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9 November, 2016 - 11:49
 

Mein Kind lügt!

Der Mensch lügt durchschnittlich 200 Mal am Tag aus den verschiedensten Gründen. Die Lügen sind oft unbewusst und gehören zum Alltag. Wenn aber unsere Kinder lügen, werden wir hellhörig und fragen uns, was wir falsch machen.

© Takus - Fotolia.com

Erwachsene lügen aus ganz unterschiedlichen Gründen, etwa um höflich zu sein, um sich selbst besser darzustellen oder um etwas aus Angst vor Strafe oder Verachtung zu vertuschen. Wenn Kinder lügen, liegt die Motivation häufig ein wenig anders. Sie lügen ebenfalls, wenn sie Angst vor Strafe haben – aus Höflichkeit lügen sie nie. Denn eigentlich haben Kinder einen großen Hang zur Ehrlichkeit, wie es das alte Sprichwort so schön sagt: „Kindermund tut Wahrheit kund!“


Lüge oder Phantasievorstellung

Kinder haben eine blühende Fantasie und können bis zu einem gewissen Alter oft nicht unterscheiden, was sichtbare Realität und was eigene Vorstellungen sind. Wissenslücken füllen sie oft dadurch aus, dass sie sich etwas ausdenken, diese Strategie ist besonders in der magischen Phase zwischen drei und fünf zu beobachten. Wenn nun ein Kind nach Hause kommt und von Raumschiffen, Elfen oder Piraten berichtet, die es ganz sicher gesehen hat, fällt es meist noch leicht, dies in das Reich der Phantasie einzuordnen. Wenn ein Kind aber ganz konkrete und denkbare Gründe benennt, warum es zum Beispiel zu späte gekommen ist oder seine Jacke nicht mehr hat, sorgen sich Eltern schnell: Berichtet ein Kind darüber, dass ein Fuchs seinen Pullover gestohlen und in den Wald geschleppt hat, ist dies zwar unwahrscheinlich, aber immerhin theoretisch denkbar. Als Erwachsene gehen wir in diesem Fall fast automatisch davon aus, dass dies eine vorsätzliche Lüge ist. Das Kind hat seinen Pullover vielleicht sogar gesucht, ihn nicht gefunden und sich diese Erklärung überlegt. Bis zur Frage nach dem Kleidungsstück hatte sich die Vorstellung manifestiert und wurde für das Kind so real, dass es eine Vorstellung als reales Erlebnis schildert. In diesem Fall handelt es sich also keinesfalls um eine bewusste Lüge und eine Bestrafung und Vorwürfe würde das Kind nicht verstehen. Es hat ja gar nichts falsch gemacht.

Je älter Kinder werden, desto klarer können sie die Realität und ihre Vorstellungen unterscheiden und desto bewusster können sie ihre Aussagen steuern. Aus Angst vor Strafe oder einfach um sich wichtig zu machen, können jetzt die ersten „echten“ Lügen formuliert werden.


Warum Kinder lügen

Spätestens im Grundschulalter erwarten wir von unseren Kindern, dass sie uns die Wahrheit sagen und reagieren auf Lügen gekränkt und empfindlich. Trotzdem kommt es in diesem Alter relativ häufig vor, dass sich Kinder zum Lügen gezwungen sehen. Dabei denken sie kurzfristig: Wenn ich nicht erzähle, dass ich meine Brotdose verloren habe, dann werde ich nicht geschimpft. Dass die Mutter dies sowieso herausfinden wird, soweit denkt es in diesem Moment nicht. Diese Lüge wurde durch die Angst vor Strafe motiviert. Andere Gründe warum Kinder lügen liegen darin, dass sie Aufmerksamkeit erreichen wollen, entweder bei den Eltern oder auch bei Freunden. Kinder, die sich benachteiligt und ungesehen fühlen, wenden dieses Mittel oft an, um sich in den Vordergrund zu drängen.

Was Kinder selbst im Grundschulalter kaum können, ist lügen aus Höflichkeit. Wenn es um andere Personen geht, sind sie oft schonungslos ehrlich. Was nun passiert, stürzt das Kind in ein Dilemma. Denn in diesem Fall verlangen ihm die Eltern ab, bestenfalls nichts zu sagen, schlimmstenfalls zu lügen. Das muss nicht immer durch Worte geschehen: Wenn das Kind eine Tante, die schrecklich Mundgeruch hat, trotzdem küssen muss und sie dazu noch nicht mal auf den unangenehmen Geruch hinweisen darf, lügt es. Oft hat diese Verwirrung zur Folge, dass Kinder besonders viel lügen. Sie brauchen eine Weile, um zu sortieren - zwischen den „verbotenen“ Lügen und den „erlaubten“ Lügen.


Wie sollten Eltern reagieren?

Eltern müssen Kindern in diesem verwirrenden Durcheinander beistehen. Dazu gehört es, den Kindern die Erkenntnis zu vermitteln, dass man mit Ehrlichkeit weit mehr erreicht. Wenn Sie Ihr Kind bei einer Lüge ertappen und es bestrafen, ist das Resultat folgendes: Es wird beim nächsten Mal geschickter lügen und eine Entlarvung vermeiden. Manchmal brauchen Kinder mehrere Anläufe, aber meist schaffen sie es irgendwann so geschickt zu lügen, dass die Eltern nichts davon merken. Um nun zu erreichen, dass ein Kind nicht mehr lügt, sollten Sie Ehrlichkeit honorieren - sagt Ihr Kind die Wahrheit, wenn es etwas Dummes oder Verbotenes gemacht hat, sollten Sie ihm helfen, die Situation wieder auszubügeln, ohne böse zu werden oder es zu bestrafen. Hat ein Kind zum Beispiel etwas gestohlen, bringen Sie das Diebesgut mit ihm zusammen zum Besitzer zurück. In anderen Fällen braucht es vielleicht einfach nur Verständnis. Hören Sie sich die Beweggründe für die Tat und auch den Grund für die Lüge an. Dies sollte niemals vor anderen passieren. Blamieren Sie Ihr Kind nicht, indem Sie ihm öffentlich eine Lüge nachweisen. Ein Kind, dem Verständnis entgegengebracht wird, lernt nach einer Weile, dass Lügen nicht nötig ist, damit es gemocht und respektiert wird.


Als Eltern sollten Sie nie Ihre Vorbildfunktion vergessen. Ein Kind, das seine Eltern häufig bei Lügen erlebt, wird dieses Verhalten annehmen und nachahmen. Lügt Ihr Kind oft und scheinbar ohne Grund, sollten Sie zuallererst das eigene Verhältnis zur Wahrheit überdenken.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de