Skip to main content

Suche

23 März, 2016 - 09:42
 

Wenn Kinder klammern

… kann das verschiedene Gründe haben. Einigen Kindern fehlt das so wichtige Urvertrauen, andere haben in früher Kindheit Verluste erlitten, bei wiederum anderen ist kein klarer Grund erkennbar. Der Umgang mit einem Klammerkind stellt Eltern vor eine große Herausforderung.

© Cello Armstrong - Fotolia.com

Die meisten Kinder beginnen im Alter von 7 Monaten zu entdecken, dass sie von der Mutter unabhängige Wesen mit eigenen Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten sind. Mit dieser Erkenntnis beginnt der Weg in die Selbstständigkeit. Allerdings gibt es auch Kinder, die anders sind: Sie klammern sich vom ersten Tag ihres Lebens an die Mutter und sind auch später noch übermäßig anhänglich.


Wenn das Urvertrauen fehlt

Damit ein Kind Sicherheit in emotionale Bindungen und ein grundlegendes Vertrauen in das Leben entwickeln kann, ist das Urvertrauen von entscheidender Wichtigkeit. In den ersten Lebenstagen und –wochen werden hier die entscheidenden Grundlagen gebildet: Die Eltern sind anwesend, lieben und umsorgen das Kind und erfüllen sein Bedürfnis nach Nahrung, Wärme und Körperkontakt. Das Kind lernt in dieser Zeit: Das Leben ist gut zu mir und ich kann darauf vertrauen, dass für mich gesorgt wird. Allerdings gibt es Situationen, in denen die Vertrauensbildung am Anfang des Lebens gestört wird. Babys, die zu früh oder krank auf die Welt kommen und lange Zeit im Krankenhaus bleiben müssen oder Säuglinge, deren Mutter krank ist oder stirbt, verpassen diese erste Phase leicht und übrig bleibt eine andere Gewissheit: Nämlich die, dass das Leben nicht immer gut ist und emotionale Bedürfnisse nicht wahrgenommen und erfüllt werden. Ähnliche Vorstellungen entwickeln Babys, die vernachlässigt oder gar misshandelt werden und in lieblosen Verhältnissen aufwachsen. Neuere Forschungen und Erfahrungsberichte legen sogar nahe, dass Kinder, die während der Schwangerschaft von ihren Müttern abgelehnt werden, Probleme mit dem Urvertrauen entwickeln.

Wenn das Urvertrauen fehlt, dann hat ein Kind andere, ebenso starke Gefühle. Angst und Unsicherheit bestimmen sein Leben und es sucht dort Schutz, wo es sich trotz allem am sichersten fühlt: nämlich bei der Mutter. Meist sind die Mütter das Ziel des klammernden Kindes. Allerdings liegt dies wohl daran, dass sich in der Regel Mütter noch immer in den ersten Lebensjahren um das Kind kümmern.


Das 24-Stunden-Baby

Manchmal verläuft eigentlich alles normal: Das Kind ist ein Wunschkind und kommt gesund und pünktlich zur Welt, die Eltern haben die Schwangerschaft genossen und freuen sich auf den Familienzuwachs. Das Baby, das geboren wird, hat trotzdem scheinbar extreme Verlustsängste: Es schreit ununterbrochen, außer es ist ganz nah bei der Mutter und hat möglichst engen Körperkontakt. Warum Babys dieses Verhalten entwickeln ist manchmal nicht nachvollziehbar und die Belastung für die Eltern, insbesondere für die Mutter, ist groß, denn sie kann kaum einen Schritt ohne das Baby tun und das 24 Stunden täglich. Dieses extreme Klammerverhalten dauert oft bis ins dritte oder vierte Lebensjahr hinein. Oft entwickeln Kinder, die in ihrem Bedürfnis nach 100%-iger Nähe nicht geachtet werden, psychische Störungen. Sie werden fast autistisch, verweigern teilweise sogar das Essen und beginnen, sich zurück zu entwickeln. Durchstehen Eltern diese Zeit und erfüllen das kindliche Bedürfnis, verschwindet es irgendwann allmählich und aus dem ehemaligen Klammeraffen wird ein aufgewecktes und kontaktfreudiges Kind.


