Skip to main content

Suche

18 Oktober, 2016 - 07:11
 

Ihr Kind wird drei? - jetzt wird es richtig lustig

Viele Kinder machen um den dritten Geburtstag herum noch einmal einen kräftigen Entwicklungsschub. Die Kids reden und verstehen auf einmal deutlich mehr als zuvor und entwickeln rasant ihre eigene Persönlichkeit. Für Eltern und Außenstehende bringt das viele urkomische Situationen mit sich. Außerdem ermöglicht das zunehmende Verständnis der Kinder ihren Eltern meist auch ein paar Freiheiten.

© danr13 - Fotolia.com

Ein guter Freund von mir, dessen Kinder inzwischen schon älter sind, sagte mir einmal, dass für ihn die Zeit, als seine Kids drei Jahre alt waren, die schönste gewesen sei. Als Vater einer Tochter, die vor ein paar Monaten drei geworden ist, kann ich ihn nun verstehen. Zumindest zum Teil – aber davon später mehr. Eines ist jedoch sicher: mit Dreijährigen gibt es auf einmal für die Eltern viel mehr zu lachen.

Viele Kinder machen um den dritten Geburtstag herum noch einen deutlichen Entwicklungsschub durch (ich bin mir sicher, dass dies einer der Gründe ist, dass ab diesem Alter auch die Kindergartenzeit beginnt). Die neuen Fähigkeiten – auf sprachlicher und kognitiver Ebene sowie im Umgang mit anderen – wollen die Kids auch sofort umsetzen. Vor allem tun sie das im Spiel. Hier ergeben sich völlig neue Möglichkeiten der Interaktion – sowohl mit anderen Kindern als auch den Eltern. Kinder lernen in erster Linie durch das Beobachten und Nachahmen ihrer Umgebung – und gerade deswegen können sich Eltern auf amüsante Situationen gefasst machen. Denn mehr als nur einmal werden Sie sich in ihren Kindern und deren Spielen erkennen.


Wortschöpfungen zum totlachen

Unsere Kleine hat mit dem dritten Geburtstag plötzlich angefangen, immer mehr zu reden. Dieses Kleinkind-Sprech ist häufig wirklich witzig. Die Satzstellung erinnert oft an Yoda aus „Star Wars“ und hin und wieder gibt es Wortschöpfungen, die einem vor Lachen die Tränen in die Augen treiben können. Wussten Sie, was Kinder mit den folgenden Begriffen meinten: Trottelini, Kinderwärterin, Schrumpfhose, Schlussverreiß, Süchtigkeiten, Mopsarella oder Trostbrot? Diese Kinderworte haben Leser der Elterncouch auf SPON zusammengetragen. Hier die Auflösung – gemeint waren: Tortellini, Kindergärtnerin, Strumpfhose, Reißverschluss, Süßigkeiten, Mozzarella und Toastbrot. Die bisher schönste Wortschöpfung unserer Tochter? Nachdem wir mit Lilly auf dem Mittelaltermarkt waren erzählte sie der Oma am Telefon vom „Superaltermarkt“. Eine echte Checkerin, unsere Kleine ;-)


Die neue Sprachfähigkeit ermöglicht soziale Spiele – auch mit den Eltern

Die neuen sprachlichen Fähigkeiten eröffnen Kindern ganz neue Möglichkeiten des Spielens. Spiele, bei denen Absprachen notwendig sind,  werden nun möglich. Häufig spielen Kinder nun Alltagssituationen nach, die ihnen vertraut sind. Und zwar entweder mit anderen Kindern oder – häufig noch beliebter – mit den Eltern. Neben „Einkaufen“ spielt unsere Lilly am Liebsten „Vater, Mutter, Kind“. Das Spiel beginnt meist mit der Ansage „Du bist das Kind“. Dabei nimmt unsere Tochter nie die Rolle des Kindes ein, sondern entweder die der Mama – meine Frau ist dann ein Kind und Lilly hat dann noch eine Puppe als Baby – oder inzwischen noch häufiger die des Papas (wobei ich seltsamerweise im Spiel der zweite Papa bin). Meine Frau und ich haben uns eine Weile lang gefragt, warum Lilly so gerne in die Rolle des Vaters schlüpft. Dann fiel uns auf, dass wir im Spiel immer im Auto irgendwohin fahren – und bei uns ist der Papa eben der Chauffeur. Etwas, was sich unsere Tochter im Spiel nicht nehmen lassen wollte. So bekommt man als Eltern von den Kindern den Spiegel vorgehalten und merkt, wie unbewusst Geschlechterrollen geprägt werden.

