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30 November, 2015 - 00:44
 

Die Warumphase

Etwa um das dritte Lebensjahr beginnt das sogenannte zweite Fragealter – unter Eltern auch als Warumphase bekannt und gefürchtet. Die Kleinen fragen einen den lieben langen Tag Löcher in den Bauch – Warum Sie (fast) alle Fragen geduldig beantworten sollten, erfahren Sie im folgenden Artikel.

© Ramona Heim - Fotolia.com

Warum ist die Sonne gelb? Warum ist der Himmel blau? Warum heißt der Tisch Tisch? Diese und andere Fragen können Kinder tagelang beschäftigen und Eltern zur Verzweiflung treiben. In der Warumphase tut ein Kind zweierlei: Es übt seine sprachlichen Fähigkeiten durch das Gespräch und es erweitert sein Wissen um die Welt, in der es lebt.


Der Sinn des Lebens

Jeden Tag erlebt ein Kind Neues und Wunderbares, das es noch nicht kennt. Wen sollte es da wundern, dass es nach dem Sinn der Dinge fragt? Die Fragen kommen aus der tiefverwurzelten natürlichen Neugierde, die ein Kind mit auf die Welt bringt und die ihm dabei helfen, das Leben zu verstehen. Wenn ein Kind sich verbal noch nicht ausdrücken kann, sammelt es die Eindrücke, lernt sich wiederholende Vorgänge wie den Tag-, Nachtrhythmus, die Hitze einer Herdplatte oder das Zwitschern von Vögeln als Gesetzmäßigkeiten. Mit der Entwicklung der Sprachfähigkeit und des Gehirns will es das Bekannte einsortieren und verstehen – und manchmal auch in Frage stellen.

Bei seinen Fragen über die Welt, in der wir leben geht es dem Kind nicht in erster Linie um technische Fakten oder Zahlen, sondern danach, welchen Sinn etwas hat – die Warumfrage meint genau das, was sie sagt: Warum regnet es? Weil alle Lebewesen auf der Erde ohne Wasser nicht überleben können. Aus dieser Antwort schöpft das Kind Vertrauen in die Welt, es lernt: Für mich wird gesorgt. Dieses Wissen können ausschweifende physikalische Erklärungen nicht bieten – ein Kind in der Warumphase wäre damit schlichtweg überfordert und würde endlos weiterfragen.


Alle Fragen sind erlaubt

Der Wissensdurst eines Kindes ist unbegrenzt, es kümmert sich nicht um gesellschaftliche Tabus, weil es sie nicht kennt und auch nicht versteht. So fragt ein Kind ganz unbefangen nach dem Tod, denn es hat (noch) keine Angst davor. Es möchte einfach wissen, was es damit auf sich hat. „Papa, warum ist die Frau so dick?“ Diese Frage – natürlich im Supermarkt in voller Lautstärke gestellt – treibt Ihnen die Schamesröte ins Gesicht? Nun – Kindermund tut Wahrheit kund und die ehrliche Antwort auf diese Frage ist: Ich weiß es nicht. Auch damit sind Kinder manchmal zufrieden zu stellen – zumindest für den Moment. Zuhause sollten Sie Ihrem Kind erklären, dass die meisten Menschen es nicht mögen, wenn man auf diese Art und Weise über sie spricht.


Endlose Frageketten - Strategie Gegenfrage

Warum, warum, warum? Die ewige Fragerei kann Eltern zur Verzweiflung treiben. Nicht nur, dass die stakkatoartigen Warumfragen irgendwann jeden klaren Gedanken verhindern – oft wird man als Elternteil darauf gestoßen, dass man viele Fragen selbst gar nicht beantworten kann. Und das merkt auch das Kind. Eine Fragekette, die endlos weitergeht, zeigt nur, dass Sie Ihr Kind mit Ihren Antworten nicht zufrieden stellen. Sein Wissensdurst ist noch nicht gestillt: „Warum geht der Mann so langsam?“ „Vielleicht hat er eine Verletzung am Bein.“ „Wieso ist er denn verletzt?“ „Vielleicht hatte er einen Unfall.“ „Warum hat er denn nicht besser aufgepasst?“ „Das weiß ich nicht.“ „Warum nicht?“ So, oder so ähnlich verlaufen viele Fragerunden. Das Kind ist nicht zufrieden mit den Antworten und es möchte sich unterhalten. Sie können die Fragenkette unterbrechen und trotzdem zeigen, dass Sie Lust haben, mit Ihrem Kind zu sprechen, indem Sie eine Gegenfrage stellen: „Was denkst du, was ihm passiert ist?“ Ein Gespräch kommt zustande, Ihr Kind fühlt sich in seinem Bedürfnis nach Kommunikation verstanden und respektiert.


Wenn die Nerven blank liegen

Jeder hat mal einen schlechten Tag – auch Eltern. Wenn Sie denken, dass Ihnen bei der nächsten Warumfrage der Kopf platzt und Sie die Fassung verlieren, sollten Sie das Ihrem Kind mitteilen. Das ist Ihr gutes Recht. „Ich werde jetzt keine Fragen mehr beantworten.“ Das kann ein Dreijähriger durchaus verstehen, auch wenn es ihm vielleicht nicht gefallen wird. Diese klare Ansage ist besser als genervte und halbherzige Antworten, die das Kind nur noch hartnäckiger nachfragen lassen.

Jede Frage eines Kindes zeugt von seiner Wissbegierde, von seinem Interesse an der Welt, in der es lebt und von seinem Wunsch nach Kommunikation mit Ihnen. Angst davor, ein Kind mit Ihren Antworten zu überfordern, sollten Sie nicht haben, wenn Sie die Antwort an den Reifegrad Ihres Kindes anpassen. Darüber hinaus nimmt ein Kind ohnehin nur auf, was es verkraften kann, alles andere wird herausgefiltert.

 

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Autor

Redaktion1 Vaterfreuden.de