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23 Januar, 2016 - 11:18
 

Essstörungen – Schon Kleinkinder können betroffen sein

Essstörungen gehören in den Industrieländern mittlerweile zu den am häufigsten vorkommenden psychosomatischen Erkrankungen. Die Verhaltensstörung betrifft mittlerweile auch immer mehr Kinder. Gesundheit, Seele und auch Sozialisation werden durch ein gestörtes Essverhalten massiv beeinträchtigt. Damit es erst gar nicht soweit kommt, sollten Sie Ihr Kind beim Essen niemals unter Druck setzen!

© Anyka - Fotolia.com

Ess-Störungen wie Bulimie, Magersucht oder Übergewicht kennen wir nach wie vor hauptsächlich von Frauen. Doch auch Männer und mittlerweile immer mehr Kinder sind betroffen. Auslöser können Probleme innerhalb der Familie, aber auch ein gestörtes Verhältnis der Eltern zum Thema Essen sein.


Wie Ess-Störungen bei Kleinkindern entstehen

Ein auffälliges Essverhalten von Kindern äußert sich in vielen Fällen in Nahrungsverweigerung, teilweise ist die Ernährung auch nur stark einseitig. In vielen Fällen entspringt die Störung einer Unvereinbarkeit der Vorstellungen des Erwachsenen (meist der Mutter), was und wie viel das Kind zu essen hat und den Bedürfnissen des Kindes. Dies betrifft vor allem Kinder, die wenig essen – höchstwahrscheinlich, weil sie die aufgenommene Nahrung gut verwerten oder sich einfach in einer Entwicklungsphase mit geringem Energiebedarf befinden. Die Mutter – die ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen möchte – beginnt aus Sorge das Kind zum Essen zu drängen, das Kind lehnt die Nahrung ab. Vielleicht, weil es sich gerade in der Trotzphase befindet und empfindlich auf Druck von außen reagiert, vielleicht auch nur, weil ihm das angebotene Essen nicht schmeckt. Ein Teufelskreis nimmt hier seinen Anfang. Essen wird für alle Beteiligten zur Qual und vom Kind mit den unangenehmen Gefühlen der Mutter verknüpft: Sie sorgt sich, dass ihr Kind nicht genug zu essen bekommt, drängt und drückt, verkürzt die Abstände zwischen den Mahlzeiten. Das Kind wiederum fühlt sich beim Thema Essen immer unwohler und geht den ihm zur Verfügung stehenden Weg – es weicht aus, es verweigert die Nahrungsaufnahme. Essen verliert durch diesen Kreislauf seinen Stellenwert als emotionales und sinnliches Erlebnis und Bedürfnis des Kindes und wird zum blanken Stress. Zu übermäßigem Essen neigen Kinder häufig dann, wenn die Mutter extrem auf ihre Figur und ihre Nahrungsaufnahme bedacht ist und auch das Kind mit Argusaugen überwacht. Wen wundert es da, dass das Kind sich wiederum verweigert – diesmal genau in die andere Richtung.


Essstörungen bei Kleinkindern erkennen

Nicht jede Auffälligkeit in der Ernährungsweise ist gleich als Ess-Störung zu deuten. Kleinkinder haben Entwicklungsphasen in denen sie unglaublich viel, andere, in denen sie ganz wenig essen. In der Trotzphase gehört das Mäkeln am Essen und eine Nahrungsverweigerung aus Wut oder Trotz fast schon dazu. Erst dann, wenn der Zustand über längere Zeit andauert und man dem Kind die übermäßige oder eingeschränkte Nahrungsaufnahme ansieht, besteht Grund zum Handeln. Wer frühzeitig reagiert, kann den oben beschriebenen Kreislauf sofort unterbrechen. Ist die Ess-Störung allerdings schon stabilisiert, ist oft therapeutische Hilfe von außen erforderlich.


Nur keine Panik – Umgang mit Essstörungen beim Kleinkind

Die Angst, das eigene Kind könnte verhungern (oder durch extremes Übergewicht krank werden), ist in der Regel Ursache und Wirkung zugleich. Je mehr Angst die Eltern haben, umso mehr verweigert sich das Kind. Also heißt es zuallererst einmal: Stress abbauen, Druck verringern und vor allem nicht sich selbst zerfleischen, weil man es nicht schafft, sein Kind angemessen zu versorgen. Die Essstörung verlangt sofortiges Handeln. Dazu gehört eine selbstkritische Bewertung des eigenen (Ess)-Verhaltens. Wie viel Spaß haben Sie eigentlich am Essen? Was und in welcher Atmosphäre essen Sie, wie gehen Sie mit Ihrem Kind im Zusammenhang mit Essen um? Diese und einige Fragen mehr müssen geklärt werden, optimalerweise von einem spezialisierten Therapeuten. Besonders effektiv kann in diesem Fall eine Familientherapie sein, denn eine Ess-Störung beim Kleinkind kann niemals ohne Bezug auf das Elternhaus betrachtet und behandelt werden.


Entspanntes Essen tut der ganzen Familie gut

Ein erster und wichtiger Schritt zur Behandlung einer Ess-Störung beim Kleinkind ist eine Veränderung der Atmosphäre bei den Mahlzeiten. Dazu sollten Sie folgende Punkte besonders beachten:

  • Bei den Mahlzeiten sollten keine schwierigen Themen diskutiert werden, sprechen Sie über schöne Dinge und Erlebnisse. Dadurch entsteht ganz automatisch eine entspannte und ruhige Atmosphäre – es darf auch gelacht werden!
  • Lassen Sie Ihr Kind in Ruhe. Natürlich müssen auch Kleinkinder bestimmte Regeln lernen. Dogmatische Vorgaben am Essenstisch, deren Missachtung möglichweise sogar noch bestraft wird, sind jedoch fehl am Platze, denn sie verderben den Spaß am Essen.
  • Lassen Sie sich Zeit für die Mahlzeit. Hetzen Sie Ihr Kind nicht, sondern achten Sie sein eigenes Essenstempo – achten Sie dabei auch einmal auf das Ihrige und ob es Ihren eigenen Bedürfnissen wirklich entspricht.
  • Fernseher und Radio sollten beim Essen aus bleiben. Niemand liest Zeitung, schreibt SMS oder spielt mit Handy oder Gameboy. Das Essen sollte eine Zeit der Gemeinsamkeit sein – Qualitätszeit eben.


Die Ess-Störung des eigenen Kindes ist ein Spiegel für das eigene Verhalten. Auch wenn es schwerfällt: Sehen Sie die Therapie und die Kritikpunkte, die sich dabei an Ihnen selbst finden lassen, nicht als Problem, sondern als Chance – genauso zur eigenen Weiterentwicklung wie zur Heilung Ihres Kindes!

 


Hier noch der Link zu einem Erlebnisbericht, der nahe geht:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,800401,00.html
 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de