Auch mit anderen Kindern wird ab einem Alter von Drei mehr zusammen gespielt. Dies wird auch durch die Zeit im Kindergarten gefördert, wo Kinder auf Gleichaltrige treffen und sich von den „Großen“ etwas abgucken können. Allererste Freundschaften werden geschlossen, wobei dies in erster Linie Spiel-Freundschaften sind. Auch wir Eltern durften schon hören „wenn du mir nicht die Gummibärchen gibst, dann bist du nicht mehr mein Freund.“ Beim ersten Mal waren wir so erstaunt, dass wir nicht wussten, ob wir ungläubig den Kopf schütteln oder laut loslachen sollten.


Die neuen Fähigkeiten haben nicht nur schöne Seiten

Durch die sprachlichen Fähigkeiten können Kinder auch Fragen formulieren - und tun das auch mit Begeisterung. Das ist dann in vielen Fällen der Beginn der endlosen „warum“-Frageketten, die Eltern ziemlich auf die Nerven gehen können. Die Fragen der Kinder werden aus einem echten Wissensbedürfnis geboren und daher sollte man auch versuchen, sie bestmöglich zu beantworten. Es sei Eltern jedoch verziehen, wenn Sie nach dem zehnten „warum“ keine Lust mehr haben.

Auch müssen Eltern nun gut aufpassen, was sie sagen, denn ihr Kind hört mit. Und gerade die Worte, die sie nicht hören sollen, scheinen Kinder besonders gut aufzuschnappen. Der Spaß, diese dann auch auszusprechen ist um so größer, wenn die Eltern geschockt reagieren. Das SCH-Wort gehört seit ein paar Wochen zum festen Wortschatz unserer Tochter. Wir sind uns nur noch nicht sicher, ob sie das von uns oder im Kindergarten aufgeschnappt hat. Wir hoffen auf Letzeres ;-)

Mit dem, was Kinder neu lernen, entwickelt sich auch ihre Persönlichkeit. So kommt es zwangsläufig zu vermehrten Diskussionen, denn durch Widerrede wollen Kinder ihre Selbständigkeit zeigen und nicht mehr alles akzeptieren, was die Eltern ihnen vorsetzen. Bei uns fing es mit Diskussionen um Kleidung an und inzwischen sind wir beim Essen angelangt, bei dem unsere Tochter recht klare Vorstellungen hat, was sie NICHT will. Ein probates Mittel ist es in diesem Fall, Kindern von Anfang an zwei Alternativen zu geben („Möchtest du das rote oder das blaue Kleid anziehen?“). So hat Ihr Kind das Gefühl, dass es selbst entscheiden durfte und fühlt sich nicht überrumpelt. Ein Tipp: mehr als zwei Alternativen überfordern Kinder in diesem Alter meist noch.

Apropos Persönlichkeit – Sie werden sich auch immer öfter selbst in Ihrem Kind wiedererkennen. In den Gesten Ihres Kindes, in seiner Wortwahl, in der Art und Weise, wie es mit Ihnen argumentiert. In der einen oder anderen Diskussion werden Sie mit Sicherheit Sprüche hören, die Sie selbst gerne verwenden.

Der verstärkte Wunsch nach Selbstständigkeit drückt sich auch darin aus, dass Kinder noch häufiger als zuvor Dinge selbst machen wollen. Für Eltern kann es frustrierend sein, dem Ganzen zuzusehen und geduldig abzuwarten, bis ihr Kind sich etwa selbst angezogen hat. Klappt etwas nicht, dann kommt es häufig zu Tränen oder Wutausbrüchen vor lauter Frust. Aber das kennen Eltern ja schon von den Trotzanfällen und wissen inzwischen meist damit umzugehen.


