18 Mai, 2010 - 12:55
 

Kindliches Selbstbewusstsein fördern

Alle Eltern wünschen sich ein starkes und mutiges Kind, das seinen Weg im Leben meistern kann. Damit dieser Wunsch Realität wird, braucht das Kind ein gesundes Selbstbewusstsein. Eltern können von Geburt an dafür sorgen, dass ein Kind seinen eigenen Wert erkennt und sich selbst schätzt.

Alles beginnt mit dem Urvertrauen
 

Bereits in den ersten Lebenswochen wird der Grundstein für das kindliche Selbstbewusstsein gelegt: Das Urvertrauen entwickelt sich. Ein Kind, das sich von Anfang an behütet, umsorgt und angenommen fühlt, dessen Grundbedürfnisse zuverlässig gestillt werden, entwickelt ein grundsätzliches Vertrauen in andere Menschen, in die Welt und in sich selbst. Es geht davon aus, dass für es gesorgt wird – so entstehen Optimisten, die mit gutem Selbstvertrauen und gesundem Selbstbewusstsein die Welt entdecken.

Probleme entstehen hier besonders für Kinder, die nach der Geburt lange im Krankenhaus bleiben mussten, aber auch für Kinder, die unzureichend versorgt wurden und das, obwohl die Eltern in der Nähe sind. Für sensible Kinder können schon kleinere Ursachen ausreichen, um die Entwicklung des Urvertrauens zu stören: Wenn Kinder schreien, die Eltern aber lange nicht darauf reagieren, um das Kind zu „erziehen“, kann dies dem Grundvertrauen bereits einen empfindlichen Knacks zufügen. Und das ist logisch: Denn der Lernprozess, dass man als Kind eben nicht versorgt wird, ist in der ersten Lebensphase genauso nachhaltig wie der des Urvertrauens.
 

Gutes Körperbewusstsein = gutes Selbstbewusstsein
 

Der Körper ist das Arbeitsinstrument des Menschen. Je selbstverständlicher und sicherer er damit umgeht, desto größer sind die Möglichkeiten, den eigenen Körper zu kontrollieren. Dieses Gefühl stärkt das Selbstvertrauen in die eigene Kraft und das eigene Können. Eltern sollten bereits von Anfang an dafür sorgen, dass das Kind seinen Körper als gut, kräftig, schön und leistungsfähig empfindet. Dazu gehört ein Gefühl für den Körper, der sich entwickelt, wenn ein Kind viel Körper- und Hautkontakt mit anderen Menschen hat. Dadurch lernt es seine eigenen Körpergrenzen kennen und nimmt den Körper dadurch wahr.

Weiterhin sollten Sie Ihrem Kind erlauben, seinen Körper zu erproben. Überängstliche Eltern, die ihr Kind vor jeder möglichen Gefahr bewahren wollen, bremsen die Entwicklung des Selbstbewusstseins stark, da das Kind gar nicht die Möglichkeit hat, sich auszuprobieren, Fähigkeiten zu entwickeln und stolz darauf zu sein.

In diesem Zusammenhang ist Lob ungemein wichtig. Wenn ein Kind sich körperlich weiterentwickelt, plötzlich auf einem Bein stehen oder das Klettergerüst erklimmen kann, ist Beifall angebracht. Vermieden werden sollten dagegen Kommentare wie:

-    Pass auf, dass Du nicht fällst!
-    Das klappt ja sowieso nicht!
-    So hoch kannst Du gar nicht klettern!
 

Solche Äußerungen sind kontraproduktiv. Ein Kind wird mutig, wenn Sie ihm etwas zutrauen. Andernfalls wird es nach und nach von seiner eigenen Unfähigkeit überzeugt. Das Kind auf Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, ist dagegen hilfreich und wird vom Kind in der Regel als Unterstützung verstanden. Doch auch hier sollten Sie sich eher zurückhalten. Ein Kind möchte seine eigenen Erfahrungen machen.

Ihr Kind wird sich bei seinen Experimenten Schrammen und Beulen holen und hinfallen, aber es wird eben auch lernen, wieder aufzustehen und es noch einmal zu versuchen. Ist das nicht einer der wichtigsten Lernschritte, um das Leben später selbst meistern zu können? Wichtig ist, dass Ihr Kind weiß, dass es auf Sie als Eltern zählen kann – für Trost, Rat und Hilfe.
 
 
Grenzen setzen
 

Kinder brauchen Grenzen. Aber nicht nur, um sich sicher im Leben zu bewegen und Regeln zu lernen, sondern auch, um das eigene Selbstbewusstsein zu stärken. Denn jedes Mal, wenn das Kind die Frustration einer gesetzten Grenze aushalten kann, lernt es etwas über seine eigenen Fähigkeiten. Weiterhin lernt es, dass ein klares Nein der Eltern seinem Schutz dient. Wenn sich diese Erfahrungen fest im Kind verankern, fällt es ihm auch später oft leichter, ein Nein der Eltern zu akzeptieren, da es genug Vertrauen hat, um zu wissen, dass die Eltern ihm helfen wollen.
 

So stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes
 

Durch verschiedene Verhaltensweisen können Sie Ihrem Kind im Alltagsleben helfen, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln:
 

  • Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie ihm vertrauen. Dies kann verbal geschehen oder dadurch, dass Sie ihm Spielraum überlassen oder ihm Aufgaben anvertrauen.
  • Machen Sie sich nie über Ihr Kind lustig, wenn es etwas falsch gemacht hat, sondern trösten Sie es.
  • Nehmen Sie die Wünsche und Bedürfnisse Ihres Kindes ernst. Das heißt nicht, dass Sie alles erlauben sollen, aber Ihr Kind sollte ein (altersgerechtes) Mitspracherecht haben bei allem, wenn etwas mit ihm zu tun hat.
  • Fördern Sie Ihr Kind und ermutigen Sie es, Herausforderungen anzunehmen und sich auch einmal an schwierige Aufgaben zu wagen.
  • Geben Sie Ihrem Kind dabei die Möglichkeit, Erfolgserlebnisse zu haben. Geben Sie ihm also Aufgaben und Spiele, die seinem Entwicklungsstand angepasst sind und es fordern, aber nicht überfordern.
  • Loben Sie Leistungen Ihres Kindes, allerdings sollte großes Lob auch großen Leistungen vorbehalten bleiben.
  • Sprechen Sie klar und deutlich mit Ihrem Kind. Ironie können Kinder nicht verstehen, sie werden dadurch nur verwirrt. Sagen Sie, was Sie denken und fühlen.
  • Nehmen Sie die Gefühlslage Ihres Kindes ernst. Wenn es sich fürchtet, dann sollten Sie ihm nicht sagen, dass es keine Angst zu haben braucht. Dadurch verlernen Kinder, ihren eigenen Gefühlen zu vertrauen.

 
Respektvoller Umgang, klare Grenzen, Vertrauen und offene Kommunikation sind die Grundlagen dafür, dass Ihr Kind zu einem selbstbewussten Erwachsenen heranwächst, der in der Lage ist, sein Leben mit allen Schwierigkeiten und Anforderungen zu leisten.
 
 

Zum Weiterlesen:

http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Erziehungsbereiche/s_800.html

http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Kindliche_Entwicklung/s_1161.html#k%C3%B6rper

http://www.kindergartenpaedagogik.de/957.html
 

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Redaktion Vaterfreuden.de
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