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24 September, 2016 - 22:07
 

Mädchenförderung – wie? Und ist das überhaupt nötig?

Bei der Frage der Mädchenförderung scheiden sich die Geister ebenso, wie bei der von Jungen. Befürworter und Kritiker werfen sich gegenseitig Einseitigkeit vor, dabei stellt sich gar nicht die Frage, ob, sondern nur wie gefördert wird. Jungen sind dem Wesen nach anders als Mädchen, also muss die Förderung dem Rechnung tragen. Doch nur weil Mädchen in der Schule oft weniger Probleme haben als Jungs, heißt das nicht, dass sie keine Förderung bräuchten.

© Monkey Business - Fotolia.com

Entwickeln sich Kinder gleich, wenn man sie auch gleich erzieht? Sind Prinzessin-Kostüm und die Cowboykluft Naturgesetze, wenn der Karneval vor der Tür steht? Oder doch einfach bloß anerzogen? Fakt ist, dass ein Junge im Prinzessin-Kostüm schon eine Menge Selbstvertrauen braucht. Wohl mehr, als das Mädchen als Cowgirl. Doch die Frage hinter all dem ist und bleibt die, ob Jungen und Mädchen wirklich unterschiedlich sind. Man könnte es so formulieren: Beide Geschlechter brauchen auf bestimmten Gebieten unterschiedliche Behandlung und Förderung.


Testosteron: Der kleine Unterschied

Über den gesteigerten Testosteronhaushalt bei Männern werden gern Witze gemacht. Dabei spielt es natürlich eine Rolle, wie ein Mann sich verhält. Bei Kindern ist die Sachlage anders. Testosteron bildet sich bereits während der Schwangerschaft und entscheidet darüber, was in die Mutter heranwächst. Bleibt die Bildung von Testosteron aus, wird es ein Mädchen. Jungen kommen mit einem hohen Testosteronspiegel zur Welt, der bis zum 2. Lebensjahr stark abnimmt. Im vierten Lebensjahr verdoppelt er sich noch einmal, was häufig am Verhalten von Jungen zu erkennen ist. Testosteron kann zu Aggressionen führen, aber auch zu erheblichem Bewegungsdrang. Der Umstand, dass dieses Hormon bei Mädchen fehlt, bedeutet jedoch keinesfalls, dass sie andere Bedürfnisse hätten.


Die Prinzessin im Dreck

Die Tatsache, dass Mädchen sich gern als Prinzessin verkleiden oder häufiger mit Puppen spielen als Jungen, sollte nicht zur Annahme verleiten, sie würden nicht trotzdem gern Dinge tun, die Jungen machen. Völlig unabhängig von möglichen Förderungen für Mädchen in der Schule können Eltern den weiblichen Nachwuchs ebenfalls fördern:

  • Die meisten Mädchen toben gern und machen sich gern auch mal so richtig schmutzig! Leider müssen sie sich häufiger dazu überwinden, diesem Bedürfnis Luft zu machen, denn nicht selten „gehört“ es sich für Mädchen nicht, so unbefangen den Dingen ihren Lauf zu lassen, wie Jungen das tun. Dabei fördert Toben die motorischen Fähigkeiten, hilft dabei, die eigene Kräfte besser einzuschätzen und dient dem Aufbau von Selbstvertrauen.
  • Fehler machen ist erlaubt! Es ist kein bewusster Vorgang, aber Eltern neigen dazu, ihre Töchter stärker als Söhne zu beschützen. Irgendwie greift der Reflex, ihnen schlechte Erfahrungen zu ersparen und Fehler zu vermeiden, bevor sie geschehen. Doch für Mädchen gilt genauso wie für Jungen, dass Fehler zum Leben gehören. Sie stärken den Menschen und helfen dabei, in Zukunft bessere Entscheidungen zu treffen.
  • Aggressionen statt Zickenkrieg! Was der Testosteronspiegel bei Jungen, ist der „Zickenkrieg“ bei Mädchen. Und auch wenn beides hin und wieder zutreffend sein mag, in aller Regel bedienen sich diese Vorurteile nur uralter Klischees. Wenn ein Junge aggressiv ist und seine Wünsche oder Bedürfnisse durchsetzen will, erfährt er in der Umwelt dafür oft sogar Anerkennung - „Na, der kleine Mann weiß aber schon genau, was er will“. Mädchen dagegen stehen schnell als launige Weiber da, die viel zu sehr verwöhnt worden sind. Dabei gibt es tatsächlich keinen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen, wenn sie wütend sind. Mädchen sollten genauso aggressiv sein dürfen wie Jungen. Der Umgang mit Aggressionen steht auf einem anderen Blatt, eines sollte er jedoch nicht sein: männlich oder weiblich.


Technik und Fantasie

Technik wird noch immer eher mit Jungen als mit Mädchen in Verbindung gebracht. Und tatsächlich kann nicht jedes Mädchen damit etwas anfangen. Man muss jedoch schon etwas länger suchen, bis man jemanden findet, der einem Mädchen einen Experimentier- oder Chemiebaukasten schenkt. Wenn ein Mädchen also nicht explizit das Interesse an Technik äußert, bleibt es oft ohne Berührungspunkte bei diesem Thema. Dabei erfordert es gar nicht viel, um eine Tendenz zu erkennen. Die Tochter einfach einmal mit zum Ölwechsel oder zum Basteln in die Garage nehmen, das kann zu erstaunlichen Erkenntnissen führen.

Biologisch bedingt sind Jungen mit dem besseren räumlichen Wahrnehmen ausgestattet. Das ist der Grund, warum Männer besser sind im Kartenlesen oder beim Einparken (wobei das kein grundsätzliches richtiges und in Stein gemeißeltes Naturgesetz ist). Das räumliche Wahrnehmen aber kann geschult und trainiert werden. Mit Mädchen Spiele und Übungen zu machen, die dabei helfen, die räumliche Vorstellungskraft zu verbessern, ist also in jedem Fall sinnvoll.


Der liebe Frieden

Es ist teilweise der Hang zum Ausgleichenden, der dafür sorgt, dass Mädchen Konflikte eher scheuen als Jungs. Besonders auf dem Spielplatz wird häufig deutlich, dass Jungen gern schon einmal Machtkämpfe austragen, Mädchen sich damit aber eher zurückhaltend. Doch für Jungen wie für Mädchen gilt: Das (gewaltfreie) Durchsetzen der eigenen Interessen gegenüber anderen Kindern gehört zur Entwicklung dazu. Auch ein Kind, das früh lernt, sich durchsetzen zu müssen bzw. zu dürfen, kann später ein ausgleichender Mensch werden. Vielleicht sogar eher, als ohne diese Erfahrung.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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