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8 Dezember, 2015 - 18:14
 

Wie aus geliebten Kindern Narzissten werden – und wie Eltern gegensteuern können

Die bedingungslose Liebe zum Kind wird in Erziehungsratgebern häufig als ein hohes Ziel und eine Grundbedingung für die gesunde kindliche Entwicklung dargestellt. Das ist auch richtig. Allerdings muss diese Zuwendung mit dem entsprechenden Maß an Grenzen versetzt sein, damit aus dem geliebten Kind kein narzisstischer Egoist wird.

© pololia - Fotolia.com

Ein übersteigertes Selbstwertgefühl, mangelnde Empathie und ein großer Hunger nach Aufmerksamkeit sind nur einige Eigenschaften, die einen Narzissten charakterisieren. Im schlimmsten Fall werden diese Merkmale als narzisstische Persönlichkeitsstörung klassifiziert. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn es zu richtigen Anpassungsstörungen kommt. Wie Ihr Kind zum Narzissten werden kann und wie sie das wirksam verhindern, erklärt der folgende Artikel.


Jedes Kind ist ein Narzisst!

Liest man die Definition von Narzissmus, dann kommt man leicht auf die Idee, dass im Grunde genommen jedes Kind ein kleiner Narzisst ist:

  • Stellt die eigenen Bedürfnisse über die aller anderen.
  • Wirkt egoistisch und selbstverliebt.
  • Braucht Aufmerksamkeit und Bewunderung.
  • Zeigt mangelndes Verständnis und Empathie.
  • Nutzt andere aus, um eigene Ziele zu erreichen.

Was beim Kind jedoch eine natürliche Entwicklungsphase im Zuge der Ich-Bildung ist und bei einer angemessenen Erziehung nach und nach durch Verständnis und Empathie ersetzt wird, ist beim Erwachsenen unerträglich und kann im schlimmsten Fall pathologische Züge annehmen. Entwicklungsforscher vermuten, dass vorwiegend die Erziehung zum sogenannten Alltagsnarzissmus führt. Verschiedene Ansätze nennen hier unterschiedliche Wirkungen, die bestimmte Erziehungsmethoden und fehlende Grenzen auf Kinder haben.

Die Forschung steckt im Grunde noch in den Kinderschuhen, dennoch haben sich aufgrund der bisher gesammelten Daten zwei Varianten des Narzissmus gezeigt: Ein nach außen getragener Narzissmus entsteht in der Regel durch ein zu großes Verwöhnen durch die Eltern und fehlende Grenzen. Der versteckte oder auch verletzliche Narzissmus ist auf ein Elternhaus zurückzuführen, dass emotional stark kontrolliert und/ oder manipuliert.


Wer angebetet wird, hält sich für Gott

Die Persönlichkeit eines Kindes entwickelt sich aus Erfahrungen, Erfolgen und Niederlagen. Aus Frustration und Scheitern bezieht es sein Selbstbewusstsein, lernt aber auch seine eigenen Grenzen kennen. Grenzen gibt es auch im Außen, das Kind lernt, sich zurückzunehmen, seine eigenen Bedürfnisse auch einmal zurückzustellen. Wird diese Entwicklung mit viel positiver Verstärkung und emotionaler Sicherheit gekoppelt, dann entstehen selbstbewusste Menschen, die ihren eigenen Wert und ihre Stärken kennen und schätzen.

Ganz anders verläuft die Entwicklung, wenn dem Kind jede Anstrengung und Enttäuschung abgenommen wird. Es lernt: Ich bin der Größte, denn seine Eltern bestätigen ihm das jederzeit und immer wieder. Da es keine eigenen Erfahrungen seiner Stärke machen darf – die Eltern nehmen ihm ja alles ab - ist es stets darauf angewiesen, Bestätigung von außen zu erhalten. Es lernt, diese auch später immer wieder einzufordern und gleichzeitig sich selbst durch ein unfehlbares Selbstbild zu bestätigen. Naturgemäß müssen alle anderen Informationen von außen stoisch ignoriert werden. Das führt zu mangelnder Empathie als Schutzhaltung, Schwierigkeiten werden umgangen oder einfach nicht wahrgenommen. Dringt doch so etwas wie Kritik durch die eigene gottähnliche Selbstwahrnehmung, dann ist die Reaktion extrem und überempfindlich. Das ist auch kein Wunder, denn das Selbstwertgefühl des Narzissten ist lediglich eine Fassade, die kaum auf echte Erfolgserlebnisse und Erfahrungen aufbaut.


Können Eltern zu sehr lieben?

Die abgöttische Liebe von Eltern, die im schlimmsten Fall einen Narzissten hervorbringt, sollten Sie keinesfalls mit der emotionalen Wärme und Zuneigung verwechseln, die für das Kind lebensnotwendig ist. Sie können Ihr Kind nicht zu sehr lieben, sondern nur Liebe falsch verstehen. Denn die Aufgabe der Eltern ist es – aus Liebe – ihrem Kind alles beizubringen, was es als Erwachsener im Leben und im Umgang mit anderen Menschen braucht. Dazu gehören auch Grenzen und manchmal sogar Sanktionen. Werden diese jedoch im Bewusstsein der Verantwortung gesetzt, die man für seine Kinder trägt - und im angemessenen Maß - dann entsteht daraus ein selbstbewusster Mensch, der seinen Platz im Leben ohne Schwierigkeiten einnehmen kann.

 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de