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24 August, 2017 - 20:54
 

Fantasiefreunde – ganz normal oder ein Grund zur Sorge?

Viele Kinder haben sie – unsichtbare Freunde, die als Spielkameraden und Kummerkasten dienen. Es wirkt schon komisch, wenn ein Kind sich mit jemandem befasst, der für andere unsichtbar ist. Zu Ihrer Beruhigung: Bleibt die Freundschaft mit dem Fantasiefreund in bestimmten Grenzen, besteht kein Grund zur Sorge.

© Dron - Fotolia.com

Die Vorstellungskraft von Kindern ist nahezu unbegrenzt. Vor allem im Vorschulalter, in der magischen Phase  ist nichts unmöglich, Realität und Fantasie sind noch nicht klar voneinander getrennt. Und auch wenn dem Kind irgendwie klar ist, dass nur es selbst den Fantasiefreund sehen kann: Er ist so real wie alle anderen Menschen im kindlichen Umfeld.

 

Fantasiefreunde – Begleiter der kindlichen Entwicklung

Ein Fantasiefreund kann im Leben eines Kleinkindes viele Aufgaben erfüllen. Er ist immer da, wenn er gebraucht wird und er ist genau so, wie das Kind sich einen Freund erträumt. Es hat jemanden an der Seite, auf den es sich immer verlassen kann – besonders für Einzelkinder ein wichtiger Aspekt. Ein Fantasiefreund kann aber auch Projektionsfläche sein. Das Kind überträgt auf ihn Eigenschaften, die es selbst hat, sich aber nicht auszuleben traut – vielleicht, weil ihm die Eltern die Freiheit dazu nicht lassen. Ist es selbst eher schüchtern, defensiv und zurückhaltend, ist der Fantasiefreund wahrscheinlich frech und aufmüpfig und lässt sich von niemandem etwas gefallen. Das Kind probiert damit aus, wie diese Charaktereigenschaften bei den Eltern ankommen – ohne sich in Gefahr zu begeben, selber anzuecken. Fantasiefreunde sind da, wenn das Kind einen Spielgefährten braucht und keiner zur Hand ist. Ist es ins Spiel mit dem unsichtbaren Freund vertieft ist er genauso real wie der beste Freund oder die beste Freundin aus dem Kindergarten.

 

Ignorieren oder integrieren?

Wie aber sieht nun der angemessene Umgang mit dem zusätzlichen „Familienmitglied“ aus? Ist es besser, den Fantasiefreund zu ignorieren oder sollte man diese Phase des Kindes annehmen und den unsichtbaren Gefährten zum Teil der Familie machen? Sie sollten sich darüber klar werden, dass der Fantasiefreund ein Teil der Persönlichkeit des Kindes ist. Lehnen Sie den Fantasiefreund ab oder ignorieren Sie ihn, dann lehnen Sie gleichzeitig Ihr Kind ab – wenn auch nur in einem Teilbereich seiner Persönlichkeit. Ganz abgesehen davon, werden Sie Ihr Kind kaum dazu bringen, sich vom Fanstasiefreund „loszusagen“. Kämpfen Sie gegen ihn an, dann erreichen Sie nur, dass Ihr Kind das Vertrauen verliert und heimlich mit ihm spielt. 

Besser für die kindliche Entwicklung, das Selbstbewusstsein und das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind ist es, den Fantasiefreund zu akzeptieren und vielleicht sogar mit einzubinden. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass er seinen eigenen Teller am Esstisch bekommt. Es bedeutet einfach nur, dass Sie die Tatsache respektieren, dass es ihn gibt und er für das Kind wichtig und real ist. 

 

Fantasiefreunde fördern die Sprachentwicklung

In einer Studie aus Neuseeland wurde festgestellt, dass die Sprachentwicklung von Kindern, die einen Fantasiefreund haben, positiv beeinflusst wird. Warum das so ist, ist noch nicht vollständig geklärt. Elaine Reese, die die Studie initiiert hat, vermutet den Grund darin, dass sich die Kinder die Erlebnisse mit dem Fantasiefreund erst selbst ausdenken müssen. Können Sie anschließend Ihren Eltern davon erzählen, werden die Sprachfähigkeiten geschult. Deshalb schadet es nicht, wenn Sie Ihr Kind nach dem Fantasiefreund fragen. Es fühlt sich dadurch einerseits angenommen, andererseits werden die erzählerischen Fähigkeiten geschult und gefördert.

 

Wenn der Fantasiefreund zum Problem wird

Meist verschwinden die Fantasiefreunde irgendwann ganz von selbst und machen Platz für andere Interessen. Ist das über lange Sicht nicht der Fall oder nimmt der unsichtbare Freund eine allzu dominante Rolle ein, sollten Eltern jedoch aufmerksam werden. Vielleicht will Ihr Kind Ihnen unbewusst etwas sagen, möglicherweise liegen tiefergehende psychische Probleme vor. Eine allzu intensive Beschäftigung mit dem Fantasiefreund, die gleichzeitig dazu führt, dass das Kind sich von der Außenwelt zurückzieht, kann zum Beispiel auf Autismus hinweisen. Bevor Sie allerdings in Panik geraten: Lassen Sie Ihrem Kind noch ein wenig Zeit, über den Fantasiefreund hinwegzukommen, denn jedes Kind hat sein ganz eigenes Entwicklungstempo. Beginnen Sie, sich ernsthafte Sorgen zu machen, dann wenden Sie sich an den Kinderarzt. Dieser sollte wissen, wie die nächsten Schritte aussehen.

 

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