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25 Oktober, 2016 - 07:28
 

Zwischen Festhalten und Loslassen - Kinder zur Selbständigkeit erziehen

Wir alle wollen, dass unsere Kinder im Leben gut klarkommen. Das gilt jetzt genauso wie später. Die Erziehung zur Selbständigkeit ist ein wichtiger Aspekt, allerdings müssen Eltern das richtige Maß finden. Zuviel Selbständigkeit überfordert Kinder, zu wenig davon macht es ihnen schwer, sich im Leben gut zurechtzufinden.

© S. Rae - Fotolia.com

Selbständigkeit muss ein Kind in kleinen und altersgerechten Schritten lernen und die Eltern müssen wachsam und bewusst vorgehen. Denn wenn von einem Kind ein hohes Maß von selbständigem Handeln verlangt wird, muss es gleichzeitig Verantwortung übernehmen – und auch das will gelernt sein.


Warum Loslassen für Eltern so schwierig ist

Gerade Mütter haben damit häufig ein Riesenproblem, aber auch für die Väter ist es nicht leicht: Das Kind muss irgendwann seine eigenen Wege gehen. Das beginnt bereits im Kindergarten, bei einigen Kindern sogar noch früher in der Kinderkrippe oder bei der Tagesmutter. Spätestens im Kindergarten wird den Kleinen auch selbständiges Handeln abverlangt. Für besorgte Eltern ist die Ablösung vom Elternhaus gleichbedeutend mit Gefahr für das Kind. Sie haben Angst, dass ihm etwas passiert, fürchten aber ebenso den Kontrollverlust. Das Kind ist anderen Einflüssen ausgesetzt und könnte sich unabhängig von den Eltern in eine andere Richtung entwickeln. Zumindest im Kindergartenalter ist diese Gefahr äußerst gering, schwingt jedoch bei vielen Eltern als unterschwellige Sorge mit.


Die ersten eigenen Schritte zum selbständigen Handeln

Selbständiges und eigenverantwortliches Handeln schafft gleichzeitig Selbstbewusstsein. Das kennen wir von uns selbst. Fürs Kind gilt dies genauso, allerdings dann, wenn es die ihm übertragenen Anforderungen auch leisten kann. Möglich macht dies eine frühzeitig auf Selbständigkeit orientierte Erziehung durch die Eltern, aber auch im Kindergarten. Dann lernt das Kind ganz von selbst, meist mühelos und spielerisch, sich um seine Angelegenheiten zu kümmern, also selbstständig zu handeln.

Entscheidend ist hier: Welche Kompetenzen kann man dem Kind übertragen? Ein zu großes Maß an Selbständigkeit überfordert das Kind zum einen, da es manche Entscheidungen gar nicht treffen kann. Zusätzlich fehlen die Grenzen, die die Eltern durch Reglements und bestimmendes Handeln setzen und setzen müssen. Denn ein Kind kann nur insoweit selbständig handeln, als es aus seinem eigenen Erfahrungshorizont schöpfen kann. Selbständiges Handeln bedeutet, eine Situation einzuschätzen und angemessen reagieren zu können.


So werden Kinder selbständig

Damit ein Kind ein selbständig handelnder und denkender Mensch wird, müssen einige entscheidenden Grundvoraussetzungen erfüllt sein. Die Basis bildet eine enge emotionale Bindung zu den Eltern, die Rückhalt und Vertrauen gibt: Auch wenn ich scheitere, werde ich ausgefangen. Dieses sichere Gefühl macht Kinder frei, Entscheidungen zu treffen und gegebenenfalls auch den Mut zum Scheitern zu entwickeln. Denn Kinder lernen über Versuch und Irrtum. Ordnung und Sicherheit im Familienleben tragen weiterhin dazu bei, dass ein Kind sich traut zu handeln, ohne sich vorher Rücksicherung bei den Eltern geholt zu haben. Denn genau das ist es, was Selbständigkeit bedeutet: Eigene Entscheidungen zu treffen, im Vertrauen darauf, dass man selbst kompetent ist und das soziale Umfeld im Notfall zur Seite steht.

Diese Rahmenbedingungen sind neben dem Temperament und der Persönlichkeit entscheidend dafür, wie viel ein Kind sich traut. Als Eltern kann man nun nach und nach die Selbständigkeit, also den Spielraum des Kindes, vergrößern und ihm Verantwortung übertragen.

Um sich selbst zu kontrollieren, sollten Sie immer dann, wenn Sie Ihrem Kind etwas verbieten wollen, weil sie denken, es ist dadurch gefährdet oder überfordert, kurz nachdenken: Kann es das vielleicht selbst? Kann ich es unterstützen, die Aufgabe selbständig zu lösen? Damit helfen Sie Ihrem Kind enorm und unterstützen die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins. Gleichzeitig entlasten Sie sich selbst, denn ein Kind das früh selbständig handelt, braucht in vielen Bereichen weniger Hilfe von Ihnen.


Wie viel Selbständigkeit in welchem Alter?

Wie so oft in der Kindererziehung gilt auch hier: Patentrezepte gibt es nicht. Das Maß an Selbständigkeit, dass man einem Kind zubilligen kann, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie Entwicklungsstufe des Kindes, familiäre Rahmenbedingungen und soziales Umfeld und auch dem eigenen Sicherheitsbedürfnis. Fakt ist, dass Kinder Freiräume brauchen, in denen sie sich entwickeln können und zwar so, dass sie zum einen gefahrlos experimentieren und selbständiges Handeln üben können, zum anderen aber auch gefordert sind, Verantwortung zu übernehmen.

Bei aller Erziehung zur Selbstständigkeit steht im Hintergrund das Vertrauen der Eltern in ihr Kind, aber auch die erforderliche Sicherheit. Wer sich von seinem gesunden Menschenverstand leiten lässt, braucht nur wenig Angst zu haben, sein Kind zu überlasten. Es ist sicher klar, dass ein Einjähriger noch nicht alleine Eis kaufen gehen kann, ein vierjähriges Kind dagegen schon, wenn es dabei nicht gefährliche Straßen überqueren oder durch die halbe Stadt wandern muss, sondern der Eismann gleich um die Ecke ist.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de