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1 April, 2017 - 11:24
 

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern – Soziale Unterschiede und wie Kinder sie wahrnehmen

Einerseits können Kinder sehr grausam sein, wenn sie bei anderen Kindern auf soziale Unterschiede zu sich selbst stoßen, andererseits ist es dem Königskind ganz egal, wenn es mit dem Gänsehirten spielt. Ob und wie Kinder soziale Unterschiede empfinden und beurteilen, hängt viel vom Vorbild der Eltern ab.

© Aamon - Fotolia.com

Nicht immer sind die Eltern mit dem Umgang einverstanden, den das eigene Kind so „pflegt“. Sie befürchten, dass der Kontakt zu Kindern aus sozial schwachen Familien das eigene Kind „verdirbt“. Die Kombination dieser Ängste zusammen mit einem generell abfälligen Verhalten gegenüber jenen, die „irgendwie anders“ sind, hat bei Kindern oft Intoleranz und Verachtung gegenüber allem, was sie als minderwertig einstufen zur Folge. Eine Entwicklung, die verantwortungsbewusste Eltern nicht fördern sollten. Dennoch ist die Sorge, dass das eigene Kind an falsche Freunde gerät, teilweise verständlich. Wie geht man also vor?

 

Wie Kinder soziale Unterschiede empfinden

Kinder nehmen bis zum dritten Lebensjahr die Welt weitgehend über Emotionen wahr. Dies hat zur Folge, dass sie andere Menschen eher danach beurteilen, wie sie sich ihnen gegenüber verhalten, als nach dem äußeren Schein. Wohl stellen sie fest, wenn jemand „anders“ ist, verurteilen ihn deswegen allerdings nicht. Je älter ein Kind wird, umso deutlicher erkennt es, wenn sich andere Kinder in ihrem Verhalten oder in ihrem Aussehen von den anderen unterscheiden, also zum Beispiel, ob es noch nicht so gut reden kann oder ärmlich gekleidet ist. Wie Ihr eigenes Kind darauf reagiert, hängt in hohem Maße davon ab, welches Klima bei Ihnen zu Hause herrscht: Wird dort viel über die faulen Hartz-IV-Empfänger geredet und vor allem geurteilt, stellt man den eigenen Lebensstil als den einzig erstrebenswerten und richtigen dar, wird sich Ihr Kind höchstwahrscheinlich nach und nach diese Geisteshaltung zu eigen machen und andere beurteilen. Kinder sind in ihrem Verhalten, den scheinbar „wertloseren“ Menschen gegenüber dabei längst nicht so gebremst, wie wir Erwachsenen. Sie lassen die Schmuddelkinder mit aller Ehrlichkeit und unter Umständen auch mit körperlichem Nachdruck spüren, was sie von ihnen halten.

 

Über den Umgang mit sozialen Unterschieden

In Deutschland gibt es soziale Unterschiede, das ist Fakt. Auch wenn es nicht empfehlenswert ist, diese zu werten, so sollte das Niveaugefälle, was Bildung oder Wohlstand angeht, auch nicht ignoriert oder gar tabuisiert werden. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, wenn es nötig ist. Erklären Sie ihm, warum manche Menschen arm und manche reicher sind, warum manche Kinder schicke Markenkleider und andere wiederum geflickte Sachen anhaben. Kinder verstehen in dieser Hinsicht oft mehr, als man ihnen zutraut. Was Sie eben nicht tun sollten, ist eine Wertung vorzunehmen. Sorgen Sie durch Verständnis und Toleranz anderen gegenüber, dass auch Ihr Kind diese so wichtigen Eigenschaften im menschlichen Miteinander lernt.

 

Darf man Freundschaften verbieten? 

Generell ist diese Frage mit Nein zu beantworten. Einem Kind zu verbieten, mit einem bestimmten anderen Kind befreundet zu sein, greift massiv in das Selbstbestimmungsrecht des Kindes ein und zwingt es dazu, sich zu entscheiden: Entweder muss es seine eigenen Gefühle verleugnen oder die Eltern hintergehen. Beides ist – ganz gleich, in welchem Alter das Kind ist – kontraproduktiv für seine selbstbewusste Persönlichkeitsentwicklung und führt dazu, dass die eigene Selbstwahrnehmung leidet. So oder so sorgt das Verbot einer Freundschaft mit einem anderen Kind dazu, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind leidet. Stellt man fest, dass das Kind einen, in den eigenen Augen unangemessenen, Umgang hat, dann sollte man lieber versuchen, mit dem anderen Kind und dessen Familie Kontakt aufzunehmen und einmal selbst nachzuprüfen, ob die Vorurteile gerechtfertigt sind. Ist das der Fall, bleibt dennoch wenig anderes übrig, als ein besonders wachsames Auge auf diese Freundschaft zu haben – zum Beispiel, indem man den Freund zu sich nach Hause oder zu gemeinsamen Unternehmungen mit einlädt.

 

Soziale Unterschiede - wann Eltern Grenzen setzen dürfen

Soziale Unterschiede sollten nicht zu einer Abwertung von Anderen führen, Freundschaften dürfen generell nicht verboten werden. Dennoch gibt es Grenzen, die Eltern setzen können, wenn Grund zur Sorge besteht, dass das eigene Kind auf Abwege gerät. Dies gilt übrigens nicht nur dann, wenn Ihr Kind mit einem anderen Kind befreundet ist, das auf niedrigerem Niveau lebt: Wird im Haus des Freundes Kette geraucht, viel Alkohol konsumiert, herrscht häusliche Gewalt oder läuft der Fernseher 24 Stunden am Tag, dann laden Sie das Kind lieber zu sich ein – damit halten Sie Kontakt, behalten die Übersicht darüber, was die Freunde tun und geben der Freundschaft der sozial so unterschiedlichen Kinder einen geschützten Rahmen.

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