22 Juli, 2010 - 13:33
 

Lernstörungen bei Kindern

Meist fällt es erst im Vorschulalter auf: Ihr Kind hat Probleme beim Lesen und Schreiben. Irgendwann fällt dann die Diagnose Legasthenie. Treten Lernschwächen oder sogenannte Teilleistungsschwächen beim Rechnen auf, dann spricht man von Dyskalkulie. Beide Entwicklungsstörungen müssen beachtet und entsprechend therapiert werden.

Legasthenie und Dyskalkulie sind Entwicklungsstörungen im zentralen Nervensystem, die sich auf den Alltag und die schulische Entwicklung des Kindes auswirken. Die Neigung zur Legasthenie wird vererbt. Auslöser der Leistungsschwäche können Einflüsse während der Geburt, etwa durch die Einnahme von Drogen oder Medikamenten oder Infekte der Mutter während der Schwangerschaft sein. Dyskalkulie wird weniger durch Vererbung als vielmehr durch Umweltfaktoren wie ungünstige soziale, familiäre und schulische Bedingungen verursacht.

Legasthenie – Was ist das eigentlich?

Legasthenie äußert sich konkret meist erst im Grundschulalter, in der Vorschulzeit gibt es erste Hinweise. Das Bild der Entwicklungsstörung ist individuell: Während einige Kinder verzögert sprechen lernen oder über ein eingeschränktes Sprachverständnis verfügen, zeigen sich bei anderen Sprechschwierigkeiten oder Probleme beim Erkennen von Silben oder Reimen. Eine eindeutige Diagnose kann erst in der Grundschulzeit gestellt werden. Bezeichnend für die Legasthenie sind Probleme beim Lesen und bei der Rechtschreibung:
 

  • Das Kind liest sehr langsam und stockt häufig.
  • Es verrutscht beim Lesen in der Zeile, vertauscht oder vergisst einzelne Wörter, Silben oder Buchstaben.
  • Die Handschrift ist schwer zu lesen.
  • Das Kind macht auffällig viele Fehler in der Grammatik und bei der Zeichensetzung.

 
Die Lese- und Rechtschreibschwäche zeigt sich auch in den Fremdsprachen und führt zu Problemen in anderen Fächern. Der Unterrichtsstoff kann nicht mitgeschrieben werden, das Kind hat Schwierigkeiten, Texte zu verstehen und wiederzugeben. Dies führt leicht zu einem allgemeinen Leistungsabfall.
Neben den eindeutigen Symptomen der Legasthenie gibt es weitere Auffälligkeiten, die vorkommen können, aber nicht müssen. Dies sind zum Beispiel:
 

  • Schwierigkeiten bei der Verbindung von Buchstaben und Silben zu Wörtern, von Worten zu Sätzen.
  • Das Gelesene wird inhaltlich nicht vollständig verstanden.
  • Das Kind verwechselt Buchstaben, sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben.

 
Auch häufiges Üben bringt bei der Legasthenie keine großen Fortschritte, da es sich um eine Funktionsstörung im zentralen Nervensystem handelt. Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten, Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche zu fördern. Wird Legasthenie diagnostiziert, wird das in der Schule berücksichtigt, das Kind erhält eine Art Schonfrist, in der seine Leistungen im Schreiben und Lesen nicht benotet werden. In dieser Zeit muss das Kind gezielt gefördert werden. In vielen Schulen sind spezielle Fördermöglichkeiten vorgesehen. Sollten diese erfolglos sein, können sich Eltern eine qualifizierte Kraft suchen, die das Kind außerhalb der Schule unterstützt. Dabei ist darauf zu achten, dass es sich dabei um eine pädagogisch geschulte Fachkraft handelt, die mit dem Kind einzeln oder in einer Kleingruppe arbeitet, in der maximal fünf Kinder gefördert werden. Wenn Sie selbst mit Ihrem Kind üben, sollten Sie folgende Regeln beachten:
 

  • Das Üben macht nur Sinn, wenn Sie sehr viel Geduld mit Ihrem Kind aufbringen.
  • Schimpfen und Vorwürfe sind ebenfalls sinnlos.
  • Ihr Kind muss verstehen, was und warum geübt wird.
  • Die Übungen sollten pro Übungsblock immer nur ein Problem behandeln.
  • Erfolgserlebnisse müssen sein, egal wie klein sie sind.
  • Sparen Sie nicht mit Lob und Anerkennung, das stärkt das Selbstvertrauen des Kindes.

 
Dyskalkulie – Matheschwäche

Während man die Legasthenie meist erst dann diagnostiziert, wenn das Kind in die Schule kommt, äußert sich die Dyskalkulie bereits im Vorschulalter durch ein fehlendes Zahlenverständnis. Kinder mit einer Rechenschwäche haben verschiedene Probleme im Umgang mit Zahlen. Dies äußert sich zum Beispiel bei der visuellen Erfassung von kleinen Zahlenmengen und der diesbezüglichen Merkfähigkeit, aber auch bei einem fehlenden Vorstellungsvermögen des Dezimalsystems. Das Lösen von Sachaufgaben, Zehner- und Hunderterübergänge oder das Merken von Zahlenfolgen bereitet dem Kind Probleme.

