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25 November, 2012 - 01:35
 

Lob statt Strafe – Erziehung durch positive Verstärkung

Eine Woche Fernsehverbot, Hausarrest, Liebesentzug – lange Zeit haben Kinder durch Bestrafung gelernt, was angemessen und was verboten ist. Heute geht der Trend in eine andere Richtung: Lob und positive Verstärkung werden immer mehr eingesetzt, um Kinder zu erziehen. Das funktioniert und verhindert seelische Verletzungen, die Menschen lebenslang verfolgen können.

Viele Eltern verwechseln einen positiven Erziehungsstil immer noch mit antiautoritärer Erziehung. Doch darum geht es nicht. Grenzen sind lebenswichtig für Kinder und müssen unbedingt klar und konsequent gesetzt werden. Entscheidend ist, wie man diese Grenzen aufzeigt und deren Beachtung durchsetzt. Hier führt der „weiche“ Weg oft erheblich schneller zum Ziel – er sorgt dafür, dass Kinder nicht aus Angst vor Strafe gehorchen, sondern deshalb, weil sie gefallen wollen und die Gründe verstehen.
 

Lob statt Strafe – was bedeutet das?
 

Dieses Erziehungsprinzip bedeutet keinesfalls, dass nur noch gelobt wird und das Kind sich alles erlauben kann. Ganz im Gegenteil, gerade wer Lob als Erziehungsmittel einsetzt, muss besonders auf konsequente Einhaltung von Regeln und Grenzen achten. Allerdings sollten die Grenzen Sinn machen und etwas mit dem Leben und der Persönlichkeit der Eltern zu tun haben. Oft sind gesetzte Grenzen durch die Gesellschaft vorgegeben und würden die Eltern selbst eigentlich gar nicht stören: Wenn es Sie nicht stört, dass Ihr Kind seinen Toast in Apfelsaft tunkt, gibt es keinen Grund das zu verbieten. Wenn Ihr Sohn am liebsten mit Puppen spielt, sollten Sie ihn lassen.

Lob statt Strafe bedeutet, dass gute Taten wichtiger sind als Fehler. Es bedeutet, dass das Augenmerk auf dem liegt, was Ihr Kind kann und nicht auf den Fehlern, die es macht. Beobachten Sie Ihr Kind und fördern Sie jeden guten Ansatz mit einem Lob, dann wird seine Motivation, Ihnen zu gefallen und sich richtig zu verhalten, mehr und mehr steigen. Und auch Sie selbst werden merken, dass sich Ihre Einstellung verändert. Nach und nach rückt das Positive immer mehr ins Blickfeld. Das schafft ein harmonisches Familienklima und eine liebevolle Atmosphäre.
 

Erziehung mit positiver Verstärkung
 

Immer dann, wenn Ihr Kind aus einem eigenen Impuls heraus etwas Richtiges tut, sollten Sie es loben und ihm so Ihre Wertschätzung zeigen. So lernt Ihr Kind mühelos und ganz nebenbei, was richtig ist und was nicht. Das Lob sollte dabei einfach, aber herzlich ausfallen: Es genügen ein anerkennendes Lächeln oder ein paar lobende Worte, die dem Kind zeigen, dass Sie sein Verhalten registriert haben und es für gut befinden. Dadurch fühlt es sich beachtet und geliebt und wird sich weiterhin bemühen, sich angemessen zu verhalten. Es erhält Gewissheit. Im Laufe der Zeit erlangt es durch die positive Verstärkung immer mehr Selbstbewusstsein: Was ich tue ist gut und richtig! Ich kann mich für das Richtige entscheiden!
 

Faustregel: einmal schimpfen, viermal loben
 

Um das Prinzip „Lob statt Strafe“ umzusetzen, ist es wichtig, mehr zu loben als zu kritisieren. Solange Ihnen das noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist, sollten Sie die Regel beherzigen, dass auf einmal Kritik viermal ein Lob folgen sollte. Wenn Sie den Eindruck haben, dass es keine Gründe gibt, Ihr Kind zu loben, dann sollten Sie eindeutig weniger oft kritisieren. Denn Schimpfen hilft dem Kind nicht zu erkennen, was von ihm gefordert ist. Meist sieht Kritik dann auch noch wie folgt aus:
 

  • „Hör auf herumzuzappeln“ statt „Setz Dich bitte hin“.
  • „Mach hier nicht so eine Sauerei“ anstatt „Iss bitte mit Löffel und Gabel und nicht mit den Fingern“.
  • „Warum streitet ihr denn schon wieder“ anstatt „Welche Möglichkeit könnte es geben, die Sache ohne Streit zu lösen?“.

 

Falls Ihnen das Loben schwer fällt und Sie glauben, keinen Grund zu finden, dann schauen Sie doch einmal nach dem Selbstverständlichen, das Ihr Kind im Alltag bereits ohne Aufforderung erledigt: Es hängt seine Jacke auf, räumt seinen Teller selbstständig ab und zieht seine Schuhe im Flur aus. Alles Regeln, die es bereits gelernt hat und beachtet. Wenn das kein Grund zum Loben ist!
 

Aufmerksamkeit durch negatives Verhalten
 

Kinder, die viel geschimpft und bestraft werden, lernen, dass sie immer dann besonders viel Aufmerksamkeit erhalten, wenn sie etwas falsch machen. Kein Wunder also, wenn sich der Sprössling absichtlich daneben benimmt. Das gilt vor allem, wenn es bei gutem Verhalten keine Aufmerksamkeit und keinen lobenden Kommentar gibt. Dabei funktioniert das Prinzip in diesem Fall genauso: Erhält ein Kind Lob und damit Aufmerksamkeit für gutes Verhalten, wird es das immer wieder tun und damit entsteht eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Ihr Kind lernt, wie man sich gut benimmt und erhält Ihre Aufmerksamkeit und Zuneigung, Sie selbst vermitteln auf positive und freundliche Art die Regeln, die im Zusammenleben mit der Familie und anderen Menschen wichtig sind.
 

Zum Weiterlesen:

http://www.familienhandbuch.de/cms/Erziehungsfragen_Grenzen.pdf

http://www.krone.at/Familie/So_erziehst_du_ohne_Strafen-Lob_statt_Tadel-Story-61321
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de