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13 September, 2017 - 11:01
 

Streng sein, konsequent sein - wie geht das?

Dem Kind jeden Wunsch von den Augen abzulesen, es zu verwöhnen und ihm grenzenlose Freiheit zu lassen – das ist sicher nicht die beste Methode, um aus dem Nachwuchs einen selbstbewussten und verantwortungsvollen Menschen zu machen. Andererseits: Wie streng dürfen Eltern sein, wie konsequent müssen sie sein? Die einzige wahre Wahrheit auf die Frage nach der besten Erziehung gibt es sicherlich nicht. Aber doch ein paar Aspekte, die Aufmerksamkeit verdienen.

© Pavel Losevsky - Fotolia.com

Es ist ein dünnes Eis, auf dem Eltern sich bewegen. Einerseits ist eine gewisse Autorität unbedingt notwendig, um aus dem Kind kein unsoziales und ausschließlich ich-bezogenes Wesen zu machen. Andererseits sollte das nicht auf autoritärem Wege erreicht werden. Kinder müssen wissen, wo es langgeht, dafür sind Eltern da. Aber Kinder müssen eben auch die Freiheit haben, Erfahrungen zu sammeln und so wichtige Lektionen des Lebens selbst zu erfahren.


Härte, Härte, Härte

Es sind Szenen wie die prügelnder Jugendlicher in U-Bahnhöfen und grauenvolle Taten wie Amokläufe an deutschen Schulen, die den Ruf nach mehr Disziplin immer häufiger erklingen lassen. Bücher wie „Lob der Disziplin“ oder „Tiger Mum“ schlagen genau in diese Kerbe. Der Autor Bernhard Buebs fackelt nicht lange und verlangt „Strenge, Härte, Disziplin ohne Debatte“. Und viele entnervte Eltern oder Pädagogen nicken zustimmend bei seinem Statement. Doch so einfach ist die Sache nicht.


„Was möchtest Du denn jetzt gern?“

Das Gegenteil von Härte und eiserner Disziplin ist die Welt der Fragen. Moderne Familien neigen hin und wieder dazu, ihren Kindern nicht zu sagen, dass es jetzt an der Zeit ist zu schlafen, stattdessen werden die Kleinen gefragt: „Möchtest Du jetzt schlafen?“ Die Antwort darauf ist nur in den allerseltensten Fällen „Ja, das möchte ich“.

Gerade kleine Kinder sind mit solchen Fragestellungen oft hoffnungslos überfordert. Zudem sind sie nicht in der Lage, ständig alleine Entscheidungen treffen zu müssen. Denn genau das passiert bei der „Frage-Pädagogik“. Kinder brauchen Klarheit, auch klare Ansagen, einen geregelten Tagesablauf und Eltern, die ihnen sagen, was zu tun ist. Anders ausgedrückt: durch wiederholtes Fragen müssen die Kinder Entscheidungen treffen, für die sie noch gar nicht reif sind. Und die sie im Grunde gar nicht treffen wollen.


Führung und Diskussion

Ein gleichberechtigtes Miteinander von Eltern und Kindern gibt es nicht. Zumindest nicht in den ersten Jahren. Die Eltern tragen die Verantwortung und haben letztlich das Sagen. Gleichberechtigung würde im Übrigen auch bedeuten, dass Kinder nicht nur die gleichen Rechte, sondern auch Pflichten und das gleiche Maß an Verantwortung übernehmen müssen. Eine geradezu absurde Vorstellung. Beteiligt werden muss das Kind aber dennoch, um sich gut entwickeln zu können:

  • Kinder sind von Natur aus gehorsame Wesen, das hat der Schweizer Kinderarzt und Entwicklungsforscher Remo Largo herausgefunden. Das bedeutet aber nicht, dass Kinder demütig wären, vielmehr orientieren sie sich am Verhalten der Eltern und wollen sich von ihren Bezugspersonen leiten lassen. Es ist also nicht verwerflich, Entscheidungen ohne Diskussionen zu treffen. Oft ist diese Klarheit genau das, was Kinder brauchen.
  • Es gibt aber auch Entscheidungen, die besprochen werden müssen. Bestimmte Regeln oder Verbote haben einen tieferen Sinn und sollten nicht allein für sich stehen. Wenn das Kind durch nachvollziehbare Argumente an einer Entscheidung beteiligt wird, kann es sie auch leichter akzeptieren.


Wer A sagt, muss auch B sagen

Sicher, eine Binsenweisheit. Doch in der Erziehung ganz besonders wichtig, wenn es um das Durchsetzen von Konsequenzen geht. Das Problem in vielen Familien sind Ankündigungen, die im Sande verlaufen. Kinder müssen auch unangenehme Dinge machen, sie müssen Leistung in der Schule bringen und anderen Verpflichtungen nachkommen. Sie mit Belohnungen zu motivieren, ist keinesfalls falsch, allerdings ist es zuweilen auch notwendig, ein Selbstverständnis für Pflichten zu entwickeln. In diesen Fällen sind Belohnungen nicht der beste Weg, weil das Kind den Eindruck gewinnt, für etwas eigentlich Selbstverständliches belohnt zu werden. Naturgemäß funktioniert das aber nicht immer. Daher kann es unausweichlich sein, Konsequenzen anzukündigen, wenn etwas nicht läuft. Die müssen dann aber auch eingehalten werden. Wer sie ankündigt und dann nicht in die Tat umsetzt, hat ein gravierendes Problem mit der Glaubwürdigkeit. Es ist wie mit einem Schiedsrichter, der gelbe und rote Karten androht, aber nie zieht. Irgendwann hat er das Spiel nicht mehr im Griff.


Die Höchststrafe: Geh mir aus den Augen

Liebesentzug ist die Höchststrafe für Kinder. Meist ist sie die Folge der eigenen Hilflosigkeit. Wenn den Eltern nichts mehr einfällt, wenn sie das Gefühl haben, dass alle Versuche nichts gebracht haben, dass alles versucht wurde, können sie in eine gewisse Lethargie verfallen. Die kann dazu führen, dass sie ihr Kind ignorieren oder ihm im schlimmsten Fall sogar sagen, dass sie es nicht mehr sehen wollen. Neben Schlägen gehört diese Form von Liebesentzug sicher zu dem Schlimmsten, was man einem Kind antun kann.

Wie fließend die Grenzen sind, zeigt das Beispiel des Ignorierens. Das kann dauerhaft traumatische Folgen für das Kind haben. Kurzfristig angewendet ist das Nicht-Beachten aber durchaus sinnvoll. Zum Beispiel, wenn das Kind einen Wunsch dadurch durchsetzen will. Einen Wunsch, der jedoch nicht erfüllt wird. Und zwar ohne Diskussion.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de