Über den mathematischen Bereich hinaus äußert sich die Rechenschwäche auch fächerübergreifend, bzw. im Alltag. Mehrere Handlungen zu planen, fällt ihnen schwer: Wann mache ich meine Hausaufgaben, was habe ich auf, was mache ich zuerst, wie gestalten sich die einzelnen Aufgaben? All das ist für rechenschwache Kinder ein großes Problem. Sie haben Schwierigkeiten sich zu orientieren, Räume oder Dinge wiederzufinden, Situationen zu erfassen und Arbeitsanweisungen zu befolgen. Das Gedächtnis ist durch die mangelnde Strukturierungs- und Ordnungsfähigkeit mit der Speicherung von Einzelheiten überlastet, so dass das Kind im wahrsten Sinne des Wortes den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Weitere Probleme können in Bezug auf die soziale Wahrnehmung entstehen. Kinder mit Dyskalkulie sind durch die Schwierigkeiten mit Strukturen allgemein langsamer, da sie länger brauchen, um sich zu orientieren. Dadurch, dass sie nicht in der Lage sind, aus Einzelheiten Gesamtbilder zusammenzusetzen, fällt es ihnen häufig schwer, Menschen wiederzuerkennen.

Bei der Behandlung von Dyskalkulie muss Wert auf eine ganzheitliche Förderung der Entwicklung gelegt werden. Verschiedene ergotherapeutische Ansätze (zum Beispiel die sensorische Integration), aber auch eine Einbindung in die Alltagsaufgaben, eine überschaubare Alltagsgestaltung und eine gezielte Förderung der Wahrnehmung durch Übungen und Spiele unterstützen die Kinder bei der Entwicklung mathematischer Fähigkeiten. Darüber hinaus ist es wichtig, das Selbstvertrauen des Kindes zu stärken und innere Blockaden, die durch Misserfolge entstanden sind, wieder abzubauen. Dies wird durch eine gezielte Einzelförderung, Geduld, Lob und Ermutigung erreicht. Da die Mathematik ein System ist, bei dem die einzelnen Bereiche streng aufeinander aufgebaut sind, ist es wichtig, die Wissenslücken des rechenschwachen Kindes zu füllen und ihm Schritt für Schritt und im Tempo des Kindes die Grundlagen der Mathematik zu vermitteln.

Alle Eltern wünschen sich gesunde und leistungsfähige Kinder. Legasthenie und Dyskalkulie sind Teilleistungsschwächen, die dem Kind einiges im Leben erschweren. Wichtig ist es hier, wenn Sie diese Situation akzeptieren und dem Kind im Rahmen seiner Fähigkeiten die bestmögliche Förderung zukommen lassen. Holen Sie Ihr Kind da ab, wo es steht und würdigen Sie seine Leistungen.
 
Zum Weiterlesen:
 
www.bvl-legasthenie.de/
 
www.legasthenie-therapie.de/
 
www.matheschwaeche.de/dyskalkulie/index.htm
 
de.wikipedia.org/wiki/Dyskalkulie
 
de.wikipedia.org/wiki/Legasthenie
 

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1 Kommentar/e zu diesem Artikel
Verfasst von Fred Steeg am Fr, 2010-07-23 12:49.

viele Eltern und LehrerInnen stellen sich unter Rechenschwäche eine Krankheit vor. Das ist sie aber nicht. Insofern kann man sie auch nicht diagnostizieren im Sinn von ja oder nein. Den Begriff Rechenschwäche gibt es nur deshalb, weil es in der Schule als Abweichung betrachtet wird bzw. mancher es so betrachten will, wenn man große Schwierigkeiten mit dem Rechnen hat. Die Scheinerklärung "mangelhaftes Zahlenverständnis" hilft da auch nicht weiter, weil damit nur beschrieben wird/wurde, dass das Kind nicht normgerecht entwickelt ist/war, wenn es eingeschult wird bzw. als es eingeschult wurde. Für viele Leute sind Zahlen und Rechnen so selbstverständlich, dass sie bei Schwierigkeiten im Bereich Mathematik dann nach Gründen außerhalb des mathematischen Denkens und Lernens suchen. Die Kinder werden in der Folge nicht mehr oder falsch gefördert.

Ein Intelligenztest/Leistungstest wird keine Sicherheit stiften. Hinterher ist man genauso schlau wie vorher. Wenn der Intelligenztest die Rechenschwäche bestätigt, was dann? Am besten ist es zunächst einmal, die Schule würde es einfach lassen, das Kind mit Rechenaufgaben zu dransalieren, deren begriffliche Grundlage bei dem Kind einfach nicht vorhanden ist. Verstehen kann man nicht üben! Das leuchtet sogar noch jedem Lehrer ein. Trotzdem empfehlen die meisten von ihnen: üben, üben, üben!

Eine vernünftige Vorgehensweise wäre die, erst mal durch eine eingehende Förderdiagnostische Untersuchung (Lernstandsanalyse) genau abzuklären, was das Kind in Mathe verstanden hat und was nicht! Das ist eigentlich etwas, was jede LehrerIn können sollte, wo aber der Irrtum besteht, das wäre durch die Benotung oder einen Vergleichstest (z.B.VERA) schon geleistet. Wie soll ich durch das Abzählen von Fehlern und vergleichen mit der Anzahl von Fehlern anderer Schüler jemals herausbekommen, was ein bestimmter Schüler verstanden hat und wie er welche Fehler macht, welche eigenen Strategien er anwendet usw. ? Dafür braucht man ein individuelles diagnostisches Interview. Solche Untersuchungen werden auch von einigen Privatinstituten angeboten. Man sollte aber immer genau hinschauen, ob das dann auch wirklich mehr ist als eine Checklistendiagnose. Eine gute Untersuchung dauert mindestens zwei Stunden und soll herausfinden, wo im Bereich des mathematischen Denkens erhebliche Defizite bestehen und welche individuellen Irrtümer und Holzwege vorhanden sind.

Knol-Google-Artikel dazu:

http://knol.google.com/k/rechenschw%C3%A4che-informationen-und-hinweise-...

Gruß Fred Steeg

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