Neue Freiheiten für Eltern von Dreijährigen Kindern

Mit dem fortschreitenden Alter entwickeln sich Kinder auf in anderer Hinsicht. Die meisten Dreijährigen brauchen – zumindest tagsüber – keine Windel mehr. Viele schlafen im eigenen Bett ein. In der Regel schlafen Kinder in diesem Alter die Nacht durch. Ein großer Teil der Dreijährigen hat – meist durch den Kindergarten – Erfahrungen mit Fremdbetreuung gemacht. Dies ermöglicht es, den Eltern von Kindern in diesem Alter, neue Freiheiten für sich zu erobern. Die meisten Dreijährigen freuen sich über Spieltreffen/Playdates mit gleichaltrigen „Freunden“. Hier können sich die Eltern der Kinder absprechen, so dass nur ein Elternteil die Aufsicht übernimmt. Das klappt in der Regel meist gut. Die Kinder können meist damit leben, wenn ihre Mama und Papa sich für eine Weile verabschieden und häufig sind zwei Kinder, die gut miteinander spielen sogar einfacher zu beaufsichtigen als eines, das beschäftigt werden möchte. Die Dauer der Abwesenheit der Eltern kann langsam gesteigert werden. Per Telefon sollte man für den Notfall jedoch erreichbar sein.

Dasselbe gilt auch für gemeinsame Abende mit dem Partner – ganz ohne Kinder. Nun ist die Zeit gekommen, in der Sie wieder zu zweit ausgehen können, ein verlässlicher Babysitter vorausgesetzt. Auch hier sollte man die Zeit, in der man „aus“ ist langsam steigern.

Dreijährige haben auch schon die Fähigkeit zur Einsicht, wenn sie denn wollen. Sie lernen langsam, sich in andere hineinzuversetzen und deren Lage zu verstehen. So kann man ihnen dann erklären, dass man jetzt los muss, weil man sonst zu spät kommt oder dass man leider zur Arbeit gehen muss, um die Miete bezahlen und auch Eis kaufen zu können. Auch das Verständnis für Deals in der Art „wenn Du jetzt brav bist bekommst Du“ haben Kinder nun. Diese Handeleien sind nicht schön, aber mit ihnen erreicht man als Eltern oft das, was man will. Ein echter Vorteil gegenüber den Wutanfällen von Zweijährigen, bei denen meist nichts hilft.


Anregungen für Eltern von Dreijährigen

Es gibt zahlreiche Dinge, die Eltern von Dreijährigen tun können, die Spaß machen, Bindung schaffen oder die Kinder in ihrer Entwicklung voranbringen. Hier ein paar Anregungen:

