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8 Oktober, 2014 - 12:11
 

Wenn der Vater fehlt – wie Mädchen sich entwickeln

Väter haben ebenso wie Mütter einen großen Einfluss darauf, wie Kinder sich entwickeln. Fehlt der Vater als männliche Bezugsperson, dann fehlt auch ein wichtiger Orientierungspunkt – gerade auch für Mädchen. Eine Studie hat ergeben, dass deren Pubertät früher beginnt. Warum das so ist, weiß man allerdings noch nicht.

© Halfpoint - Fotolia.com

Kinder werden in ein System hineingeboren, in das Familiensystem. Dieses besteht erst einmal aus Eltern und Kindern, hinzu kommen weitere nähere Verwandte wie die Großeltern, Onkel und Tanten. Fehlt ein Teil der Kernfamilie, fehlt ein Teil des Systems und das bleibt nicht ohne Folgen. Der Vater mit seinen ganz speziellen männlichen Eigenschaften und Aufgaben bildet den Gegenpol zu der eher weichen und emotionalen mütterlichen Liebe und Sorge. Zwischen diesen Polen befindet sich das Kind in einem Spannungsfeld, das Raum und Möglichkeiten zur Entwicklung bietet.

 


Abwesende Väter und ihr Einfluss auf die körperliche Entwicklung von Mädchen


Eine Studie in den USA hat ergeben, dass Mädchen, die ohne Vater aufwachsen, früher in die Pubertät kommen. In der Studie wurden 444 Mädchen zwei Jahre lang beobachtet. Der Grund dafür liegt im Bereich der Spekulation. So wird vermutet, dass der Drang erwachsen und selbstständig zu werden sich bei vaterlos aufwachsenden Mädchen verstärkt. Eine weitere These ist, dass Mädchen ohne Vater mehr Kontakt zu erwachsenen Männern aufnehmen. Die Folge davon sind Pheromonduschen, die sich wiederum auf den Hormonhaushalt der Mädchen auswirken. Hier finden Sie die gesamte englischsprachige Studie.

 


Ein Loch im System – Wenn der Vater fehlt


Schaut man sich einmal an, welchen Stellenwert ein Vater für seine Tochter hat, so wird leicht klar, dass sein Fehlen Auswirkungen hat, haben muss: Ein erwachsener Vater gibt der Tochter einen starken Rückhalt, er lebt mit ihr ihre körperlichen Aspekte durch Toben und Rangeln aus, er ist Prüfstein und Sparringspartner in der Pubertät. Außerdem – und das ist besonders wichtig, bringt er seiner Tochter bei, ihre Gefühle zu regulieren, er hilft ihr, ihren Verstand und ihr Ego zu schulen und unter Kontrolle zu behalten. In Familien, in denen der Vater fehlt, können sich Mädchen oft nicht in ihre Geschlechterrolle einfinden, sie sind deshalb im Umgang mit Männern später häufig unsicher oder fühlen sich sogar immer ein wenig unwohl. Im Verständnis der Familien- und Systemaufstellung, einer noch vergleichsweise jungen Möglichkeit, die Bedingungen des eigenen Lebens zu verändern, wird das Fehlen eines Vaters als Ursache für viele Leiden im erwachsenen Leben einer Frau angesehen. Es fehlt ein Stück Sicherheit im Leben, es fehlt etwas, das viele Frauen gar nicht benennen können. Das kann zu Schwierigkeiten innerhalb von Beziehungen bis hin zur Beziehungsunfähigkeit führen. Gelöst werden können Probleme dieser Art häufig nur durch eine Therapie.

 


Abwesenheit ist Liebesentzug


Für kleine Kinder ist die Welt noch einfach: Wer da ist, liebt mich, wer nicht da ist, liebt mich nicht. Das kann schon zum Problem werden, wenn der Vater nur ein Wochenendvater ist, dramatisch fühlt sich für das Kind die Situation an, wenn der Vater ganz und gar fehlt oder es ihn nur in sehr großen Abständen sieht. Wächst also ein Mädchen ohne Vater auf, wächst es mit dem Bewusstsein auf, dass er sie nicht liebt – ganz gleichgültig, wie die Realität aussieht. Dieses Bewusstsein ist tief verankert und spiegelt sich wiederum in den späteren Beziehungen zu Männern wieder: Die Abwesenheit führt zwangsläufig zu dem Gefühl, nicht geliebt zu werden.

 


Kann der fehlende Vater ersetzt werden?


Geht die Mutter eine Partnerschaft mit einem anderen Mann ein oder gibt es im näheren Familienfeld männliche Bezugspersonen, die häufig in Kontakt mit Mutter und Tochter sind, kann dies zum Teil das Fehlen des Vaters ersetzen. Aber eben nur zum Teil – zwar lernen Mädchen dann, sich in ihre Geschlechterrolle einzufinden, das Gefühl, von einem Vater umfassend geliebt zu werden, fehlt ihnen meist dennoch. Denn der Vater ist einzigartig und niemand kann ihn vollständig ersetzen.


Als Appell an alle Väter, die auf den Kontakt mit ihrer Tochter verzichten, aber auch an alle Mütter, die den Kontakt verhindern, lässt sich nur sagen: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Tochter die Chance hat, eine intensive Bindung zu Ihrem Vater aufzubauen und die Gelegenheit, Zeit mit ihm zu verbringen, um viele wichtige Dinge fürs spätere Erwachsenenleben zu erfahren und zu lernen.
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de