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25 Juli, 2017 - 10:13
 

Minderwertigkeitskomplexe bei Kindern – wie sie entstehen und wie Eltern helfen können

Erfolgsdruck, Überforderung und zu hohe Ansprüche ans Kind sind häufige Auslöser für Minderwertigkeitskomplexe, die Menschen ein Leben lang belasten. Als Eltern haben Sie die Möglichkeit, Ihr Kind von Anfang an zu stärken und es bei der Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls zu unterstützen.

© slavomir pancevac - Fotolia.com

„Das schaffst Du ja doch nicht!“ „Immer bist Du so ungeschickt!“ „Ich mach das lieber selbst!“ Diese und ähnliche Sätze können Gift für das Selbstbewusstsein eines Kindes sein und zu Minderwertigkeitskomplexen führen. Gerade in den ersten Jahren wird das Selbstwertgefühl geprägt – durch eine unterstützende Haltung, Vertrauen und auch Zutrauen können Sie für Ihr Kind hier von Anfang an die richtigen Weichen stellen.


Eine Sache der Gene?

Wie selbstbewusst ein Kind agiert, ist laut Meinung einiger Wissenschaftler bereits in den Genen angelegt. Allerdings weichen die Meinungen von Psychologen und Erziehungsexperten hiervon ab. Wie selbstbewusst ein Kind sich entwickelt, hängt in hohem Maß von der Prägung in den ersten Lebensjahren ab. Minderwertigkeitskomplexe sind eine Folge davon, dass ein Mensch seinen eigenen Wert nicht erkennt und sich selbst nichts zutraut. Diese Einstellung wird viel durch Erfahrungen in der Kindheit geprägt und auch durch den Umgang der Eltern mit den Stärken und Schwächen des Kindes. Trauen Sie Ihrem Kind wenig zu und beschützen Sie es übermäßig vor vermeintlich negativen Erfahrungen, lernt Ihr Kind, sich selbst nicht zu vertrauen. Es wird unsicher und ängstlich.


Wie Denk- und Fühlmuster entstehen

Kinder lernen aus Erfahrung – über das Leben und über sich selbst. Macht ein Kleinkind immer wieder die Erfahrung, dass es etwas selbst nicht schafft, zum Beispiel, weil es durch fürsorgliche Eltern keine Gelegenheit dazu erhält, sich selbst zu erproben, wird dies zu einem Glaubenssatz, der ein Leben lang wirkt. Wächst ein Kind dagegen mit dem Bewusstsein auf, dass seine Eltern es unterstützen und ihm etwas zutrauen, entwickelt es selbst Vertrauen in die eigene Stärke.
Ein weiterer Auslöser für Minderwertigkeitskomplexe entsteht durch übermäßige Erwartungen, die das Kind einfach nicht erfüllen kann. Leistungsorientierte Eltern erwarten Bestnoten in der Schule, Erfolge bei Sportwettbewerben und sind schnell enttäuscht, wenn das Kind diese Erwartungen nicht erfüllen kann. Die Enttäuschung überträgt sich auf das eigene Denken und Fühlen. Die Haltung „Das schaffe ich ja sowieso nicht!“ wird zu einer inneren Wahrheit, die das Handeln und Denken bestimmt. Besonders Kinder in unklaren oder problematischen Familienbeziehungen neigen dazu, Komplexe zu entwickeln.


Ich bin schwach!

Kinder sind auf die Liebe Ihrer Eltern angewiesen. Kommt von dort häufig die Botschaft „Du bist schwach!“ wird das Kind alles tun, um dennoch geliebt zu werden. Es wird sich intensiv mit den eigenen vermeintlichen Schwächen auseinandersetzen und sich selbst dafür kritisieren. Dabei kann es nicht auf eigene rationale Beurteilungen zurückgreifen, sondern nur auf das elterliche Feedback. Es ist nicht in der Lage das, was die Eltern vermitteln, auf seinen Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Es ist seine Wahrheit.


Sätze, die Eltern nie sagen dürfen

Kinder sind auf das Feedback der Eltern angewiesen. Es bietet ihnen eine Orientierung für die Einschätzung von sich selbst. Vor diesem Hintergrund sollten Eltern gut darauf achten, was sie Ihrem Kind sagen – insbesondere dann, wenn es subjektiv gesehen „versagt“, nicht die gewünschten Leistungen erfüllt oder die Vorstellungen der Eltern enttäuscht. Tabu sollten in der Kommunikation mit dem Kind folgende Sätze sein:

  • „Stell Dich nicht so an!“
  • „Schau mal, wie gut Dein Bruder das kann!“
  • „Immer muss man Dir alles hinterhertragen!“
  • „Das war ja klar, dass Du das nicht hinkriegst!“
  • „Dafür bist du noch zu klein!“
  • „Das ist Deine Schuld!“

Jeder dieser Sätze vermittelt, dass Sie Ihrem Kind etwas nicht zutrauen oder es für schwach und unfähig halten. Achten Sie stattdessen darauf, Ihr Kind zu ermutigen, respektieren Sie seine Gefühle und vermeiden Sie vor allem in Kritik das schlimme Wörtchen „immer“. Auch Schuldzuweisungen und das Übertragen negativer Verantwortung schwächen Ihr Kind dauerhaft und führen dazu, dass es die Schuld stets bei sich selbst sucht.


So stärken Sie Ihr Kind

Hat Ihr Kind bereits Minderwertigkeitskomplexe entwickelt, die übrigens auch später durch Mobbing in der Schule oder dauerhafte Beleidigungen durch Lehrer und Freunde entstehen können, ist es Ihre Aufgabe, das Kind zu stärken. Erfolgserlebnisse auf vielen Ebenen sind dann besonders wichtig. Schaffen Sie für Ihr Kind Herausforderungen, die es nicht überfordern und zu Erfolgserlebnissen führen. Das können zum Beispiel Aufgaben im Haushalt sein oder auch körperliche Herausforderungen wie ein Besuch in einem Kletterpark. Dabei ist es nicht in erster Linie wichtig, ob Ihr Kind diese Herausforderungen mit oder ohne Ihre Unterstützung meistert. Wichtig ist der Erfolg am Ende. Sie sollten diesen Erfolg dann würdigen, ohne ihn jedoch zu überhöhen. Scheitert Ihr Kind an einer Aufgabe, zeigen Sie ihm, dass Sie es dennoch respektieren und lieben. Setzen Sie dies konsequent um, dann kann Ihr Kind nach und nach Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten entwickeln und vorhandene Komplexe abbauen.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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