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13 Juni, 2017 - 21:14
 

Übermüdete Kinder – keine Liebesgeschichte

Wenn Kinder so austicken, dass die eigenen Eltern sie kaum wiedererkennen, dann sind sie meist übermüdet. Dagegen gibt es eigentlich ein ganz einfaches Mittel – Schlaf. Aber da ein Kind das in der Regel nicht einsehen will, ist der Weg dahin meist unendlich anstrengend. Ein Leidensbericht.

© Andrey Bandurenko - Fotolia.com

Als ich selbst noch ein Kind war sagte mir meine Mutter einmal „ich liebe dich, aber ich mag dich nicht immer“. Auch, wenn ich das so selbst noch nicht ausgesprochen habe, kenne ich das Gefühl inzwischen aus eigener Erfahrung.

Es gibt Situationen, in denen sich meine über alles geliebte Tochter Lilly in ein völlig anderes Wesen verwandelt. Wenn sie übermüdet ist, dann kommt der Dämon, der in meinem Kind zu stecken scheint, zum Vorschein.

Unser geliebtes, umgängliches und halbwegs folgsames Kind verwandelt sich in einen bockigen Kontra-Zwerg.

Sie ist für keinerlei Argumente und Vorschläge zugänglich. Die Antwort auf alle Fragen ist „nein“, sie schreit und schlägt häufig sogar nach uns, wenn wir sie beruhigen wollen. Dazu ist sie furchtbar weinerlich und wenn andere Kinder sie auch nur berühren, kommen schnell die Tränen.


Man wünscht sich als Eltern weit weg, ganz weit weg

Eine solche Situation hatten wir gestern auf dem Spielplatz und ich wünschte mir innerlich, dass mich Scotty ganz schnell ganz weit wegbeamen würde. Leider wurde ich nicht erhört.

Natürlich gäbe es für dieses Problem eine ganz einfache Lösung – Lilly sollte etwas schlafen. Aber diese Einsicht fehlt ihr – „bin nicht müde“ ist die typische Reaktion. So ringen wir in diesen Situationen jedes Mal mit ihr, bis sie im Auto, auf dem Arm oder auch am Abend im Bett – zuvor mit viel Gequengel und Kampf um das Zähneputzen – endlich einschläft.

Wir haben sogar schon ganz spezielle Erfahrungswerte entwickelt. Ist unsere Tochter todmüde, dann isst sie – als letzte Möglichkeit – ein spezielles Babygericht für Kinder ab 12 Monaten. Sie ist dann zu faul zum Kauen. Aber wenn sie nichts isst, dann wacht sie in der Nacht hungrig auf. Also das Gläschen. Wenn sie richtig durch ist, darf ich ihr den Brei auch füttern. Beruhigen lässt sie sich häufig nur durch ein paar Cartoons. Einem vierjährigen Kind Babybrei füttern, während es Cartoons anschaut. Das steht bestimmt in keinem Erziehungsgratgeber. Aber es funktioniert – und daher gibt es das bei uns hin und wieder.


Wenn das Kind im Bett ist, klatschen sich die Eltern ab

An solchen Abenden klatschen sich meine Frau und ich uns ab, wenn wir Lilly endlich im Bett haben. Eigentlich sollte man sich dann ein Glas Wein genehmigen und es sich auf dem Sofa gemütlich machen. Aber inzwischen gibt es ja auch Kind Nummer zwei, das weitgehend unabhängig von Lilly funktioniert, und nach seinen Eltern verlangt.

Was uns an dieser wirklich anstrengenden und nervigen Situation beruhigt: nach ausreichend Schlaf ist alles wie weggeblasen – die Tränen, der Ärger, die Verwünschungen, die Wut, der Dämon in unserer Tochter.

Es gibt Menschen, die nun vielleicht sagen würden „selbst schuld“, man könnte doch den Tag um das Kind und seine zu erwartende Müdigkeit herum planen. Aber leider klappt das nicht immer so, wie man es sich vorgestellt hat. Die Nacht vor einem Ausflug war zum Beispiel schlechter als erhofft, das Kind schläft nicht wie geplant im Auto oder zu kurz und ist bei der Ankunft immer noch sehr müde. Häufig hat man Termine, die man einhalten muss. Außerdem haben wir ja inzwischen noch ein zweites Kind, auf das man Rücksicht nehmen muss. Hoffentlich lässt sich die Kleine noch etwas Zeit und schaut sich nicht zu viel bei der großen Schwester ab…


Was hilft bei einem übermüdeten Kind?

So kommt es einfach hin und wieder vor, dass unsere Große austickt und dabei häufig alle unsere Pläne für den Tag über den Haufen wirft. In so einem Fall sehen meine Frau und ich uns an, lächeln gequält, sagen „es ist alles nur eine Phase“, atmen tief durch und singen ein kleines Lied vor uns hin. Zur Beruhigung – für uns selbst.

 

Kennt Ihr solche Situationen? Was macht Ihr in dem Fall? Wir freuen uns über Eure Kommentare.

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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