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12 November, 2017 - 22:27
 

Kreisende Eltern – unselbständige Kinder?

Eltern, deren Gedanken ständig um das Wohlbefinden der Kinder kreisen und die jederzeit parat stehen, um den Nachwuchs zu unterstützen und zu retten, sind seit neuesten auch als Helikopter-Eltern bekannt. Was diese Daueraufmerksamkeit mit Kindern machen kann, lesen Sie im folgenden Artikel.

© trgowanlock - Fotolia.com

Eltern, die ihre Kinder stets und ständig umsorgen, geben viel Sicherheit, nehmen dem Nachwuchs im Extremfall aber auch etwas Wichtiges weg, nämlich die Chance, eigene Erfahrungen und Fehler zu machen. Niederlagen, aber auch Erfolge gehören zur Bildung eines gesunden Selbstwertgefühls einfach dazu. Wer immer nur bemuttert wird, tut sich schwer, seinen eigenen Weg zu finden und noch schwerer, ihn anschließend auch zu gehen.


Wir wollen nur Dein Bestes!

Das erklärte Ziel und die höchste Aufgabe aller Eltern ist es, ihr Kind zu beschützen und zu umsorgen. Manche Eltern schießen allerdings übers Ziel hinaus und bieten durch die Überbesorgtheit zwar maximalen Schutz, aber dafür auch ein hohes Maß an Abschottung vor dem richtigen Leben. Für die Kinder ist es sehr bequem, wenn es weiß: Mama und Papa werden´ s schon richten. Allerdings geht diese Bequemlichkeit zu Lasten von wichtigen Eigenschaften, die jeder Mensch unbedingt entwickeln sollte und für ein zufriedenes Leben braucht. Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl bleiben auf der Strecke, der Umgang mit Frustration und Niederlagen wird nicht geübt und auch das Durchhaltevermögen bleibt schwach ausgeprägt. Die Gründe dafür, warum Eltern sich immer mehr auf ihre Kinder konzentrieren und sie so leicht zu unselbständigen Erwachsenen erziehen, erklärt der Hirnforscher Ralph Dawirs folgendermaßen:

  • Es gibt immer weniger Kinder, daher erhalten diese umso mehr Aufmerksamkeit.
  • Die Ansprüche sind hoch, sollen die Kinder doch einmal in der Leistungsgesellschaft bestehen können.
  • Das Zusammenleben findet häufig in Kleinfamilien mit drei bis vier Personen statt, die Erziehungsaufgaben werden fast ausschließlich von den Eltern wahrgenommen.
  • Alle Erziehungsentscheidungen werden angezweifelt und hinterfragt. Unter den Eltern herrscht große Unsicherheit, was richtig und was falsch ist.
  • Die eigenen Ängste werden auf die Kinder projiziert, wie zum Beispiel Höhenangst, Angst vor Spinnen, vor dem Wasser usw.

Die Unsicherheit hinsichtlich der richtigen Erziehung geht einher mit der großen Angst, unverzeihliche Fehler zu machen. Generell halten Kinder so einiges aus und können Erziehungsfehler gut kompensieren. Bei der radikalen Methode der Helikopter-Eltern ist dies jedoch oft nur schwer möglich. Die Folge davon: Die Kinder werden ängstlich und trauen sich selbst immer weniger zu.


Sich sorgen ist normal

Dass man sich als Eltern ums Kind sorgt ist normal und wichtig, denn Kinder sind der Umwelt erst einmal schutzlos ausgeliefert. Die Eltern sind das einzige Bollwerk und der einzige Verteidigungsmechanismus, auf den ein Kind zurückgreifen kann. Das Wissen, dass die Eltern den Rücken stärken und da sind, wenn es Schwierigkeiten gibt, gibt einem Kind Kraft und Zutrauen zu sich selbst. Scheitert das Kind, dann wird es liebevoll aufgefangen und getröstet, ist es erfolgreich, wird es gefeiert und gelobt. Eltern, die sich allzu sehr sorgen, nehmen dem Kind und sich selbst diese Möglichkeiten. Das Kind kann seine Fähigkeiten nicht ausprobieren und sich verbessern, die Eltern können nicht zeigen, dass sie auch in schlimmen Zeiten fürs Kind da sind.


Sich kümmern, wenn es nötig ist

Für Eltern ist es wichtig, Fürsorglichkeit und Selbstverantwortung des Kindes ins Gleichgewicht zu bringen. Welche Risiken sind abwägbar, wann muss ein Kind wirklich beschützt und gerettet werden. Oft ist dies zum Beispiel im Schulalltag der Fall. Lehrer, die unnötig streng benoten, Mobbing und ungerechte Behandlung der Schüler durch die Lehrkräfte fordern häufig ein Eingreifen durch die Eltern. Aber auch hier sollten die Eltern erst einmal mit dem Kind sprechen und es fragen, ob es sich mit der Situation überfordert fühlt und die Hilfe der Eltern überhaupt in Anspruch nehmen will. Generell gilt in vielen Fällen, dass erlebte Ungerechtigkeit das Beste aus dem Menschen herausholt, das gilt gerade auch für Kinder. Greifen die Eltern zu früh ein, dann nehmen sie dem Kind die Chance zu entdecken, was es eigentlich zustande bringen kann. Das gilt nicht nur in der Schule, sondern für alle scheinbar gefahrvollen Situationen im Leben.


Immer bedenken sollten überfürsorgliche Eltern auch, dass sie irgendwann einmal nicht mehr sind. Früher oder später wird der Moment kommen, an dem jedes Kind oder jeder Erwachsene für sich selbst sorgen muss. Wie gut es diese Herausforderung meistert, hängt von dem ab, was seine Eltern ihm mitgegeben haben. Im besten Fall sind das Selbstvertrauen und ein Gefühl für die eigene Kraft.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de