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind den Tag durch. Entweder abends beim gemeinsamen Essen oder später im Bett vor der Gutenachtgeschichte. Ermutigen Sie Ihr Kind dabei, von seinen Erlebnissen zu erzählen. Sie werden überrascht sein, was Ihr Kind nun alles zu berichten hat.
  • Lesen Sie Ihrem Kind vor. Kinder haben nun langsam die Konzentrationsfähigkeit, kurzen Geschichten zu folgen, den Kurzversionen von Märchen etwa. Das Vorlesen und das Selber-Sprechen fördern die sprachlichen Fähigkeiten ihres Kindes ungemein.
  • Singen sie mit ihrem Kind. Es hat viel Spaß daran und lernt langsam, sich die Texte zu merken oder sie – oft sehr witzig – selbst zu interpretieren.
  • Ermuntern Sie Ihr Kind, den Großeltern am Telefon von seinen Erlebnissen zu erzählen.
  • Schaffen Sie eigene Rituale. Das können neben dem Gute-Nacht-Ritual regelmäßige gemeinsame Unternehmungen sein – Enten füttern, einen Baum besuchen, Pizza backen, die Eisenbahn aufbauen etc. - oder auch nur ein spezielles Lied, eine Redewendung, die sie immer zusammen gebrauchen oder ein geheimer Handschlag. Etwas, das Sie und Ihr Kind verbindet.
  • Lassen Sie Ihr Kind Dinge entscheiden. Das tut ihm gut und schafft Selbstbewusstsein. Grenzen Sie die Auswahl auf zwei Alternativen ein.
  • Erklären Sie Ihrem Kind Dinge. Die Erklärungen müssen meist nicht besonders kompliziert sein, Details verstehen Dreijährige meist nicht. Oder – noch besser: zeigen Sie Ihrem Kind Dinge. Ein Beispiel: unsere Tochter wollte sich im Auto nicht anschnallen lassen. Ich sagte ihr, dass die Gurte wichtig sind, weil sie sie festhalten, wenn ich bremsen muss. Das überzeugte sie nur halb. Dann sagte ich ihr, ich würde es ihr zeigen. Sie ließ sich anschnallen, ich fuhr ein paar Meter langsam und bremste dann hart. Zum einen fand sie das toll und zum anderen ist das Anschnallen seitdem kein Thema mehr.
  • Lassen Sie Ihr Kind Erfahrungen sammeln. Schützen Sie Ihr Kind, wo es nötig ist und erklären sie ihm, warum sie es Dinge nicht machen lassen wollen. Aber lassen Sie Ihr Kind auch Erfahrungen sammeln, solange es ungefährlich ist. Wenn Ihr Kind also unbedingt darauf besteht, bei kaltem Wetter barfuß nach draußen zu gehen, dann lassen sie es – und gehen Sie mit Strümpfen und Stiefeln hinterher.
  • Lassen Sie Ihr Kind selbst Dinge tun. Das Gefühl von „das habe ich selbst geschafft“ tut den Kids enorm gut.
  • Lassen Sie sich Dinge von Ihrem Kind zeigen und erklären – den Heimweg etwa oder wie es dieses oder jenes gemacht hat. Das fördert die sprachlichen Fähigkeiten und das Selbstbewusstsein Ihres Kindes.
  • Lassen Sie Ihr Kind Dinge mit anderen Kindern teilen. Das Prinzip des Teilens ist für Kinder in diesem Alter noch schwer verständlich. Sie sehen die Vorteile noch nicht. Aber wenn Sie zum Beispiel Ihrem Kind am Spielplatz nur dann Süßigkeiten geben, wenn es diese auch mit den anderen Kindern teilt, dann wird es das schnell lernen – und außerdem neue Freunde finden.
  • Nehmen Sie Ihr Kind und seine Bedürfnisse ernst. Ihr Kind ist beileibe kein Baby mehr und entwickelt gerade seine Persönlichkeit. Dazu gehört auch, dass es selbst herausfindet und entscheidet, was ihm gut tut oder gefällt - und was nicht. Unterstützen Sie es hierbei soweit wie möglich und heben Sie sich die „neins“ für wichtige Dinge auf.


Dreijährige - nicht immer einfach, aber häufig lustig

Kinder im Alter von drei Jahren sind nicht immer einfach – die Trotzphase ist noch nicht ganz überstanden, der zunehmende Drang nach Selbstständigkeit führt zu Bockigkeit und Widerrede – und trotzdem ist das ein Alter mit vielen Freuden für die Eltern. Ihr Kind wird nun immer verständiger, sie können mehr mit ihm unternehmen, müssen aber auch mehr auf dessen Wünsche Rücksicht nehmen. Eigentlich nur fair, oder? In jedem Fall hat das Zusammenleben mit einem dreijährigen Kind viele lustige Momente. Noch ein Beispiel: Vor ein paar Tagen sagte meine Frau unserer Tochter nach dem Gutenachtkuss noch „ich hab Dich lieb“. Darauf die Antwort unserer Dreijährigen: „Danke.“

Was soll man dazu noch sagen :-)

 

Vaterfreuden auf Facebook   Vaterfreuden auf Twitter
Artikel bewerten
 

Autor

Redaktion Vaterfreuden.de
randomness