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1 März, 2016 - 08:41
 

„Papa, geh nicht weg“ – Trennungsängste bei Kindern und wie Eltern damit umgehen können

Babys und Kleinkinder sind auf ihre Eltern angewiesen, das wissen sie instinktiv. Kein Wunder also, dass Trennungen Angst machen und beim Kind zu Panik führen können. Damit aus der reflexartigen Angst kein lebenslanges Muster wird, können Eltern einiges tun.

© Q - Fotolia.com

Die Psychologie versteht unter der Trennungsangst eine große Angst, von den Eltern getrennt zu werden, für die es keine logisch nachvollziehbaren Gründe gibt. Wir wissen doch, dass wir wiederkommen. Das Problem ist, dass Kinder, vor allem wenn sie sehr klein sind, das nicht realisieren. Das Zeitgefühl so wie wir es als Erwachsende verstehen, entwickelt sich beim Kind erst im Grundschulalter. Lange Zeit gilt für die Kleinen: Wer weg ist, ist weg und zwar für immer. Dass das Angst machen kann, ist irgendwie verständlich, oder?


Trennungen sind unvermeidbar

Irgendwann müssen auch die anhänglichsten Kinder ihre Eltern loslassen. Oft entwickelt sich Trennungsangst auch erst, wenn die ersten Abschiede anstehen. Das ist zum Beispiel beim Besuch des Kindergartens der Fall. Entscheidend ist, dass die Trennung fürs Kind nicht zum traumatischen Erlebnis wird. Noch immer ist es in den Kindergärten Usus, die Kinder zurückzulassen – auch wenn sie weinen. Oberflächlich gesehen hören die meisten von ihnen irgendwann wieder auf und spielen dann doch scheinbar ganz entspannt. Oder ist es Resignation? Eltern, die nicht das Risiko eingehen wollen, dass ihr Kind schmerzhafte und beängstigende Abschiede in seinem Repertoire der Lebenserfahrungen einsortiert, können dem Kind die Trennungen auf Zeit erleichtern. Dafür gibt es zahlreiche Methoden. Was beim eigenen Kind funktioniert, lässt sich am leichtesten durch Ausprobieren feststellen.


Sicherheit von Anfang an

Trennungsängste kommen häufig aufgrund eines fehlenden Urvertrauens zustande. Dieses kann schon durch vermeidbare Kleinigkeiten gestört sein. Kinder, die als Babys warten und schreien mussten oder die ersten Lebenstage in der Säuglingsintensivstation verbracht haben, zeigen oft stärkere Ängste als solche, die von Anfang an bei der Mutter und den Eltern waren und die ersten Lebensmonate dicht bei den Eltern im Tragetuch verbracht haben. Wer seinem Kind am Anfang Sicherheit, lückenlose Zuwendung und Nähe gibt, legt eine gute Basis, um spätere Trennungsangst gering zu halten oder ganz zu vermeiden.


Sanfte Trennungen – die besten Tipps

Auch wenn eine Trennung schmerzt – manchmal geht es nicht anders. Damit Ihrem Kind der Abschied möglichst leichtfällt, können Sie folgendes tun:

  • Lassen Sie Ihr Kind anfangs nur kurz allein. Das gilt auch für den Besuch in Krippe und Kindergarten. Fangen Sie in 10-Minuten-Schritten an und verlängern Sie die Zeit erst dann, wenn Sie merken, dass Ihr Kind entspannt bleibt.
  • Wenn Sie Ihr Kind zurücklassen, dann in vertrauter Umgebung und bei Personen, die es gut kennt.
  • Finden Sie ein Abschiedsritual. Dieses sollte immer gleich ablaufen und gibt dem Kind Vertrauen: So wie sich das Ritual beim Abschied wiederholt, so wird sich Ihre Rückkehr wiederholen.
  • Reden Sie mit Ihrem Kind. Erklären Sie ihm altersgerecht und passend zu seinem Zeitbegriff, warum Sie gehen und wann Sie wiederkommen: Sagen Sie nicht, dass Sie in zwei Stunden wiederkommen, sondern lieber gleich nach dem Mittagsschlaf.
  • Halten Sie Ihre Versprechen und kommen Sie zur genannten Zeit wieder.
  • Planen Sie Zeit für schwierige Abschiede ein. Wenn Ihr Kind weint oder sich gar nicht trennen soll, nehmen Sie sich noch etwas Zeit, um ihm zuzuhören und es zu trösten. Ihr Kind hat vor allem ein Bedürfnis und nicht den Plan, Sie vom Weggehen abzuhalten!
  • Achten Sie auf Ihre innere Haltung und fühlen Sie sich nicht schlecht, weil Sie gehen müssen. Ihr Kind wird das spüren und der Abschied wird dadurch noch schwerer.

Meist kommen Trennungsängste von einem Tag auf den anderen und längst nicht jedes Kind hat sie in gleicher Intensität. Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine ganz normale Entwicklungsstufe im Leben eines Kindes. Dennoch sollten Sie beim plötzlichen Auftreten von Angst vorm Abschied auch hellhörig und aufmerksam werden: Hat sich etwas im Leben des Kindes oder in den Abläufen verändert, was ihm Angst machen könnte? Kommen Sie hier einer konkreten Ursache auf die Spur, kann mit deren Beseitigung auch die Trennungsangst schnell wieder vergehen.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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