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28 September, 2017 - 08:54
 

So fördern Sie die Selbstregulation Ihres Kindes

Unter Selbstregulation oder auch Selbststeuerung versteht man die Fähigkeit eigene Impulse und Bedürfnisse mit Anforderungen von außen abzugleichen. Dazu gehört zum Beispiel die Entwicklung des Schlaf-Wach-Rhythmus beim Säugling. Sie können viel dafür tun, dass Ihr Kind diese wichtige Fähigkeit zunehmend entwickelt.

© MNStudio - Fotolia.com

Der Umgang mit den eigenen Gefühlen will gelernt sein und fällt umso leichter, je mehr Zugang ein Mensch zu seinen Gefühlen und Bedürfnissen hat. Eine sichere Bindung zu den Eltern, gute Vorbilder, wenn es um die Bewältigung schwieriger Situationen geht oder auch ein wertschätzendes Klima innerhalb der Familie unterstützen die Entwicklung der Selbststeuerung. Ebenfalls wichtig: Das Kind sollte in seinen Erfahrungen der eigenen Stärken und Kompetenzen unterstützt werden.


Die drei Gehirne

Um das Prinzip der Selbstregulation zu verstehen, hilft ein Modell aus der modernen Hirnforschung. Jeder Mensch hat drei „Gehirne“, die unterschiedliche Funktionen haben. Mal arbeiten diese Gehirnteile reibungslos zusammen, mal ist eines davon überaktiv. Die grundsätzlichen Erfahrungen eines Kindes in den ersten Lebensjahren bestimmen, welches der Gehirne vorwiegend die Oberhand behält.

  • Das sogenannte Reptiliengehirn ist der älteste Teil des menschlichen Gehirns. Es aktiviert die Verhaltensweisen, die zum Überleben notwendig sind und kontrolliert die Körperfunktionen.
  • Das Säugergehirn wird auch emotionales Gehirn oder limbisches System genannt. Es löst starke Emotionen aus und kontrolliert Kampf- oder Fluchtreaktionen. Es aktiviert Wut, Furcht und Ängste, aber auch Fürsorge, soziale Bindungen oder den Spieltrieb.
  • Das rationale Gehirn macht beim Menschen bis zu 85 % der Gehirnmasse aus und ist in der Lage, die anderen Gehirnanteile zu steuern – wenn es denn richtig ausgeprägt wird. Die Funktionen und Fähigkeiten wie Kreativität, Vorstellungsvermögen, logisches Denken, Reflexion oder Anteilnahme haben hier ihren Sitz.

Wichtiges Ergebnis der Forschung am Gehirn in den letzten Jahren ist, dass das rationale Gehirn umso leistungsfähiger ist, je tiefer die emotionale Eltern-Kind-Beziehung angelegt ist. Insgesamt ist der Einfluss der Eltern auf diesen Gehirnanteil so groß, weil er gerade in den ersten Lebensjahren besonders stark wächst. 90 % aller Vernetzungsprozesse finden im Alter von 0 bis 5 Jahren statt.


Kinder verstehen

Für Erwachsene, bei denen das rationale Gehirn bereits die Oberhand hat, ist es oft nicht leicht, die kindlichen Reaktionen zu verstehen. Diese werden durch die noch fehlende Impulskontrolle ausgelöst. Was uns als Frechheit oder Trotz vorkommt, ist in Wirklichkeit eine Unreife des kindlichen Gehirns, das noch nicht fähig ist, die Impulse zu kontrollieren. Das rationale Gehirn ist noch nicht ausreichend für diese Aufgabe entwickelt.


So fördern Sie Ihr Kind

Alles, was Kinder in den ersten Jahren erleben, bewirkt eine Vernetzung im Gehirn. Es passt sich an die Anforderungen aus der Umwelt an. Diese Anpassung – oder auch Regulation – findet je nach kindlicher Erfahrung als fördernder oder bremsender Prozess statt. Deshalb ist es so wichtig, dass ein Kind die „richtigen“ Erfahrungen macht. Um es zur späteren Selbstregulation von Reptilien- und Säugergehirn zu befähigen, Stress zu bewältigen, mit Wut umzugehen und Liebesbeziehungen einzugehen, können Sie viel tun:

  • Achten Sie darauf, dass die Bedürfnisse Ihres Kindes angemessen befriedigt sind. Kinder brauchen die Gelegenheit zu ruhigem Schlaf, gesunde und abwechslungsreiche Nahrung und genug Bewegung.
  • Körperliche Nähe und Bindung sind für Kinder überlebenswichtig. Sie wollen sich geborgen fühlen und brauchen dazu viel Körperkontakt und Zuwendung, Verlässlichkeit und Rituale. Das schafft für sie den Rückhalt, um sich frei zu entwickeln.
  • Beachtung, Liebe und Wertschätzung sind unerlässliche Bedürfnisse, die Kinder einfordern - zum Teil auch mit für uns Eltern schwierig zu verstehenden Methoden. Was braucht Ihr Kind, etwa wenn es trotzig, aufgedreht oder aggressiv wird?
  • Gerade kleine Kinder brauchen Orientierung und Sicherheit. Berechenbarkeit von Umwelt und Eltern gibt ihnen Sicherheit und Rückhalt.
  • Kinder sind Forscher, sie wollen ihre Umwelt erkunden und Erfahrungen machen. Sie können diesen Drang durch ein abwechslungsreiches Umfeld, viel Freiraum und unterschiedliche Erfahrungen bieten.
  • Kinder wollen sich selbst verwirklichen, Dinge selber tun und sich autonom entwickeln. Auch hier können Sie durch einen sicheren Rahmen, in dem sich Ihr Kind ausprobieren kann, viel Unterstützung und Begleitung leisten.

Überforderung ist für das Kind genauso abträglich wie Unterforderung. Für eine gute Entwicklung sollten Sie Ihrem Kind einen Mittelweg bahnen, in dem es auf der einen Seite eigene Herausforderungen bewältigen kann, auf der anderen Seite aber auch jederzeit auf Ihre Unterstützung zählen darf, wenn es etwas nicht schafft. Eine ermutigende Haltung, bei der Sie die Fähigkeiten Ihres Kindes berücksichtigen und dort, wo es noch nicht fähig ist, behutsam mitmachen, unterstützt die kindliche Entwicklung im Alltag ganz von selbst.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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