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23 Januar, 2017 - 11:24
 

Leben mit einem hochsensiblen Kind – wie Eltern ihrem Kind helfen können

Reagiert Ihr Kind extrem auf Überforderungen aller Art und ist empfindlich gegen Reize? Dann könnte es hochsensibel (HSP – hochsensible Person) sein. Dieser besondere Wesenszug ist dadurch gekennzeichnet, dass diese Menschen alle Eindrücke stärker und ungefilterter wahrnehmen. Die Bandbreite dabei ist groß und nicht jedes hochsensible Kind zeigt alle Merkmale.

© photophonie - Fotolia.com

Wie viele Menschen hochsensibel sind, ist nicht bekannt. Einige Experten sprechen von 15 bis 20 % aller Menschen, andere Kreise legen einen Anteil von 5 bis 10 % fest. Entscheidend ist allerdings in jedem Fall nur eine Frage: ist Ihr Kind hochsensibel? Für Ihr Kind selbst, aber auch für Sie wird eine dahingehende Diagnose erleichternd sein, denn sie erklärt vieles und ermöglicht es Ihnen, mit Ihrem Kind so umzugehen, wie es eine hochsensible Person braucht.


Das hochsensible Kind

Kinder mit Hochsensibilität sind im Grunde genommen ständig „auf Empfang“. Während die meisten Menschen einen ganz automatisch arbeitenden Filter installiert haben, nehmen HSP alles war. Sie besitzen in vielen Fällen stark ausgeprägte Sinne und haben fein ausgebildete Antennen für die Gefühle anderer Menschen. Sie denken viel und gründlich nach und bemerken Details, die uns gar nicht auffallen. Was sich erst einmal nach einer guten und wichtigen Eigenschaft anhört, hat allerdings eine Kehrseite: Das Problem liegt allerdings in der Reizverarbeitung. Die Überflutung überfordert Nervensystem und Gehirn und so wirken hochsensible Kinder oft launisch. Wird es ihnen zuviel, dann schlägt ihre Stimmung um. Das Spektrum reicht hier von Rückzug über Weinkrämpfe bis hin zu Aggression und Wutanfällen. Aufgrund der Empfindsamkeit ist für diese Kinder Struktur und Sicherheit besonders wichtig.


Tipps zum Leben mit dem hochsensiblen Kind

Sind Sie der Meinung, dass Ihr Kind hochsensibel ist oder ist dies sogar bereits durch einen Test belegt, können Sie durch bestimmte Verhaltensweisen und Umgangsformen mit Ihrem Kind dessen Begabung fördern und gleichzeitig unnötige Überforderungen verhindern. Klar muss Ihnen sein: Ihr Kind wird mit diesem Wesenszug leben (müssen). Je besser Sie ihm zeigen, wie es damit umgehen kann, umso einfacher und erfüllter wird sein Leben auch als Erwachsener sein. Im Grunde genommen brauchen hochsensible Kinder die gleichen Umgebungsbedingungen wie andere Kinder auch. Der Unterschied ist, dass sie viel empfindlicher auf Unregelmäßigkeiten und Veränderungen reagieren.

  • Rituale und Regeln geben dem hochsensiblen Kind einen sicheren Rahmen. Dieser ermöglicht es ihnen, die für sie chaotische Welt zu ordnen.
  • Viele Ruhepausen sorgen dafür, dass die Reizüberflutung gering bleibt und das Kind immer wieder Zeit hat, die Eindrücke zu verarbeiten.
  • Trotz der nötigen Ruhe sollte das Kind jedoch nicht abgeschottet werden. Es muss auch lernen, mit der Reizüberflutung zurechtzukommen.
  • Eltern kennen Ihre Kinder und damit auch die Warnsignale, die eine Überreizung ankündigen. Wenn Sie merken, dass Ihr Kind genug hat, sorgen Sie dafür, dass es zur Ruhe kommt.
  • Entscheiden Sie für Ihr Kind, wenn es im überreizten Zustand ist und teilen Sie ihm mit, was Sie jetzt tun werden.

Als Eltern eines hochsensiblen Kinders sind Sie speziell gefordert und müssen mehr Aufmerksamkeit aufbringen. Auch wenn es keine allgemeingültigen Rezepte für den Umgang gibt, können Sie selbst immer wieder herausfinden, was für Ihr Kind gut ist und wie Sie es schützen können.


Hochsensibilität ist keine Krankheit!

Für unser Empfinden „funktionieren“ hochsensible Kinder oft nur schlecht in unserer Gesellschaft, in der es doch mehr darauf ankommt, widerstandsfähig und stabil zu sein. Dennoch ist Hochsensibilität alles andere als eine Erkrankung! Die Fähigkeit, besonders tief zu empfinden, wird auch offiziell als Veranlagung anerkannt und kann – richtig gefördert und angenommen – zu einer echten Begabung werden. Bleibt die Veranlagung unerkannt, dann kommen verunsicherte Eltern und uninformierte Mediziner häufig auf die Idee, generelle psychische Störungen zu diagnostizieren und daraufhin zu behandeln. Richtig ist, dass Hochsensibilität ein möglicher Risikofaktor für Erkrankungen wie Depressionen, Essstörungen oder auch Angststörungen ist. Allerdings sind dies dann mehr Symptome, die einen unachtsamen Umgang mit der Besonderheit der Kinder zeigen.

Fühlen Sie sich selbst mit Ihrem Kind überfordert, dann scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen. Es gibt mittlerweile verschiedene Einrichtungen, die speziell auf Hochsensibilität ausgerichtet sind. Rat finden Sie bei Experten und Institutionen und vielleicht auch in der umfangreichen Literatur, die mittlerweile in diesem Bereich angeboten wird.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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