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31 Juli, 2016 - 10:21
 

Alles nur ne Phase?

Die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes schreitet in den ersten Jahren rasant voran. Mit den neuen Fähigkeiten kommen auch ein paar Phasen, auf die viele Eltern gerne verzichten würden. Warum kommt es zu Fremdeln, Trotzphase und Fragephase und wie reagiert man als Elternteil auf das Verhalten der Kinder?

© ChantalS - Fotolia.com

Fremdeln und Trennungsangst - Angst vor der eigenen Courage

Das Fremdeln wird auch 8-Monats-Angst genannt. Spätestens um den achten Lebensmonat  ist zu beobachten, dass ein Kind unvertrauten Personen gegenüber vorsichtiger, mitunter offen ablehnend reagiert. Ein Kind ist schon früher in der Lage, Menschen voneinander zu unterscheiden. Warum also die neue Angst vor dem Unbekannten?  

Ab dem sechsten Monat beginnen Babys damit, sich fortzubewegen und ihre Umgebung auf eigene Faust zu erkunden. Dies ist heutzutage schon nicht immer ungefährlich, jedoch waren die Gefahren für das Kind in grauer Vorzeit noch viel größer. Die Natur hat jedoch mit der Trennungsangst dagegen vorgesorgt, dass sich Kinder zu weit von ihren vertrauten Personen entfernen. Sie bekommen einfach Angst, wenn sie zu weit von Mutti, Vati oder anderen bekannten Menschen entfernt sind. Dieses Bedürfnis nach Nähe sorgt also dafür, dass Kinder die Nähe ihrer Eltern suchen und beschützt sie so. Ein Nebeneffekt ist das Fremdeln, das eben zu dem Zeitpunkt auftritt, wenn Kinder erstmals in der Lage wären, ihren Eltern "auszubüchsen".  

Kleine Kinder haben anfangs Angst vor ihnen unvertrauten Personen. Diese müssen nicht einmal völlig unbekannt sein. Für ein Baby, das praktisch kein Zeitgefühl hat, ist auch eine Oma, die es das letzte mal vor zwei Monaten gesehen hatte, erst einmal wenig vertrauenswürdig. Wie stark das Fremdeln ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: zum einen vom Charakter des Kindes selbst, von seinen Erfahrungen mit anderen Personen (hat es schon viele kennengelernt und wie waren seine Erfahrungen), aber auch von der fremden Person selbst. Wenn diese ganz anders aussieht als zum Beispiel die Eltern, laut spricht und unbekannt und vielleicht unangenehm riecht, dann wird ein Kind anfangs wahrscheinlich Respekt vor der Person haben und daher fremdeln. Zum Beispiel, wenn die kleine Tina dem mit seinem Vollbart wild aussehenden Onkel Alfred, der darüber hinaus noch intensiv nach Zigarren riecht, einfach in den Arm gedrückt wird. Um die Wahrscheinlichkeit des Fremdelns zu verringern, sollten die Eltern Kind und neuer Person die Chance geben, einander langsam kennenzulernen. Wenn Alfred erst einmal neben Tina, die in Vatis sicherem Schoß sitzt, Platz nimmt, entspannt mit Vati redet und Tina dabei anlächelt, dann steigen die Chancen deutlich, dass beide später auch miteinander spielen. Selbst kleine Kinder haben schon ein eigenes Distanzgefühl und wägen ab, wen sie an sich "heranlassen". Sie haben auch ein Gefühl dafür, wie sich die eigene Bezugsperson gegenüber der fremden Person verhält. Wenn also Papa mit dem fremden Mann unverkrampft umgeht, dann merkt das auch Klein-Tina und schöpft so Vertrauen. Geben sie ihrem Kind also etwas Zeit, sich neuen Personen langsam zu nähern.  

Das Fremdeln ist übrigens die erste sichtbare Ausprägung der Trennungsangst, die Kinder normalerweise bis zum Ende des dritten Lebensjahres besonders stark verspüren. Danach nimmt diese ab. Die Trennungsangst ist, wie gesagt, ein Schutzmechanismus der Natur, der dafür sorgen soll, dass sich Kinder von sich nicht allzu weit von den Eltern oder anderen Vertrauenspersonen entfernen. Wie stark diese Trennungsangst ausgeprägt ist, hängt neben dem Alter des Kindes (sie ist normalerweise bei Zwei- bis Dreijährigen besonders stark ausgeprägt) und dessen Persönlichkeit auch von der Situation ab. Spürt das Kind, dass die Bezugsperson aus irgend einem Grund unsicher ist, dann wird es selbst vorsichtig sein und deren Nähe suchen. Kennt das Kind Umgebung und die Personen um sich herum, dann wird es wagen, sich weiter von den Eltern zu entfernen.  

