichkeit noch.

Unser Tipp: Andere Wutkanäle anbieten („Da, schau, nimm die alten Zeitungen und zerreiß’ mal alle ganz dolle“). Wenn vor Wut alles im Kinderzimmer auf den Boden geschmissen werden musste, geht das schon in Ordnung, wenn der Zornpinkel dann nicht das aufräumen danach vergisst. Vielleicht hilft es auch, wenn Sie mit dem Energiebündel einfach einmal vor die Tür gehen, wo es sich auf dem Spielplatz austoben und nach Leibeskräften schreien kann.


Der Gedanke zählt

Lukas wacht am Sonntag Morgen auf und hat die glorreiche Idee, seinen Eltern ein Frühstück vorzubereiten. Als diese dann eine halbe Stunde später aufstehen und die Küche betreten, trifft sie beinahe der Schlag. Der Orangensaft befindet sich zu zwei Dritteln auf dem Fußboden, die Butter wurde sorgfältig auf der Küchenanrichte verschmiert, der Kühlschrank steht seit einer halben Ewigkeit offen, das Brot wurde in merkwürdig formlose Quader geschnitten und die Wurst sieht inzwischen auch aus wie schon einmal gegessen. Und mittendrin ein Lukas mit Stolz geschwellter Brust.

Unser Tipp: Nicht ausrasten, sondern den Gedanken dahinter sehen. Bitte kein entmutigendes „Mach das nie wieder!“, sondern eher ein Lob für die nette Idee. Und bei Gelegenheit zeigen, wie man den Kühlschrank schließt.


„Papa, jetzt schau’ doch mal!“

Kinder machen manchmal ganz bewusst das, was strengstens verboten ist. Warum? Weil sie sich dann und nur dann Ihrer uneingeschränkten Aufmerksamkeit sicher sein können.
Beispiel: Das Kind malt schon seit einer gefühlten Ewigkeit an einem Bild. Aber Papa will und will nicht kommen und es sich anschauen, weil er gerade die Sportschau kuckt. Hmm. Was mache ich da? Ja, genau. Ich nehme einfach seine heiß geliebten Miles Davis-Platten und kratze mit meinen Buntstiften drauf rum. Dann schaut er ganz bestimmt her. Und: Das Kind hat recht. Die Strategie geht hundertprozentig auf. Auch wenn es eine Schimpftirade über sich ergehen lassen muss, die Aufmerksamkeit, die es wollte, hat es bekommen.

Unser Tipp: Nehmen Sie sich Zeit und ignorieren Sie die Aufforderungen Ihres Kindes nicht. Das mag das nämlich genau so wenig wie Sie!


Als wunderbare Geschenkalternative bietet sich in diesem Zusammenhang übrigens das „KeinBuch – 86 Dinge, die du schon immer mit einem Buch tun wolltest, aber nie durftest“ (Mixtvision, 9,95 €) an. Fettflecken, Eselsohren, Brandlöcher und durch’s Zimmer schmeißen höchst erwünscht!
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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