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21 Mai, 2017 - 22:16
 

Vater und Tochter, Mutter und Sohn - warum diese Beziehungen so besonders und besonders wichtig sind

Mamasöhnchen, Papatochter – diese Überkreuzkonstellationen kennt jeder, von der eigenen Familie oder im Freundeskreis. Mitunter entwickeln Kinder ganz besondere Vorlieben für einen Elternteil und oft kommt es dabei zur Überkreuzung der Geschlechter. Wichtig sind diese Beziehungen allemal – wenn auch nicht immer einfach!

© contrastwerkstatt - Fotolia.com

Auch wenn Ödipuskonflikt und Elektrakomplex in der Psychoanalyse längst als überholt gelten – das Hingezogensein zum andersgeschlechtlichen Elternteil hat seine Gründe wie auch seine Berechtigung. So oder so, diese Beziehungen bringen einige Herausforderungen für Eltern mit, nicht zuletzt der Kampf gegen die Eifersucht auf den anderen Elternteil. Meist ist diese Fixierung nur eine Phase und das ist auch gut so! Denn als Dauerzustand kann aus dem mamafixierten Sohn ein Muttersöhnchen werden, der wiederum als Erwachsener Probleme in Paarbeziehungen bekommt.


Ödipus und Elektra – die alten Konzepte von Sigmund Freud

Den Ödipuskomplex kennt jeder – mindestens aus Loriots „Ödipussi“ - sein Gegenstück der Elektrakomplex ist weniger bekannt. Begründet hat diese entwicklungspsychologische These der Psychoanalytiker Sigmund Freud. Er beschrieb mit diesen Konzepten die Theorie, dass der andersgeschlechtliche Elternteil zwangsläufig und triebhaft zur ersten großen Liebe wird. Auch deutliches sexuelles Begehren – im altersgerechten und ganz unbewussten Rahmen – schrieb er den Kindern zu. Der gleichgeschlechtliche Elternteil wird nach diesem Prinzip gleichzeitig zum Rivalen, gegen den das Kind dann Eifersucht bis hin zum Hass empfindet. Auch wenn diese Theorien in ihrer Grundidee längst als überholt gelten, bleibt die Tatsache bestehen, dass Kinder oft zum gegengeschlechtlichen Teil der Eltern hingezogen werden. Diese Beziehungen können sehr eng werden. Wie eng und welche Folgen das für den Familienverbund hat, bestimmen auch die betroffenen Elternteile.


Töchter und Väter – die erste große Liebe

In Anlehnung an den Elektrakomplex sehen Mädchen in Ihrem Vater einen Gegenpol zu sich selbst und damit wird Papa doppelt interessant. Während die Mutter zum Teil Konkurrenzgefühle auslösen kann, ist dies beim Papa so gar nicht der Fall. Dies gilt insbesondere dann, wenn er wie so viele Väter, seine Tochter bedingungslos und nahezu abgöttisch liebt. Wird die Mutter in die Rolle der Erzieherin und Regulantin gedrängt, kann sich der Fokus der Tochter zusätzlich auf den Vater richten. Väter faszinieren ihre Töchter oft einfach durch die gefühlte Andersartigkeit, aber häufig auch deswegen, weil sie in vielen Fällen seltener anwesend und deshalb etwas Besonderes sind. In der Psychologie hat der Vater die Aufgabe, sein Kind aus dem Gefühl in die Welt der Logik zu führen. Väter sind die Felsen in der Brandung und starke Beschützer, während bei der Mutter Trost und Zuwendung zu finden sind.


Mütter und Söhne – Jungs auf der Suche nach Nähe

Häufig sind laut Ansicht vieler Psychologen die Mütter selbst das treibende Element, um eine enge Bindung zu schaffen. Jungen werden länger gestillt und mehr bekuschelt als Mädchen, so das Ergebnis verschiedener Studien. Jungs genießen das, sie mögen es, aus ihrer Rolle auszusteigen und nicht „ihren Mann stehen“ zu müssen. Auch heute noch in Zeiten moderner Erziehung ist dies ein häufiges Vorbild, das sich Jungs von männlichen Bezugspersonen abgucken. Gerade ein strenger Vater oder die Anforderung stark zu sein, treibt die Jungs mitunter zurück an Mamas „Rockzipfel“.  


Muttersohn und Vatertochter als Erwachsene

Wird die enge Überkreuzbeziehung von Elternteil und Kind nicht gelöst, dann entsteht das, was wir in der Umgangssprache Muttersöhnchen oder Papatochter nennen. Wird diese Verbindung dauerhaft aufrechterhalten, dann entfällt die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht, die nun einmal eng an den gleichgeschlechtlichen Elternteil gebunden ist. Einfach gesagt: Es fehlt die Orientierung an entsprechenden Vorbildern. In Beziehungen zwischen Erwachsenen kann daraus eine Vielzahl von Problemen entstehen, enttäuschte Erwartungen und schließlich eine beziehungszerstörende Abwärtsspirale sind die Folge. Damit es nicht soweit kommt, ist eine rechtzeitige Abnabelung wichtig. Beide Elternteile müssen im Leben eines Kindes eine wichtige Rolle spielen. Deshalb sollten Eltern, selbst wenn ein Kind sich zu einem Elternteil besonders hingezogen fühlt, die Erziehungsaufgaben und die Zeit mit dem Kind möglichst gleichmäßig aufteilen und auch zusammen Vorbild als erwachsenes Paar sein. Wichtig ist, dass auch das weniger beliebte Elternteil regelmäßig etwas allein mit dem Kind unternimmt, um das Verständnis füreinander und den Zusammenhalt zu stärken.
 
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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