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25 Oktober, 2017 - 22:56
 

Studie zum Erfolg im Leben: Frustrationstoleranz wichtiger als Intelligenz

Wie intelligent ist mein Kind? Ist es schlau genug, um die Tücken des Lebens zu meistern? Liegt womöglich eine Minderbegabung vor? Meist stellt sich diese Frage, wenn es in der Schule zu Problemen kommt. Reflexartig wird zunächst untersucht und durchdacht, ob die intellektuellen Fähigkeiten des Kindes ausreichen. Doch eine Studie hat gezeigt, dass der Frustrationstoleranz eine ganz entscheidende Rolle zukommt.

© Köpenicker - Fotolia.com

Schule ist ein ebenso weites und komplexes Feld wie das Berufsleben. Viele Faktoren entscheiden über Erfolg oder Misserfolg eines Menschen. Zwar gibt es heutzutage zahlreiche konstruktive Ansätze, wenn es darum geht, Problemursachen auf die Spur zu kommen. Doch in vielen Fällen wird zunächst fehlende Intelligenz angenommen, wenn es in der Schule nicht rund läuft. Eine Langzeit-Studie hat ergeben, dass die Priorität aber gar nicht bei der Intelligenz liegt, sondern beim Umgang mit Frustration.


Marshmallows für den Erfolg

Was Marshmallows mit Erfolg zu tun haben? Um diese Frage zu beantworten, ist eine Reise in die 1960er Jahre nötig. Damals hatte ein deutscher Psychologe für Aufsehen gesorgt, als er Kindern innerhalb einer Langzeitstudie Marshmallows anbot. Allerdings mit einer kleinen Aufgabenstellung. Er versprach ihnen gleich noch eine weitere Köstlichkeit, vorausgesetzt, sie waren in der Lage und willens, ein bisschen zu warten, bis der Genuss einsetzen konnte. Jahre später fand der Psychologe heraus, dass die Kinder – inzwischen zu 27-jährigen Erwachsenen gereift – die in der Studie in der Lage gewesen waren, etwas zu warten, weniger Anfälligkeit für Drogenprobleme zeigten und im Beruf erfolgreicher waren, als die Kinder, die sich ungeduldig gezeigt hatten. Ist damit die Formel des Erfolgs gefunden?


Ich will, ich will, ich will!

Bei Kleinkindern ist es völlig normal und gehört zum Entwicklungsprozess. Sie wollen, wenn sie etwas haben wollen, dass dies sofort geschieht. Nach und nach lernen die Kinder, dass sofort eben nicht immer möglich ist. Spätestens bis zur Einschulung sollte ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz erreicht sein. Damit tun sich einige Kinder leichter, andere schwerer. In jedem Fall ist die Hilfe der Eltern nötig, um den Umgang mit Geduld zu lernen. Versäumen Eltern hier die wichtige Begleitung – zum Beispiel aus falsch verstandenem Verständnis für die Bedürfnisse des Kindes oder aus Bequemlichkeit - kommt es unweigerlich zu Schwierigkeiten. Auch in der Schule, denn wenn Aufgabenstellungen nicht sofort verstanden werden oder sich Probleme bei den Hausaufgaben ergeben, kann das Kind im schlimmsten Fall schnell „die Flinte ins Korn werfen“.


Mut versus Frust

Der Umgang mit Enttäuschungen ist eine wichtige Kompetenz, die Kinder im Laufe der Zeit aufbauen müssen. Neben Einfühlungsvermögen und Konfliktfähigkeit steht die Frustrationstoleranz ganz oben auf der Liste der sozialen Fähigkeiten, die für Kinder im Laufe des Lebens immer wichtiger werden. Denn wer eine hohe Frustrationstoleranz hat, geht mit Niederlagen, Probleme und Widerständen gelassener um. Ist die Frustrationstoleranz dagegen gering, setzen schnell Entmutigung und Resignation ein. Bei Kindern zeigt sich das oft in unkontrollierten Wutausbrüchen. Bei Erwachsenen dagegen werden depressive Ansätze oder Abhängigkeitsprobleme sichtbar.


