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22 Februar, 2016 - 10:24
 

Fremdeln – wenn Kinder erstmals Angst zeigen

Wer Kinder hat, kennt das Phänomen: Der bisher so aufgeschlossene Säugling beginnt plötzlich, sich vor jedem zu fürchten, den er nicht ausgesprochen gut kennt. Selbst die zuvor so begeistert aufgenommenen Großeltern werden mit lautem Weinen begrüßt und der Kleine ist erst einmal nicht zu bewegen, auf Omas Arm zu kommen.

© mu_che - Fotolia.com

Und plötzlich ist alles anders

Bis zu einem Alter von ungefähr sechs Monaten heißt ein Säugling alles und jeden willkommen. Der Postbote wird genauso freudig angestrahlt wie die Großeltern oder die Kinderärztin. Dieses kooperative und aufgeschlossene Verhalten kann sich jedoch von einem Tag auf den anderen ändern. Plötzlich will das Kind nur noch bei Mama oder Papa bleiben, schon wenn es von anderen Menschen nur angeschaut wird, bricht es in lautes Gebrüll aus. Die sogenannte „Fremdelphase“ hat begonnen. In der Regel zeigt sich dieses Verhalten ab einem Alter von sechs bis acht Monaten und kann andauern, bis das Kind zwei Jahre alt ist.

Wie stark das Fremdeln ausgeprägt ist, ist von Kind zu Kind verschieden. Manche Kleinkinder lassen wirklich niemanden mehr an sich heran, andere zeigen ihre Angst nur durch ein Versteifen des Körpers an oder durch ängstliche Blicke. Auch die Distanz, die Kindern in dieser Phase bedrohlich erscheint ist individuell. Wie stark ein Kind fremdelt, hängt zum Teil auch von der Aufgeschlossenheit der Eltern gegenüber Fremden und der Intensität der Interaktion mit Vater und Mutter statt. Je intensiver die Eltern-Kind-Bindung, desto intensiver sind oft auch die Fremdelphasen.


Fremdeln – ein bedeutender Entwicklungsschritt

Im Alter von sechs bis acht Monaten machen Säuglinge einen großen Sprung in ihrer Wahrnehmung. Sie können ab dort zuverlässig zwischen fremden und vertrauten Gesichtern unterscheiden, nehmen also auch wahr, dass ein Gast fremd ist und eine potentielle Bedrohung darstellen könnte. Weitere Aspekte, die das Kind in diesem Zusammenhang verwirren könnten, kann der fremde Geruch oder auch die abweichenden nonverbalen Kommunikationsregeln sein, die das Kind mit seinen engsten Bezugspersonen aufgebaut hat. Gleichzeitig ist das Fremdeln eine Schutzreaktion der Babys. Sie werden mobiler und gleichzeitig vorsichtiger, begrenzt die Angst vor Fremden doch zwangsläufig den Aktionsradius.


Wie kann man fremdelnde Kinder unterstützen?

In der Entwicklungspsychologie ist das Fremdeln ein ganz natürlicher Entwicklungsschritt, den ein Kind durchmacht. Probleme damit haben meist weniger die Kinder als die Erwachsenen: Die Eltern fragen sich, ob ihr Kind denn „normal“ ist, Besucher und Großeltern befürchten, vom Kind generell abgelehnt zu werden. Als Eltern sollten Sie die Fremdelphase Ihres Kindes annehmen und es dahingehend unterstützen, dass Sie bei anderen Personen um Verständnis bitten. Ihr Kind können Sie dahingehend unterstützen, dass Sie es nie zu einer Kontaktaufnahme zwingen oder sich über seine Angst lustig machen. Nehmen Sie das Bedürfnis des Kindes nach Distanz ernst und sorgen Sie dafür, dass Besucher sich behutsam und im Tempo des Kindes annähern. Wenn Ihr Kind sieht, dass Sie mit der Fremden Person natürlich und freundschaftlich umgehen, wird es sich entspannen und seine natürliche Neugierde wird in den Vordergrund rücken.


Wenn Sie Ihrem Kind während der Fremdelphase zur Seite stehen und ihm ermöglichen, seinen eigenen Impulsen zu folgen, schaffen Sie einen sehr großen Schritt hin zu einem vertrauensvollen Eltern-Kind-Verhältnis und einer starken Bindung.

 

 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
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