Die Trennungsangst ist bis zum Ende des dritten Lebensjahres an stärksten ausgeprägt. Danach beginnen sich Kinder langsam von den Eltern zu lösen. Ganz verlieren wir diese Trennungsangst nie. Auch als Erwachsene fühlen wir uns in neuen Umgebungen vergleichsweise unsicher.

 

Die Trotzphase - den eigenen Willen entdecken und durchsetzen

Im ersten Lebensjahr wird sich ein Baby seiner selbst als Person mehr und mehr bewusst. Im Alter von etwa einem Jahr wird ein Kind zeigen, dass es gewisse Dinge selbst bestimmen möchte. Diesen neu entdeckten Willen versuchen Kinder häufig mit aller Härte durchzusetzen. Wenn sie auf Widerstände stoßen - seien es Verbote der Eltern oder die eigenen Fähigkeiten (etwas funktioniert nicht) - dann kommt es nicht selten zu heftigen Wutausbrüchen. Diese können sich gegen Personen und Gegenstände richten und können zu Weinkrämpfen führen, bei denen die Kinder blau anlaufen.  

Bei diesen Wutausbrüchen kann einem Angst und Bange werden, jedoch sind sie normalerweise ungefährlich. Selbst wenn Kinder voller Wut absichtlich den Kopf an Boden oder Wand schlagen bliebt es fast immer bei Beulen oder blauen Flecken. Auch ein Weinkrampf, bei dem ein Kind blau anläuft und zu zucken beginnt, ist ungefährlich. Die Eltern sollten versuchen, entspannt zu bleiben, so schwer es häufig auch fällt!!! Die Trotzphase ist ein normaler, wenn auch sehr anstrengender Teil der kindlichen Entwicklung. Das Kind wird sich seines eigenen Willens bewusst, aber auch seiner Begrenzungen, und reagiert mit Frustration, die sich bisweilen in den bekannten Wutausbrüchen entlädt. Wie ist die angemessene Reaktion von Eltern auf einen solchen Wutausbruch? Das Kind sollte vor allem nicht durch übermäßige Zuwendung oder durch Nachgeben auf seine Forderungen dazu gebracht werden, dass es Wutausbrüche zukünftig als Mittel einsetzt, um das zu bekommen, was es will. Aus diesem Grund sollte man dem Kind so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zeigen, es schreien lassen und abwarten. Ab und zu hilft es schon, sich ein paar Meter vom Kind zu entfernen oder für eine Minute oder zwei aus dem Zimmer zugehen. Damit nutzen sie die Trennungsangst für sich, denn schließlich möchte das Kind nicht allein gelassen werden und geht häufig auf sie zu, um getröstet zu werden. Dann sollten sie ihr Kind aber auch in den Arm nehmen und trösten. Liebesentzug ist kein Mittel, um Trotz zu entgegnen! Gehen Sie auch nie wirklich weg von ihrem Kind, verlassen sie es nicht. Ihr Kind braucht sie!  

