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27 August, 2016 - 09:23
 

Der Integrationskindergarten

Im Integrationskindergarten werden gesunde Kinder und Kinder mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen gemeinsam betreut und gefördert. Viele Eltern haben schrecken bei dem Gedanken zurück, ihr gesundes Kind in solch einer Einrichtung anzumelden. Dabei können Kinder stark von den gesteigerten sozialen Anforderungen profitieren.

© WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

Gesunde Kinder spielen in einem Integrationskindergarten ganz selbstverständlich mit ihren Altersgenossen, die Down-Syndrom, Hörschäden, Spastiken, Entwicklungsverzögerungen oder andere Einschränkungen / Behinderungen aufweisen. Ausgrenzungen und Irritationen gibt es hier nicht, denn der Anblick von und der Kontakt mit gesundheitlich beeinträchtigter Menschen, den viele Kinder sonst gar nicht wirklich erleben, gehört hier zum Alltag.


Das Konzept

Kinder lernen voneinander und entwickeln im Spiel soziale Kompetenzen. Das Konzept des Integrationskindergartens geht von dieser Grundlage aus und von der Erkenntnis, dass gesunde Kinder viel von kranken lernen können – und umgekehrt. Die kranken und beeinträchtigten Kinder entwickeln ein Gefühl des Dazugehörens, ganz anders als wenn sie mit anderen behinderten Kindern in gesonderten Einrichtungen betreut werden. Daraus entwickeln sie Selbstbewusstsein und Ehrgeiz und können gerade ihre beeinträchtigten Fähigkeiten verfeinern, denn gesunde Kinder gehen mit den kranken erst einmal ganz normal um, sie machen sich keine Gedanken darüber, was ihr Gegenüber können könnte / müsste oder wo seine Schwächen liegen. Natürlich achten die Betreuer sorgfältig darauf, dass kein Kind überfordert oder gar verletzt wird.

Eine Kindergartengruppe in einem Integrationskindergarten besteht zum großen Teil aus gesunden Kindern, die Anzahl behinderter Kinder ist begrenzt. Je nach Gruppengröße, Stärke und Art der Behinderung und Betreuungskapazitäten sind in die Gruppe zwei bis maximal fünf Kinder mit Beeinträchtigungen integriert. Aufgrund der Besonderheiten in der Betreuung verfügen Integrationskindergärten über zusätzliche Erzieher, die von Zivildienstleistenden oder Praktikanten unterstützt werden. Bei stark betreuungsbedürftigen Kindern wird eine Eins-zu-Eins-Betreuung realisiert, um auch diesen Kindern den Besuch im Integrationskindergarten zu ermöglichen. Dadurch ist gewährleistet, dass alle Kinder eine ausreichende Förderung erhalten. Das Lerntempo wird auf die gesamte Gruppe abgestimmt. Damit nicht stets das schwächste Mitglied der Gruppe die Geschwindigkeit bestimmt, gibt es nicht nur gemeinsame, sondern auch getrennte Aktivitäten, so dass sich alle Kinder entwickeln und entfalten können. Mittlerweile ist dieses Konzept so anerkannt, dass auch in Regelkindergärten behinderte Kinder aufgenommen werden, wenn es die Räumlichkeiten und die Umstände zulassen.


Förderung des sozialen Bewusstseins

Es gibt Kritiker, die der Auffassung sind, dass das Konzept des Integrationskindergartens lediglich den behinderten Kindern zugutekommen würde. Das geringere Lerntempo und die zwangsläufige Ausrichtung der Aktivitäten auf die kranken Kinder würden dazu führen, dass der Rest der Gruppe in seiner Entwicklung gebremst wird.

Doch eher das Gegenteil ist der Fall. Rücksichtnahme, Verantwortungsbewusstsein und Toleranz bestimmen das Zusammenspiel im Integrationskindergarten. Denn Kinder können zwar grausam sein und andere ausgrenzen, sie haben aber ebenso ein ausgeprägtes Gefühl dafür, dass Schwächere beschützt werden müssen. Der Konkurrenzkampf und die teilweise Überforderung der Erzieher im Regelkindergarten lässt diese schätzenswerte Eigenschaft oft verkümmern – im Integrationskindergarten wird sie dagegen weiterentwickelt. Die Kinder lernen hier fürs Leben: Dass auch sogenannte Randgruppen Mitmenschen sind, die respektiert und in das Leben integriert werden können und dass Menschen trotz bestimmter Besonderheiten und Handicaps tolle Spiel- und Gesprächspartner sein können. Das selbstverständliche Miteinander macht es dem gesunden Kind leicht, andersartige Menschen zu tolerieren und ihnen ohne Hemmschwellen und Berührungsängsten zu begegnen.


Vorteile für alle

Darüber hinaus profitieren die gesunden Kinder von den Zusatzangeboten: Oft gibt es Spiel-, Musik- oder Reittherapiestunden, die kranke wie gesunde Kinder nutzen können. Auch gesunde Kinder, die sich einfach nur in einem anderen Tempo als gleichaltrige Kinder entwickeln oder Kinder, die besonders schüchtern sind, profitieren von der intensiven Betreuung und der individuellen Förderung, die im Integrationskindergarten möglich sind.

Eltern, die sich dafür entscheiden, ihr Kind in einem Integrationskindergarten anzumelden, sollten die Einrichtung natürlich ebenso gründlich wie jeden anderen Kindergarten prüfen. Denn wie gut ein Kind betreut wird, hängt in erster Linie von den Erziehern und dem Kindergartenkonzept ab. Als Eltern sollte man sich auch im Klaren darüber sein, dass man selbst mit der Thematik „Behinderung“ konfrontiert wird: Durch Fragen des Kindes, durch den Kontakt zu den Eltern der behinderten Kinder an Elternabenden und zu den Kindern selbst, zum Beispiel bei Kindergartenfesten oder Ausflügen.

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de