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29 Juni, 2016 - 10:08
 

Was wirklich wichtig ist – So finden Eltern ihren eigenen Erziehungsstil

Das Internet ist voll von Erziehungsratgebern und –konzepten, im familiären Umfeld werden frischgebackene Eltern ebenfalls mit guten Ratschlägen zum Thema Erziehung bombardiert. Die vielen gutgemeinten Ratschläge verstellen oft den Blick auf das Wesentliche, nämlich den eigenen Erziehungsstil, mit dem sich die ganze Familie wohlfühlen kann.

© nyul - Fotolia.com

Ganz automatisch übernehmen Eltern häufig erst einmal den Erziehungsstil, der an ihnen selbst praktiziert wurde. Nach und nach wird den meisten Eltern klar, dass sie bei ihrem eigenen Kind so einiges anders machen möchten. Dennoch sollte man nie vergessen: Die Erfahrungen der eigenen Eltern sind wertvoll und längst nicht alles, was in der eigenen Kindheit als angemessene Erziehung galt, ist heute falsch.


Erziehungsstile heute – die Auswahl ist groß

Früher gab es einen Konsens in den meisten Familien: Die Kinder wurden in der Regel autoritär und mit mehr oder weniger großer Härte und Strenge erzogen, Strafen gehörten zur Erziehung ganz selbstverständlich dazu. Heute sind eine Menge Erziehungsstile im Angebot. Der von vielen favorisierte autoritative Erziehungsstil lässt ungemein viel Spielraum und fordert die Eltern zum verantwortlichen Handeln auf. Da allgemeingültige Werte immer seltener werden, muss jede Familie eine eigene Auswahl treffen. Diese Situation setzt sich in der allgemeinen Wahlfreiheit fort, der unsere Kinder heute ausgesetzt sind. Eine Vielzahl von Entscheidungsmöglichkeiten steht uns allen zur Verfügung. Dies betrifft den Einkauf im Supermarkt ebenso wie Schulwahl oder Lebenskonzept. So konsequent wie früher geht es heute nirgendwo mehr zu. Diese Freiheit überfordert viele Eltern und damit auch die Kinder.


Welche Werte sind wichtig?

In früheren Zeiten wurden die Werte der Eltern an die Kinder weitergegeben – ohne große Erklärungen und Diskussionen. Kindern wurde die elterliche Meinung aufgezwungen, weder die Eltern selbst noch die Kinder kamen auf die Idee, diese Meinung und die damit weitergereichten Werte zu hinterfragen. Heute dürfen und sollen Kinder kritisch sein und zwar auch, wenn es um die Eltern geht. Diese neue Entwicklung fordert uns Eltern auf, über unsere eigenen Motivationen nachzudenken, denn unsere Kinder wollen Erklärungen und diskutieren. Gut so, denn dadurch profitieren wir ungemein und finden selbst zu einer klaren Meinung und einer stabilen und ehrlichen Einstellung.


Seien Sie authentisch!

Erziehung ist kein starres Konzept, das über jedes Kind gestülpt werden kann. Erziehung heute setzt auf Kompromisse zwischen dem, was wir selbst gelernt haben und den neuen Werten in der Kindererziehung, die heute als richtig und wichtig angesehen werden. Nur Eltern, die sich über diese Diskrepanz im Klaren sind und einen für sie gangbaren Mittelweg finden, sind überzeugend und damit authentisch. Das kommt auch bei den Kindern an. Um diese Authentizität zu entwickeln, braucht es die innere Überzeugung von der eigenen Kompetenz. Sie müssen nicht perfekt sein, um gut und unersetzlich zu sein.

Früher entstand Authentizität durch unerschütterliche Überzeugungen, nur deshalb hat der oft so gefühllos wirkende autoritäre Stil überhaupt so gut funktioniert. Unsere Eltern wirkten oft allein deshalb authentisch, weil sie nicht groß über das nachdachten, was sie uns Kindern übermittelten. Das ist auch heute noch oft festzustellen, zumindest wenn sich die Großeltern nicht krampfhaft auf den Erziehungsstil der Eltern einschießen wollen, sondern ihre eigenen Wege gehen – als Kompromiss zwischen ihren Überzeugungen und den Erziehungsregeln, denen die Enkel gehorchen sollen.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de