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26 August, 2017 - 20:38
 

Halt finden in der Welt der Großen – woher nehmen Kinder das Vertrauen?

Kinder verstehen ihre kleine Umgebung, die Welt der Erwachsenen ist ihnen aber lange unverständlich. Andreas Clevert ist beeindruckt und fasziniert, wie viel Vertrauen Kinder den Personen um sie herum entgegenbringen. Denn die Gründe, warum diese permanent wechseln, kann ein Kind nicht begreifen. Ein Plädoyer für mehr Verständnis für kleine Menschen.

© Pavel Losevsky - Fotolia.com

Manchmal stehe ich schon staunend vor diesem kleinen Menschen. Da ist man so zwei Jahre alt. Versteht die Welt. Weiß, wohin man möchte. Und wohin nicht. Was man essen möchte, und was nicht. Welches Spielzeug interessiert, und welches nicht. Holt sich die Sachen, wo man selbst kann, und holt Hilfe, wo es noch nicht klappt.


Der kleine Mann versteht seine Welt. Seine Welt. Aber nicht diese komplizierte Erwachsenenwelt, der er doch konstant ausgesetzt ist.


Hier die Kita unter der Woche. Da das Wochenende. Der Rhythmus scheint greifbar zu sein. Und manchmal kommen Krankheitstage, Feiertage, und bringen alles wieder durcheinander. Schon mal alle Kalenderabsurditäten einem Zweijährigen erläutert?


Hier kommt die Babysitterin zum Abholen, da die Mama. Und freitags manchmal der Papa. Schon mal erläutert, warum der Papa freitags früher aus seinem Bürokasten darf?


Immer wieder wechselnde Bezugspersonen – scheinbar ohne Schema


Hier hat man sich gerade an die Erzieherin gewöhnt, war eigentlich die Liebste von allen, und sie ist schon wieder weg. Schon einmal einem Zweijährigen erläutert, was eine Praktikantin ist?


Da klappt es nun schon einigermaßen mit der spanischsprachigen Babysitterin. Und schwups ist Maria weg und plötzlich Juana da, ohne Vorwarnung. Schon einmal einem Zweijährigen erläutert, warum so ein junges Mädel mit gebrochenem Herzen Knall auf Fall wieder in ihr Heimatland zurückgeht?


Und manchmal eine Bezugsperson namens Oma und Opa, Onkel und Tante, Cousine und Cousin. Tauchen unvermittelt und unregelmäßig auf. Müssen sofort geliebt werden. Umgang wie mit alten Bekannten angemahnt. Kennt man doch nicht. Schon mal einem Zweijährigen erläutert, was Familienbande sind?


Würden wir selbst so viel Vertrauen aufbringen?


Versetzten wir uns deshalb häufiger in die Lage des kleinen Mannes. Mal ehrlich, würden Sie sich immer mitziehen lassen, wenn Ihnen doch noch so viele Informationen dieser neuen Welt fehlen? Das Wieso und Warum einfach nicht nachvollziehbar ist? Nein, oder?


Denken Sie also daran, wenn unser Nachwuchs irgendwann einmal wieder auf dem Treppenabsatz steht und aus heiterem Himmel weder vor noch zurück möchte. Wer soll es ihm verdenken? Seien wir nachsichtig mit unserem Nachwuchs. Das Urvertrauen, dass uns unser Kind jeden Tag im Alltag in den allermeisten Situationen schenkt, ist überwältigendes Wunder genug.

 


zum Autor:
Andreas Clevert, Jahrgang 1970, ursprünglich aus Esslingen stammend, lebt mit seiner spanischen Frau und seinen drei Jungs/Söhnen  (*2008, *2010 und *2013) in Bonn. Mehr von seinen Erlebnissen lesen Sie unter www.vaterdasein.wordpress.com


 

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Autor

Redaktion Vaterfreuden.de