Klammern bei Kleinkindern

In seiner Entwicklung durchläuft ein Kind einige Phasen, in denen es sehr anhänglich ist. So tritt zum Beispiel mit etwa sechs Monaten die Fremdelphase auf, in der alle Personen, die nicht zur engen Familie gehören, ängstlich abgelehnt werden. Wenn diese Phase etwa im Alter von 18 Monaten endet, werden die Kinder wieder aufgeschlossen und kontaktfreudig. Auch später kommt es wieder zu Abschnitten, in denen das Kind viel Nähe und Zuneigung braucht, doch je älter es wird, desto unabhängiger wird es von den Eltern.

Doch manche Kinder sind anders. Sie bleiben bis ins Kindergartenalter hinein ängstlich und schüchtern und weinen, wenn die enge Bezugsperson (dies kann Mutter oder Vater sein), auch nur den Raum verlässt. Andere Kinder entwickeln sich scheinbar ganz normal und werden plötzlich zu Klammerkindern. Verständlich, dass Eltern sich so oder so Gedanken machen, was denn mit ihrem Kind nicht stimmt. Besonders dann, wenn das Klammern plötzlich und ohne ersichtlichen Grund auftaucht, sollten Sie hellhörig werden. Hatte Ihr Kind ein traumatisches Erlebnis, dass das Klammern verursacht hat? Ist dies der Fall und dauert die Klammerphase Ihres Kindes über längere Zeit an, sollten Sie sich professionelle Hilfe im Kindergarten oder bei einer Familienberatungsstelle suchen.


Umgang mit dem Klammerkind

Eltern sollten sich über eines im Klaren sein: Übermäßige Anhänglichkeit ihres Kindes ist ein Bedürfnis des Kindes, das es befriedigen muss. Sie sollten nicht auf den Gedanken kommen, dass Ihr Kind Sie ärgern oder kontrollieren will. Es sucht nach Halt und Sicherheit und wählt dazu natürlich Sie als Eltern. Sie sind die engsten Bezugspersonen Ihres Kindes und es ist darauf angewiesen, dass Sie es beschützen. Die Erfahrung zeigt, dass Bedürfnisse von Kindern, die ausreichend erfüllt wurden, ganz von selbst verschwinden. Ein Kind, das die Nähe seiner Eltern braucht und deshalb lange zusammen mit ihnen im Bett verbringt, wird irgendwann in sein eigenes Bett verschwinden. Kinder, die sich bis ins Kindergartenalter hinein durch die Gegend tragen lassen, werden irgendwann selbst laufen und auch anhängliche Kinder, die die elterliche Nähe übermäßig nötig hatten, werden sich irgendwann lösen.

Der gute Rat ist: Erfüllen Sie die Bedürfnisse Ihres Kindes, denn wenn Sie es nicht tun, dann erfährt Ihr Kind von Ihnen Ablehnung und Abweisung – und das verstärkt die Anhänglichkeit nur und führt zu starken Bindungsproblemen. Kinder, die weinend im Kindergarten zurückgelassen werden (und dort stundenlang weiterweinen), Kinder, denen der Körperkontakt verwehrt wird, weil es gar zu dicht an Sie heranrückt, fühlen sich verlassen und ungeliebt. Allerdings sollten Sie dafür sorgen, dass Ihr Kind mehr als eine enge Bezugsperson hat. Denn jeder braucht mal eine Pause. Selbst wenn Ihr Kind unzufrieden ist, weil die so wichtige Mama mal eben allein unter die Dusche oder zum Einkaufen geht, wird es das schadlos überstehen – wenn Sie als Vater für es da sind und ihm zeigen, dass es nicht allein ist und geliebt wird.



Zum Weiterlesen:


http://www.hallo-eltern.de/m_baby/Entwicklung-Baby-selbststaendigkeit.htm

 

Vaterfreuden auf Facebook   Vaterfreuden auf Twitter
Artikel bewerten
 

Autor

Redaktion Vaterfreuden.de