Um Wutausbrüchen vorzubeugen hilft vor allem ausreichend Schlaf. Ein übermüdetes Kind in der Trotzphase ist wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Deutet sich ein Wutausbruch an, so bieten sich zwei Möglichkeiten an, um das Schlimmste abzuwenden - die Ablenkung oder der Kompromiss. Ab und zu hilft ein "schau einmal, was ich hier habe", um das Kind zu beruhigen (haben sie dann auch ein kleines Spielzeug zur Hand). Ansonsten empfehlen wir, gemeinsam mit dem Kind eine Alternative zu suchen, einen Kompromiss zu finden ("nein, wie nehmen die Schokolade jetzt nicht mit, aber im Auto bekommst Du gleich Deinen Lieblingspudding"). Alles in allem ist die Trotzphase ein echter Test für Eltern. Das Kind lotet Grenzen aus und die Eltern setzen dagegen zu seinem Wohle die erzieherischen Grenzen. Kommen sie vor allem nicht in die Versuchung, den Schreien des Kindes nachzugeben. Dann wird das Kind nämlich die Wutausbrüche gezielt einsetzen, um seinen Willen durchzusetzen. Versuchen sie auch, entspannt zu bleiben und selbst nicht laut zu werden. Dies fällt vor allem schwer, wenn ein Wutausbruch in der Öffentlichkeit geschieht. Sagen sie sich, die anderen Menschen sind nicht so wichtig. Andere Eltern haben normalerweise Verständnis für ihre Situation. Ab und zu hilft es auch, einfach eine Sonnenbrille aufzusetzen und so ein bisschen Distanz zur Außenwelt herzustellen. Filmstars machen es einem vor.   Die Trotzphase dauert etwa vom zweiten bis zum fünften Lebensjahr. Den Höhepunkt findet diese Phase meist bei Zweijährigen. In der englischsprachigen Welt ist dieses Alter als "the terrible twos" bekannt. Ihr Trost - wie jede Phase wird sie vorübergehen.  

 

Die Frage-Phase - keine ruhige Minute

Wenn ein Kind irgendwann im zweiten Lebensjahr die ersten Worte geformt hat, nimmt seine sprachliche Entwicklung einen rasanten Verlauf. Zunächst vor allem, was das Verständnis angeht, aber nach dem zweiten Geburtstag wächst auch der Wortschatz eines Kindes schnell an. Im Alter von 4 Jahren kann ein Kind bereits zwischen 500 und 4.000 Wörter aktiv benutzen und noch deutlich mehr verstehen. Seine sprachlichen Fähigkeiten entwickelt ein Kind, indem es Erwachsenen zuhört und dann auch selbst spricht.  

Ein wichtiger Teil der sprachlichen Entwicklung ist das sogenannte zweite Fragealter, das irgendwann zwischen dem dritten und dem fünften Geburtstag eintritt. Während Kinder im ersten Fragealter im zweiten Lebensjahr wissen möchten, wie Gegenstände heißen, entwickeln sie nun ein bewusstes Verständnis für kausale Zusammenhände. So kommt es, dass das Kind seine Eltern einen guten Teil des Tages mit "warum"-Fragen beschäftigt. Dies geht vielen Erwachsenen ab einem gewissen Punkt auf die Nerven. Trotzdem sollte man Verständnis für sein Kind haben. Die Kinder sind neugierig und wollen lernen - zum einen die erfragten Zusammenhänge, zum anderen aber auch Sprache. Ab und zu werden auch dieselben Fragen mehrmals am Tag gestellt. Grund hierfür kann sein, dass das Kind sich vergewissern möchte, dass die Antwort noch gilt. Ab und zu wird die Antwort auch leicht anders gegeben oder das Kind hat sie nicht verstanden. Haben sie in jedem Fall Verständnis für ihre Kinder. Immerhin ist dies noch eine Phase, in der die Kinder davon ausgehen, dass Papa und Mama fast alles wissen. Spätestens im Teenager-Alter ändert sich das grundlegend.  

Sollten sie eine Antwort einmal nicht wissen, dann gehen sie ehrlich damit um und sagen sie es ihrem Kind. Man muss auch nicht immer alles wissen, aber man muss sich zu helfen wissen. Vielleicht suchen sie gemeinsam mit ihrem Kind die Antwort auf die Frage - etwa, indem sie jemanden fragen, der die Antwort wissen könnte, oder durch Suche in einem Bilderlexikon oder dem Internet.  

Sollte es ihnen einmal zuviel werden mit den Fragen ihres Kindes, so gibt es verschiedene Strategien. Zum einen haben sie auch das Recht sagen zu dürfen, dass sie müde sind und momentan nicht mehr reden wollen - auch Eltern haben ihre Bedürfnisse. Andererseits können sie auch versuchen, ihr Kind auf andere Ideen zu bringen und etwas aktiv mit ihm zu spielen. Erzieherisch wertvoll kann es aber sein, wenn sie hin und wieder einfach die Frage umdrehen und fragen "was meinst du"? So kommt ihr Kind selbst zum Reden und sie können gemeinsam mit ihm die Antwort erarbeiten.    

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de