Wann wird es ernst?

Kinder testen Grenzen aus, das ist nur natürlich und gewünscht. Allerdings müssen sie dabei auch erkennen, dass es diese gibt. Wenn kleine Aufgaben wie das Abräumen des Tisches oder das Ordnung schaffen auf dem Schreibtisch regelmäßig zu „Ich hab' aber keinen Bock!“ führt, sind Eltern gut beraten, sich auf dieses Spiel nicht mit Endlosdiskussionen einzulassen. Denn das Kind wird dadurch regelrecht konditioniert. Gemäß dem Motto „Wenn ich mich weigere, habe ich keine Verpflichtungen“ wird der Nachwuchs die Methodik ausbauen und auf immer mehr Lebensbereiche übertragen. Allerdings geht es hier nicht darum, jeden kleinen Konflikt als umfassende Störung darzustellen. Man sollte nur wissen, welches Risiko man eingeht, wenn man die Wünsche des Kindes immer an die erste Stelle rückt. Gut abzusehen ist das beispielsweise am Spielen mit anderen Kindern. Wenn das nur so lange funktioniert, wie die Wünsche des eigenen Kindes erfüllt werden, ist etwas – zumindest – schief in der Entwicklung.


Ein hoher Prozentsatz Frustrationstoleranz

Der Psychologe Daniel Goleman sagte in einem Gespräch mit „DER SPIEGEL“ schon vor 20 Jahren, dass die Intelligenz nur zu 20 Prozent über den Erfolg entscheidet. Die verbleibenden 80 Prozent schreibt er anderen Faktoren zu, zum Beispiel den Verhältnissen im Elternhaus und sozialen und emotionalen Fähigkeiten. Und auch Professor Klaus Hurrelmann sieht Gefahren, wenn die Frustrationstoleranz zu gering ausgeprägt ist. Hurrelmann erkennt darin „die Ursache für die immense Zunahme an psychosomatischen Störungen wie Verdauungsproblemen, Kopf-, Magen- und Rückenschmerzen bis hin zu Depressionen und Suizidversuchen.“ Außerdem spricht er von „„mangelhaftem Bewältigungsverhalten“.


Was tun?

Dramatisieren muss man wahrlich nicht. Aber die Frustrationstoleranz „unter den Tisch fallen“ zu lassen, wäre ebenfalls der falsche Weg. Einige Dinge helfen, eine gesunde Gelassenheit beim Kind aufzubauen:

  • Teilen Sie Ihrem Kind nach und nach kleine Aufgaben zu. Diese müssen nicht groß sein, die Erfüllung dieser Verpflichtung ist aber kein Diskussionsthema.
  • Erfüllen Sie Ihrem Kind nicht jeden Wunsch. Das kann oft stressig werden oder zu strengen Blicken anderen Menschen im Supermarkt führen. Bleiben Sie dennoch konsequent.
  • Spielen Sie Gesellschaftsspiele mit Ihrem Kind. Und verzichten Sie möglichst auf Änderungen der Spielregeln, um dem Nachwuchs die Enttäuschung zu ersparen. Niederlagen gehören zum Leben, durch Spiele wird das auf leichte Art deutlich.
  • Seien Sie ruhig einmal kritisch. Wenn das Bild zum Geburtstag von Oma in zwei Minuten hin gekritzelt wurde oder die Schwester keine Süßigkeiten abbekommt, obwohl sie immer mit dem Bruder teilt, darf (und sollte) das Kind wissen, dass das nicht in Ordnung ist.


Nicht weniger wichtig: Bestärken Sie Ihr Kind positiv! Es soll zwar lernen, dass nicht immer alles und jeder nach seiner Pfeife tanzt. Doch dass Ihr Kind ein toller und liebenswerter Mensch ist, ist immer noch das Wichtigste! Dann klappt es auch mit der Frustrationstoleranz.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de